© Austin Young/Six Degrees

freizeit
10/13/2014

Multimedia: Star der Woche

von Andreas Bovelino

Am Donnerstag steigt im Wiener Porgy & Bess eines der ganz großen Konzert-Highlights dieses Musik-Herbstes: AZAM ALI & NIYAZ. Noch nie gehört? Erstens glaub ich das nicht, worauf wir später noch zurückkommen werden - und zweitens sollte sich das, so es doch stimmt, schnellstens ändern. Denn wie die persisch-amerikanische Musikerin jahrhundertealte orientalische Tradition aufbereitet, interpretiert und zu ihrem eigenen, grenzüberschreitenden Trance-Dance-Genre macht, ist mehr als hörenswert.

Geboren in Teheran, aufgewachsen auf der Flucht vor Glaubensfundamentalisten bei parsischen Verwandten in Indien und später in Kalifornien, ist Azam Ali nicht nur in vielen Sprachen und Kulturen zu Hause, sondern hat sich die Sehnsucht, über Grenzen zu sehen bis heute erhalten. Die Sehnsucht nach Neuem - und dem ganz Alten, Verschütteten, das sich in vielen Fällen als gemeinsamer Nenner für das Neue entpuppt.

Schon mit ihrer ersten Band Vas verband Azam Ali Ende der 1990er alte orientalische Lyrik mit zeitgemäßer Perkussion, Sufi-Mystik mit dem globalen Tanzboden, und wurde einer der best-selling World-Artists der internationalen Musikszene. Mit ihrer aktuellen Band Niyaz verstärkte sie das elektronische Moment ihrer Musik, während sie solo sowohl mittelalterliche europäische Musik wie hypnotischen englischsprachigen Pop, und ihrem Mann Loga Torkian meditative Songperlen, und als "Roseland" Dark-Rock macht. Und mit Kollegen aus allen musikalischen Ecken zusammenarbeitet, Serj Tankian (System of a Down), King Crimson, Tyler Banks, Nine Inch Nails, Buckethead, Mercan Dede und Steve Stevens seien hier nur mal so genannt...

Es gibt kaum eine Stimme im aktuellen Musik-Business, die eine derart magische Kraft hat wie die Azam Alis. Wie der mächtige Dschinn aus der kleinen Lampe kann sie uns im Handumdrehen an jeden Ort bringen, den sie will. Den üppigen Garten eines persischen Palastes, geheimnisvoll, von außen nicht zu erahnen, mit exotischen Pflanzen, sanft plätschernden Springbrunnen und hunderten bunten, singenden Vögeln. Die karge Weite der syrischen Badiya, die sinnliche lebensfrohe Welt von Hafis' Diwan... Azam Alis Stimme kann verführen ebenso mühelos wie gellend klagen, Sehnsüchte wecken und tränenrauhes Leid über endlose Dünen und zerklüftetes Karstgebirge wehen lassen.

Das kommt natürlich nicht von ungefähr, sie hat jahrelang Gesang studiert, zuerst beim persischen Meister Manoocher Sadeghi, der sie auch zur Virtuosein auf dem Santur, einer Art orientalischem Hackbrett, ausbildete. Später kamen osteuropäische Lehrer und eine klassische Gesangsausbildung dazu. Heute ist sie in balkanischen Gesangsstilen ebenso versiert wie in türkischen, arabischen, persischen, gregorianischen oder europäisch-mittelalterlichen.

Eine Qualität, die sie schon vor knapp 15 Jahren für Hollywood und die Filmindustrie interessant machte. Auch wer sie oder ihre verschiedenen Bands noch nie gesehen hat, kennt ihre Stimme aus unzähligen Film- und Fernsehproduktionen. "Matrix Revolutions", "The Fight Club", "Tomb Raider", "Dawn of the Dead", "Crossing Over", "Prince of Persia", "Night at the Golden Eagle", "Godsend", "The Nativity Story", "Intoxicating", "Speed Racer", "John Carter", "Season of the Witch", "Children of Dune", "Earthsea", "True Blood", "Alias", "Prison Break", "The Agency" und jede Menge weniger bekannte Filme, wie "The Stoning of Soraya M.", dessen beinahe unerträgliche Steinigungsszene durch Alis eindringlichen Gesang noch erschütternder wird...

Noch drei Anmerkungen zu ihren Soundtracks. Ja, ihr kennt sie auch von Videospielen. Nur guten natürlich, wie "Uncharted 3". Nein, auch wenn es immer wieder behauptet wird: Bei "Gladiator" ist sie ausnahmsweise nicht zu hören. Das ist Lisa Gerard, also quasi ihre westliche Schwester im Geiste. Ja, bei "300" dem extradummen Film über die Thermopylenschlacht, ist es wirklich sie, die dem gesamten Score einen Qualitätsschub verleiht. Zu ihrer Entschuldigung sei zu sagen, dass sie den fertigen Film nicht kannte als sie den Soundtrack einsang. Die Millersche Comicvorlage wohl auch nicht. Seitdem hat sich die gebürtige Iranerin mehrmals von der Handlung des Streifens distanziert. Man findet ihn als Referenz weder auf ihrer Homepage noch auf ihrer FB-Seite...

Obwohl sie auch hier herzergreifend schön singt: Message For The Queen - Godbye My Love.

Die CDs

BovelinosPlaylist

OMAR SOULEYMAN: Edamat – Vor einer Woche begeisterte uns der Mann aus Syrien beim „Electronic Beats Festival Vienna“.

VUSA MKHAYA & JEREMIAH: Khawulezah – Eine der besten Stimmen, die’s derzeit zu hören gibt. Egal, ob bei Insingizi, MoZuluArt – oder auf dem Dancefloor.

INSINTESI FEAT. MISS MYKELA & MARIA MAZZOTTA: Pizzicarella Dub – Tanz wie ein Apulier. Oder eine Apulierin.

MERCAN DEDE: Cotton Princess & Seven Midgets Vs. Ali Baba And The 40 Eskimos – Ambient meets Orient. Faszinierend schön.

THE ORB: Little Fluffy Clouds – Kult-Electronics aus den 90s. Und Ricky Lee Jones spricht über ihre Kindheit in Arizona. Auch irgendwie World-Music ...

TRENTEMOELLER & DJUMA SOUND SYSTEM: Les Djinns – Der dänische Techno-Meister reitet einen fliegenden Teppich. Hübsch.

AZAM ALI & NIYAZ: Ishq – Die Königin des World-Trance-Dance. Groovt und verzaubert.

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