Jürgen Vanek, Erwin Buchinger, Goran Zikic

© Christian Novak

WERBUNG
03/09/2017

Selbststständiges Wohnen für Menschen mit Behinderung

Tagung und Pressekonferenz zum Thema "Selbstständiges Wohnen für Menschen mit Behinderung" in Wien.

Auf einer Tagung und einer Pressekonferenz
in Wien wurde kürzlich das Thema
selbstständiges Wohnen für Menschen mit
Behinderung vorgestellt.
Dort trafen viele Menschen aufeinander.
Menschen mit Behinderungen und
Menschen, die sich mit dem Thema
selbständiges Wohnen auskennen.
Dieses Thema ist wichtig, weil es
die Selbstständigkeit von Menschen
mit Behinderungen fördert.

Mehr als 11.000 Menschen wohnen voll-betreut

Etwa ein Drittel der Betroffenen lebt
nach wie vor in Großeinrichtungen, wo
zwischen 50 und 500 Menschen wohnen.
Zusätzlich müssen fast 1.400 Menschen
mit Behinderung, die deutlich jünger als
60 Jahre sind, in Alten- und Pflegeheimen
leben.
Nur 11 % aller Betroffenen, also ungefähr
jeder Zehnte, leben in kleinen
Wohngemeinschaften mit weniger als
10 Mitbewohner/innen.

Ausbau gefordert

Deswegen soll dieser Bereich ausgebaut werde.
Eine der Forderungen bei der Tagung:
Mehr Geld in diese Projekte investieren,
damit Menschen mit Behinderungen
gut leben können.

Ein Betroffener schildert

Jetzt folgt eine Aussage einer
betroffenen Person bei dieser Tagung.
Dieser Mann schildert, wie schwierig es
für ihn war, endlich selbstständig
wohnen zu dürfen, aber was es für
ihn bedeutet:

Goran Zikic
„Meine Behinderung habe ich von Geburt an.
Bis zum 30. Lebensjahr habe ich bei meinen
Eltern gewohnt.
Mit 18 ungefähr bin ich in die Beschäftigungstherapie
bei Balance gegangen.

Mit 30 bin ich dann in ein Wohnhaus bei
Balance gezogen und hatte dort ein kleines
Zimmer für mich.
Das war damals vollbetreutes Wohnen.

Fünf Jahre später bin ich dann in die
WG (WohnGemeinschaft) Bernsteinstraße
gezogen, auch bei Balance.
Diese WG war nur teilbetreut.
Das war gut für mich, denn ich wollte
selbständiger leben.
Ich wollte meine Besorgungen selber machen, und
mich selber um meine Gesundheit kümmern.

Eigentlich wollte ich gleich in eine Wohnung ziehen,
aber der Leiter von damals hat mir das nicht zugetraut.
Und eigentlich war es dann auch besser,
dass ich erst in der WG war.
Da konnte ich mich gut auf die Wohnung vorbereiten.
Und ich konnte Erfahrungen sammeln,
wie das Leben so abläuft.

Da habe ich dann endlich auch meinen
Hauptschulabschluss geschafft.
Nach ungefähr 4 Jahren bin ich dann
teilbetreut in eine Wohnung im
Wohnverbund Bernstein von
Balance gezogen.
Zu der Zeit habe ich mit der Matura begonnen.“

Unabhängig und selbst organisiert

„In die Wohnung kamen mobile Dienste, und
auch das Team von Balance hat mich jeden
Tag unterstützt.
Aber ich war viel unterwegs und hatte oft
keine Begleitung.
Aber ich brauchte Begleitung. Und ich habe mir
Sorgen um meine Zukunft gemacht. Was ist
wenn ich älter werde, und ich brauche
immer mehr Betreuung?

Ich will auf keinen Fall, dass mich irgendwer
in ein Altersheim oder Pflegeheim schickt.
Ich habe mir gedacht, ich organisiere mich
selbst in meiner eigenen Wohnung.
Und deshalb habe ich mir selbst zugemutet,
noch einmal umzuziehen - in die Wohnung,
in der ich jetzt lebe.
Ich organisiere mir die Assistenz selber.
Und dadurch bin ich sehr unabhängig.
Ich nehme z.B. an Schachturnieren teil,
das geht super mit einem persönlichen Assistenten.
Es klappt alles gut. Ich habe mein Pflegegeld
und bekomme vom FSW (Fonds Soziales Wien)
noch extra Geld für die persönliche Assistenz.
Ich habe einen Steuerberater, der mich bei
allen Abrechnungen unterstützt.

Ich möchte noch besser leben.
Wenn die Wohnung z.B. ein bisschen größer wäre,
wäre das fein. So bin ich halt.
Ich bin nie zufrieden.
ich will immer mehr.“

Klaudia Huber

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