Zankapfel Sängerknaben-Konzerthalle

Kurier
Foto: Kurier Chefin in spe: Elke Hesse ist die Geschäftsführerin der neuen Konzerthalle (Plan rechts) am Augartenspitz. Die Proteste dagegen halten aber an.

Die Konzerthalle der Sängerknaben nimmt Gestalt an. Der Protest ebbt ab, die neue Chefin gewährt erste Einblicke.

Elke Hesse steht in dem finsteren Loch, das schon bald ihr neues Büro sein soll. Mehrere Rollen Dämmwolle liegen gestapelt auf dem nackten Beton, ein Bretterverschlag hält das Tageslicht aus dem Rohbau fern. „Wird schon“, sagt die Geschäftsführerin des künftigen Sängerknaben-Konzerthauses. „Wird schon.“

Was hier allmählich „wird“, ist die neue Konzerthalle des berühmtesten Knabenchores der Welt. Im Dezember wird eines der umstrittensten Bauprojekte Wiens eröffnet. Ein acht Jahre währender Kampf dürfte dann zu Ende gehen. Genau so lange liegen sich Befürworter und Kritiker des Konzertsaals in den Haaren.

Bäume wurden gerodet und Demonstranten vom Gelände gezerrt. Einige hart gesottene Projektgegner campieren seit Langem am Augartenspitz. „Im Rückblick ist das sicher nicht ideal gelaufen“, sagt Hesse. „Es haperte wie so oft an der Kommunikation, doch das Projekt ist und bleibt rechtmäßig.“

Wer Hesse und die 30 Bauarbeiter dieser Tage besucht, kann erahnen, wie hier nächstes Jahr Abend für Abend 400 Besucher auf Konzerte gehen werden. „Die Sängerknaben werden pro Jahr knapp 60 Konzerte am Standort geben“, sagt Hesse. „Die Konzerthalle soll aber auch dem Impulstanz Festival oder den Festwochen offenstehen.“ Schulklassen aus Wien und dem Umland sollen hier Workshops besuchen können.

Japaner und Russen

Kurier Foto: Kurier 30 Mann sind täglich am Augartenspitz für die Knaben im Einsatz.

Und was ist mit den zig Bussen, die voll mit japanischen oder russischen Touristen die Straßen rund um den Augarten belagern werden? „Busse wird es geben“, sagt Hesse während sie in dem kleinen Konzertsaal steht, „aber nur in Ausnahmefällen.“ Eine nahe gelegene Busbucht von Wien Tourismus und ein Stellplatz am nahen Frachtenbahnhof stünden zur Verfügung. „Und mit den Wiener Linien ist vereinbart, dass eine Konzertkarte auch als U-Bahnticket gültig ist.“ Außerdem will man mit zwei Betreibern von Park & Ride-Anlagen (Museumsquartier und Stadioncenter) handelseins sein, dass Konzertbesucher günstiger parken können. „Von beiden Punkten aus ist es mit der U2 dann nicht weit hierher.“

Und auch die von den Demonstranten seit Jahren geforderte Durchquerung des Areals – vom künftigen Konzertsaal aus, vorbei am Filmarchiv, hinein in die große öffentliche Parkanlage – scheint zu kommen. „Die Gespräche verlaufen positiv“, bestätigt Hesse. Ob sie angesichts der Proteste lange gezögert habe, als sie im Vorjahr das Angebot erhielt, die Konzerthalle zu leiten? Nein, versichert sie. Schnell hätte sie gemerkt, dass der Verein sympathischer sei als sein Ruf. „Nicht so elitär, nicht so verschlossen, wie viele oft glauben. Und diese Offenheit wird man mit dem neuen Saal auch stärker spüren.“

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(kurier) Erstellt am
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