Chronik
09.06.2017

Wiener Stadtwerke: Beamte sind 28 Tage pro Jahr krank

Mitarbeiter sind pro Jahr 28 Tage krank – doppelt so lange wie Durchschnittsösterreicher.

Wer bei den Wiener Stadtwerken arbeitet, muss offenbar ein massiv erhöhtes Krankheitsrisiko in Kauf nehmen. Das zeigt die Beantwortung einer Anfrage der Wiener Neos durch den zuständigen Stadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ). Darin sind die Krankenstandstage der Beamten und Vertragsbediensteten des Betriebs aufgelistet. Zu ihm gehören unter anderem die Wiener Linien und Wien Energie.

Die Bilanz fällt verheerend aus: Jeder Beamte der Stadtwerke war im Vorjahr statistisch gesehen 27,61 Tage im Krankenstand. Kaum besser war die Situation bei den Vertragsbediensteten, die auf 23,38 Krankenstandstage kamen.

Damit sind beide Berufsgruppen wesentlich häufiger krank als die Wiener Landeslehrer und die Mitarbeiter des Magistrats (siehe Grafik). Noch dramatischer fällt der Vergleich mit den bundesweiten Zahlen aus. Laut Statistik Austria lag 2015 der österreichische Durchschnitt bei 12,7 Krankenstandstagen. Hier sind alle Arbeiter und Angestellte ohne pragmatisierte Beamte erfasst.

"Die rot-grüne Stadtregierung schadet der Gesundheit", warnt Neos-Generationensprecher Christoph Wiederkehr. "Die Stadt muss endlich handeln und die Krankenstände durch mehr Prävention und Kontrolle in den Griff bekommen." Wiederkehr fordert ein Fehlzeiten-Management, um die Ursachen der Misere zu ergründen. "Kein Unternehmer könnte es sich leisten, dass seine Mitarbeiter so oft krank sind. Die Stadtregierung muss sich die Frage gefallen lassen, wie die Wiener dazu kommen, diesen Missstand zu finanzieren."

Hohes Alter

Bei den Stadtwerken erklärt man die hohe Zahl der Krankenstände mit der Altersstruktur der Mitarbeiter. Die Beamten seien im Schnitt 52, die Vertragsbediensteten 47 Jahre alt und damit naturgemäß eher von gesundheitlichen Problemen betroffen, betont ein Sprecher. Der hohe Altersschnitt ergebe sich wiederum durch die 2001 erfolgte Auslagerung der Stadtwerke aus dem Magistrat. Seit dem seien keine neuen Beamten und Vertragsbediensteten mehr angestellt worden, sondern nur noch Mitarbeiter, die dem Kollektivvertrag unterliegen. Diese neuen, wesentlich jüngeren Mitarbeiter würden mittlerweile mehr als die Hälfte des Personalstandes von rund 16.000 Mitarbeitern ausmachen, seien in der vorliegenden Statistik aber nicht erfasst, so der Sprecher. Wie bei ihnen die Krankenstandszahlen aussehen, ließ man seitens der Stadtwerke offen.

Dafür verweist man auf den hohen Anteil von Mitarbeitern, die schwere, belastende Arbeit leisten müssten – etwa Busfahrer der Wiener Linien – was Erkrankungen ebenfalls begünstige.

Argumente, die für Wiederkehr nicht plausibel sind: "Selbst die Baubranche kommt im Schnitt nur auf 12,9 Krankenstandstage", rechnet er vor. Und auch der hohe Altersschnitt der Beamten erkläre die Problem nicht: "Kranke Mitarbeiter werden in Frühpension geschickt. Nirgendwo sonst ist die Zahl der Frühpensionierungen so hoch wie bei den Stadtwerken", sagt der Neos-Abgeordnete. "Und auch vor der Ausgliederung hatten die Stadtwerke schon ein Problem mit den hohen Krankenstandszahlen."

Neos üben Kritik an "eher laschen" Kontrollen

Um die extrem hohe Zahl an Krankenstandstagen bei den Beamten der Wiener Stadtwerke einzudämmen, fordern die Neos neben verbesserten Maßnahmen zur Gesundheitsförderung auch verstärkte Kontrollen, ob die Mitarbeiter tatsächlich krank sind. "Im Vergleich zur Privatwirtschaft wird das offenbar eher lasch gehandhabt", sagt Gemeinderat Christoph Wiederkehr.

Ob manche der Krankenstände vielleicht gar nicht gerechtfertigt sind, will man seitens der Stadtwerke nicht kommentieren. Das Prozedere der Krankschreibungen unterscheide sich jedenfalls nicht von der Privatwirtschaft: "Konzernweit gilt die Richtlinie, dass Mitarbeiter spätestens ab dem dritten Tag eine Krankmeldung vorlegen müssen", betont ein Sprecher. "Sie kann aber auch schon ab dem ersten Tag angefordert werden." Die Krankschreibungen würden auch keinesfalls über den Betriebsarzt erfolgen.

Zudem würde man auch schon jetzt viel für das Gesundheitsmanagement unternehmen, sagt der Sprecher. So würde man Mitarbeiter, die schwerer körperlicher Arbeit aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht mehr gewachsen seien, umschulen und sie etwa Tätigkeiten im Innendienst übernehmen lassen. "Uns ist klar, dass es ein Problem mit den Krankenständen gibt", so der Sprecher. "Wir versuchen es aber zu lösen."