Chronik | Wien
01.12.2016

Zugunfall: "Plötzlich gab es einen Ruck"

Der "Geister-Zug" rollte gegen die S-Bahn © Bild: /Berufsfeuerwehr Wien

Nico R. erlitt bei der Kollision Wirbelverletzungen / Ermittlungen gegen Bahnarbeiter.

"Das hätte viel schlimmer ausgehen können." Am Tag nach dem Zusammenstoß einer Schnellbahn-Garnitur mit auf den Schienen rollenden "Geister-Güterwaggons" ist Nico R. noch immer geschockt. Der 17-Jährige wurde bei dem Unfall in Wien schwer verletzt. Er liegt derzeit mit drei angeknacksten Wirbeln im AKH. Sieben weitere Personen, darunter ein älteres Ehepaar, erlitten leichte Verletzungen und konnten die Krankenhäuser bereits wieder verlassen.Indes hat die Polizei Ermittlungen gegen zwei Verschubarbeiter wegen fahrlässiger Körperverletzung aufgenommen. Wie es genau zu dem Unglück kam, ist jedoch noch unklar.

Die fünf Waggons dürften laut ÖBB-Angaben bereits einen Tag im Bahnhof Hütteldorf abgestellt gewesen sein – vorgeschrieben ist eine angezogene Bremse und ein sogenannter Hemmschuh, der ein Wegrollen verhindern soll. " "Ich hatte meine Kopfhörer auf. Als wir kurz vor Hütteldorf waren, gab es dann plötzlich einen heftigen Ruck", erzählt Nico R. dem KURIER. Der 17-jährige Niederösterreicher, der am Heimweg von der Arbeit war, wurde nach vorne gerissen und dann nach hinten geschleudert. Er stieß sich heftig den Kopf.

Nico R., Zugunfall Hütteldorf, Unfallopfer, AKH Wien © Bild: /Katharina Zach
Nach dem Aufprall seien die meisten Fahrgäste ruhig geblieben, ein paar hätten versucht, die Türen zu öffnen. "Dann ist sofort der Schaffner durchgegangen und hat gesagt, wir sollen auf die Einsatzkräfte warten." Bis die da gewesen sind, habe es jedoch lange gedauert. "Ich habe einen Schock gehabt, dann sind die Kopfschmerzen immer ärger geworden." Als die Fahrgäste aus dem Zug geholt worden waren, brachte die Rettung R. ins Spital.

Rotes Signal

Warum die S-Bahn beim Zusammenstoß vermutlich still gestanden war, darüber gibt es zwei Versionen. Offiziell ist die Rede davon, dass der Triebfahrzeugführer geistesgegenwärtig gebremst hat. Insider berichten hingegen, dass eine Signalampel auf Rot geschaltet war, und die Schnellbahn deshalb anhielt.

Das dürfte erst durch eine Untersuchung der Bundesanstalt für Verkehr oder spätestens einen Gerichtsprozess schlussendlich geklärt werden. R. jedenfalls will rasche Aufklärung. "Ich hätte mir nicht gedacht, dass so etwas passiert", sagt der Betriebslogistikkaufmann. Nun wisse er nicht, wie lange er im Spital und im Krankenstand bleiben müsse.

"Ich habe noch ein bisschen Schmerzen im Rücken und im Genick." Sitzen darf der 17-Jährige aufgrund der angeknacksten Wirbel derzeit nicht. Zumindest eine Operation bleibt dem jungen Mann aber erspart. Er dürfte wieder ganz gesund werden.

Nico R. denkt nun darüber nach, Schmerzensgeld-Ansprüche geltend zu machen. Es müsse schließlich irgendjemand das Unglück auch zu verantworten haben.

Seit Mittwoch, 12 Uhr, ist die Unfallstelle auf der Strecke wieder frei passierbar.