Chronik | Wien 18.03.2016

"Wundermittel Centralin": 140 Jahre Cafe Central

Rund 100 Mitarbeiter und Peter Altenberg (vorne) kümmern sich um jährlich 480.000 Gäste im Café Central © Bild: /Café Central

Das Café Central in der Herrengasse feiert 140-jähriges Bestehen - und entwickelt sich weiter.

Dass das Café Central zu den größten Literaten-Kaffeehäusern der Stadt zählte, wird beim Betreten des Lokals auch heute noch offensichtlich. Denn im Eingangsbereich sitzt eine lebensgroße Pappmaché -Figur des bekannten Schriftstellers Peter Altenberg.

Wenn er nicht im Kaffeehaus war, dann war er auf dem Weg dorthin, hieß es. Gemeinsam mit Adolf Loos, Stefan Zweig, Sigmund Freud oder Hugo von Hofmannsthal versorgte er sich hier mit – wie Alfred Polgar es formulierte – dem lebensnotwendigen „Quantum Centralin“.

1876 wurde das Kaffeehaus von den Gebrüdern Pach erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Und zwar im damals "modernsten Haus von Wien", dem Palais Ferstel, das vormals Nationalbank und Börse beheimatete. Heuer feiert das Kaffeehaus in der Herrengasse sein 140-jähriges Bestehen.

480.000 Besucher

Auch wenn in letzter Zeit immer wieder von einer Kaffeehaus-Krise die Rede war, im Café Central ist man mit der Situation durchaus zufrieden. Etwa 480.000 Gäste besuchen das Kaffeehaus im Jahr und konsumieren 3,5 Tonnen Kaffee und 300.000 Mehlspeisen. (Am beliebtesten ist übrigens der Apfelstrudel, dicht gefolgt von der Sachertorte und Wiener Schnitzel.)

Vor fünf Jahren wurde das Central von der Verkehrbüro Group übernommen. Harald Nograsek, Generaldirektor der Verkehrsbüro Group: "Seit der Übernahme konnten wir nicht nur Besucherzahlen, sondern auch Umsatzzahlen steigern."

Durch den geplanten Umbau der Herrengasse zur Begegnungszone, der im November angeschlossen sein soll, erhofft sich Alfred Flammer, Geschäftsführer der „Palais Events“ und des Café Central, zudem eine weitere Kapazitätssteigerung.

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©/Café Central

Cafe Central…

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Peter Altenberg im Cafe Central in Wien

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Wien 1, Café Central

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©/Fotograf Herbert Lehmann

Café Central…

Neue "alte" Heimat für Literaten

Im Jubiläumsjahr möchte man aber nicht nur auf die geschichtsträchtige Vergangenheit zurückblicken. „Wir wollen den alten Geist wiederbleben und den Centralisten von heute ein neues ,altes’ Zuhause geben“, sagte Flammer.

Ein Angebot: Ab 30. Mai wird es regelmäßig eine „Open Mic“-Veranstaltungsreihe geben. Junge Schriftsteller oder Poeten können dabei ihre Texte präsentieren. Unter dem Hashtag #IamCentralist will das Café künftig auf seine Online-Aktivitäten aufmerksam machen.

Welttag der Poesie

Kommenden Montag, am 21. März, lässt der Julius-Meinl-Kaffee eine alte Tradition von Peter Altenberg aufleben.

Wenn Altenberg wieder einmal nicht bei Kasse war – was durchaus häufiger der Fall gewesen sein soll – bezahlte er einfach mit einer Serviette auf der er seine Literatur verewigt hatte.

Für einen Tag im Jahr, dem internationalen Tag der Poesie, lässt Meinl Kaffee diese Währung gelten. Man kann den Kaffee oder Tee mit einem eigens kreierten Gedicht bezahlen.

( kurier.at , amb ) Erstellt am 18.03.2016