Chronik | Wien
24.12.2017

Zusammen ist man weniger allein

Die Pensionisten-Wohn-"Häuser zum Leben" öffnen ihre Weihnachtsfeiern erstmals für Nachbarn.

"Prost, Frau Leithner, auf uns!", sagt Hilda Ceh, die gerade ein Glas Sekt-Orange in die Hand gedrückt bekam, und nickt ihrer Freundin zu. "Prost", erwidert die 75-Jährige und nimmt einen Schluck. Dann werden die Damen schon gebeten, in den Veranstaltungssaal, ins "Wirtshaus", zu gehen. Das Programm gehe gleich los, die Musiker seien bereit.

Ilona Leithner hätte sich das ja nicht gedacht, aber es ist tatsächlich immer etwas los, in dem Pensionistenwohnheim Haidehof in Wien-Simmering. In der Früh gibt es jeden Tag Qigong, drei Mal die Woche Sitzgymnastik, dienstags die Gedächtnisübungen, freitags die Tarockrunde.

"Ich seh dich ja gar nicht mehr", hat ihr Mann früher gescherzt und sich gefreut, dass seine Frau so viel unterwegs ist. Ilona Leithner schluckt, als sie das erzählt. Heuer ist ihr erstes Weihnachtsfest ohne ihn. Er ist vor zwei Monaten an Leukämie gestorben. Seine Krankheit war der Grund, weshalb die beiden vor vier Jahren in den Haidehof gezogen sind.

Heute ist sie froh, dass sie es getan haben. Denn sie wüsste nicht, was sie ohne das Auffangnetz aus Mitarbeitern und Bewohnern mit ihrer Trauer gemacht hätte.

Musik und Punsch

Sogar auf Weihnachten freut sich Ilona Leithner, weil sie weiß, dass sie nicht alleine sein wird. Es wird Geschichten geben und gesungen, bei Keksen und Punsch, und später einem Weihnachtsmenü. Auch ihre Enkel und Urenkel werden sie hier besuchen.

Im Haus Haidehof hat die gemeinsame Weihnachtsfeier – nicht nur für Bewohner, sondern auch für Senioren aus der Umgebung – bereits Tradition. Sabine Klemisch hat sie vor 17 Jahren eingeführt, als sie Direktorin des Hauses wurde. Heuer ziehen die anderen Pensionisten-Wohnhäuser nach. Und auch die Pensionistenklubs der Stadt werden am Heiligen Abend wieder für alle geöffnet sein. "Niemand sollte an Weihnachten allein sein", meint Sabine Klemisch.

Elisabeth Kreininger, 88, freut sich jedenfalls schon auf die Feier. Die 88-Jährige wohnt hier mit ihrem Mann. Die beiden haben keine Kinder, bei denen sie feiern könnten. "Aber wir haben uns", sagt Walter Kreininger und sieht seine Frau an. "63 Jahre sind wir verheiratet", erzählt er dann. "Und wir haben keinen einzigen Tag gestritten."

Manche wollen am 24. hingegen lieber ihre Ruhe haben. Hilda Kogl ist 102 Jahre alt und hat dem Feiern am 24. noch nie etwas abgewinnen können. Sie hat am Heiligen Abend meist gearbeitet, erzählt die Dame nun der Betreuerin, die sie in ihrem Zimmer besucht.

Die Mitarbeiter schauen in den Tagen vor Weihnachten öfter bei jenen Bewohnern vorbei, die sich nicht so unter Menschen mischen.

Hilda Kogl ist vielleicht nicht in Weihnachtsstimmung, aber sie ist bestens gelaunt. "Glauben Sie etwa, ich höre Stille Nacht?", fragt sie die Betreuerin und ihre Augen funkeln. "Bei mir gab’s immer Donauwalzer." Sie lacht tief. "Und Elvis Presley."

Weihnachtliches BeisammenseinVon 14.30 bis 16 Uhr wird in den "Häusern zum Leben" (außer in Penzing) und den Pensionistenklubs der Stadt gefeiert. Kurzentschlossene Senioren sind eingeladen, vorbeizuschauen. 01/313 99-170 112.