Chronik | Wien
16.04.2012

Zwei Abenteurer: Verrückt wie Forrest Gump

Die Wege zweier Abenteurer kreuzten sich in Wien: James Thomas legt 20.000 km zu Fuß, Mile Stojkoski 3500 km im Rollstuhl zurück.

Heute fährt schon jeder mit dem Rad", sagt James Thomas, "also gehe ich zu Fuß." 2305 Kilometer ist der 30-Jährige schon marschiert. Weitere 17.000 liegen noch vor ihm. Der Ire ist auf einer verrückten Mission. Zweieinhalb Jahre lang durchmisst er 15 Staaten dieser Welt. Im Jänner startete er im schot­tischen Edinburgh. Thomas durchquerte Südengland, Deutschland und war nun zwei Wochen in Österreich unterwegs. Zu Fuß, 35 Kilometer täglich entlang der Donau. Sein Ziel: Dunedin – das städtebauliche Ebenbild Edinburghs in Neuseeland. "Es liegt exakt am anderen Ende der Welt", sagt Thomas. Am Wochenende machte der 30-Jährige mit Buggy, Zelt und ausgetretenen Wanderschuhen in Wien Station.

Torschlusspanik

"An meinem 29. Geburtstag hab ich plötzlich Torschlusspanik bekommen", begründet der Modefotograf seinen Marsch, der ihn auch zu sich selbst führen soll. "Ich wusste: Mit 30 muss ich etwas Großes machen. Etwas, das mein Leben verändert." Deshalb und weil er auf Nöte von Kindern aufmerksam machen möchte, geht er dieser Tage quer durch Europa – so wie Schauspieler Tom Hanks im Film Forrest Gump durch Nordamerika joggte. Seinen umgebauten Kinderwagen ziert das Logo von Unicef – jener Organisation der UNO, die sich für Kinderrechte in Krisenregionen einsetzt. "30 Zeitungen haben über meine Tour berichtet", erzählt der Ire. "So sind immerhin schon 5000 Euro zusammengekommen."

Minutiös hat er die Reise, die ihn auch in den Iran führt, geplant. Seine Habseligkeiten hat er verkauft. Seine Freundin, die bereits über Kinder nachdachte, hat ihn verlassen. "Wer möchte schon auf einen Typen warten, der Jahre zu Fuß unterwegs ist", scherzt er. "Und meine Freunde fragen ja schon jetzt, auf welche Ideen ich erst komme, wenn ich 50 werde!"

Kreuzende Wege

Thomas ist nicht der einzige Aben­teurer, der derzeit in Wien seine Zelte aufgeschlagen hat. Auch Mile Stojkoski hat einen großen Plan. Der 46-jährige Mazedonier sitzt seit 15 Jahren im Rollstuhl. Nun fährt er damit 3500 Kilo­meter durch Europa – von Mazedonien nach London.

Nach den ersten 1242 Kilometern machte er nun Halt bei der Hilfsorganisation "Licht für die Welt" in Wien. "Mile ist so Vorbild für Menschen mit Behinderungen auf der ganzen Welt", sagt Rupert Roniger, Chef der Hilfsorganisation. Mile selbst sagt: "Menschen mit Behinderungen müssen selbst Initiative ergreifen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg." Pünktlich zu den olympischen Spielen will er im Juli in London ankommen. Bis dahin wird er weiter bis zu 60 Kilometer täglich zurücklegen. Im Rollstuhl und mit Polizeieskorte auf Autobahn und Bundesstraße.

Blogs, Routen und Spenden unter www.justgoingforastroll.com und www.milestojkoski.com