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05/28/2020

Die 50er sind zurück!

Nach dem Vorbild der legendären „Case Study Houses“ aus der Nachkriegszeit entwarf US-Designer Marc Thorpe ein Haus, das die Stadt Los Angeles ins Zentrum rückt.

Es ist irgendwann in den späten 50er-Jahren. Der zweite Weltkrieg ist gerade erst vorbei und Millionen amerikanischer Soldaten treten langsam aber vor allem endlich ihre Heimreise aus den von ihnen befreiten Teilen Europas an. Viele Jahre haben sie fern ihrer Heimat gelebt.

Doch zuhause weiß keiner mehr, wohin mit ihnen. In den USA gibt es viel zu wenig Wohnraum für die Veteranen.

Das Case Study House als Nobel-Lösung

Aus dieser tragischen Not heraus entstanden damals viele Wohnbau-Projekte im ganzen Land. Zumeist waren das eher einfache und sehr günstig errichtete Behausungen in wenig noblen Ecken der USA.

Aber: Es gab auch die so genannten „Case Study Houses“ (Fallstudien-Häuser). Dabei handelte es sich zum ein von der Zeitschrift „Arts & Architecture“ unterstütztes Programm, bei dem zwischen 1945 und 1966 berühmte Architekten dazu animiert wurden, neue Formen des Wohnens zu entwickeln. Um den neuen Wohnraum den größten Kriegshelden bereitzustellen.

Richtig große Namen

Mit dabei waren damals richtig große Namen wie Richard Neutra, Raphael Soriano, Craig Ellwood oder Charles und Ray Eames. Insgesamt wurden dabei 36 Häuser entworfen, von denen allerdings nicht alle auch verwirklicht wurden.

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Tatsache jedoch ist: Bis heute stellt das Case-Study-Houses-Programm eine einzigartige innovative Episode in der Geschichte der amerikanischen Architektur dar. Es hatte unbestritten einen starken Einfluss auf die Entwicklung der amerikanischen und internationalen Architektur.

Case Study Houses als Inspiration

Diese Phase in der US-Geschichte hat es nun dem New Yorker Designer und Architekten Marc Thorpe angetan. Für einen reichen Geschäftsmann entwarf er jetzt ein Haus in den Hollywood Hills, das sich ganz eindeutig an den berühmten „Case Study Houses“ orientiert.

Allein schon die Bezeichnung des Konzepts macht den Link deutlich. Es läuft unter dem Kürzel CS-2020, was freilich für „Case Study 2020“ steht. Die Jahreszahl markiert übrigens den Baubeginn des Objekts: Ende des Jahres soll es soweit sein.

Beton, Stahl, Holz und Glas

Aber heute schon ist sonnenklar, was da auf dem 5000 Quadratmeter großen Areal mit Blick auf die weitläufige Stadt Los Angeles gebaut werden wird. Wie seine berühmten Vorgänger soll auch das auf 465 Quadratmetern geplante Haus aus einfachen Materialien wie Beton, Stahl, Holz und Glas bestehen.

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Los Angeles als Deko

In Anbetracht der bereits vorliegenden Renderings wird auf den ersten Blick klar, dass Thorpe vor allem daran gelegen ist, die vorgelagerte Stadt architektonisch einzufangen.

Das gelingt ihm vor allem durch die klare Gliederung der Räume in drei Bereiche: Wohnen. Schlafen. Genießen. Diese sind als Cluster voneinander unabhängig angelegt und ermöglichen so Passagen, die sich durch das gesamte Objekt ziehen. Gerade und hohe Gänge also, die Innen- und Außenwelt nahtlos miteinander verbinden. Sie verwischen ganz bewusst die Grenzen zwischen Wohnraum und Umgebung.

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Gleichzeitig ermöglichen diese Fluchten, dass von nahezu jedem Punkt des Hauses der Blick auf die filmreife Kulisse L.A.s gegeben ist. Um dieses konzeptionelle Kunststück in keiner Weiser zu untergraben, legte Thorpe ein ganz besonderes Augenmerk auf die Versenkung von Details wie Steckdosen oder Lampen. Diese verschwinden nun allesamt in kleinen Nischen und Mulden.

Bäume mitten im Haus

Größere Aussparungen, die das quadratische Betondach durchbrechen, sollen dazu dienen, die Natur auch wirklich im Haus zu haben: Hier werden Bäume durch die Oberlichten in den Himmel wachsen.

Die Dachkonstruktion selbst ist übrigens wieder eine klare Anspielung auf die Vorbild-Häuser aus den 50er- und 60er-Jahren: Schlanke Säulen, ein beliebtes Element der modernistischen Architektur, tragen das Dach, wobei die Verglasung darunter leicht von den Säulen zurückgesetzt ist und einer möglichst großen Anzahl von Außengängen Platz bietet.

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Abgesehen von den Verlinkungen in die Vergangenheit, hat Thorpe in seinem Konzept freilich auch der (nahen) Zukunft Platz eingeräumt. Umweltverantwortung und infrastrukturelle Unabhängigkeit finden in seinem Plan gar soweit Niederschlag, dass er das Haus als „sich selbst versorgend“ definiert.

"Die Idee ist, dass das Gebäude in der Lage sein sollte, sich selbst zu erhalten und gleichzeitig für andere zu sorgen", sagte er. "Es ist ein systemischer Ansatz, uns selbst und die Dinge, die wir herstellen, in die natürliche Funktionsweise des Planeten zu integrieren".

So stellt sich der Star-Designer vor, dass das Haus alle derzeit verfügbaren nachhaltigen Systeme nutzt: Strom durch Solarenergie. Wasser durch Regenwasser-Aufbereitung. Kompostierung, um zusätzlich Energie und vor allem auch Wärme generieren zu können.

Kunst statt Kriegsveteranen

Eines ist klar: Dieses „Case Study House“ wird keine Kriegsveteranen beherbergen. Stattdessen möchte der Auftraggeber den Großteil seiner Kunstsammlung darin zeigen. Und das phasenweise auch der Öffentlichkeit.

Gewiss auch eine schöne Sache.

Text: Johannes StühlingerBilder: Marc Thorpe

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