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Hietzing
04/25/2014

Wolfsspitz erschnüffelte Findelkind

Neugeborener, gesunder Bub neben Gebüsch gefunden. Die Polizei sucht die Mutter.

von Michael Berger

Gina, eine zweieinhalb Jahre alte Wolfsspitz-Hündin rettete Donnerstagnachmittag in Wien-Hietzing, einem neugeborenen Buben wahrscheinlich das Leben.

Sabine D. ging wie jeden Tag in der Nähe des Wienflusses mit Gina Gassi: „Ich nenne das Fügung. Denn normalerweise fahren wir von der Wientalstraße mit dem Lift runter zur Uferpromenade. Diesmal aber war der Aufzug von zwei Damen besetzt. Also schlenderten wir über die Brücke Richtung Wasser.“

Hund schlug Alarm

Plötzlich war Gina verschwunden, bellte aber laut. Frau D. ging zu ihrem Hund und traute ihren Augen nicht. Denn im Gebüsch stand ein pinker, mit Blumen gemusterter Kinderwagen-Korb. Und darin lag ein schlafendes Baby. „Das Kleinkind war in Decken gehüllt und schlief tief und fest.“ Sabine D. schaute sich um, konnte aber niemanden sehen, der eventuell zu dem Kind gehören könnte: „Also alarmierte ich Polizei und Rettung.“

Während der Wartezeit nahm Sabine S., selbst Mutter einer Tochter, das Baby in die Arme. Als Erstes traf die Rettung ein und begann umgehend mit der Erstversorgung. Ronald Packert, Sprecher der Wiener Berufsrettung: „Das Kind war in sehr gutem körperlichen Zustand und kerngesund.“

Und die Polizei bestätigte, dass der Korb so abgestellt wurde, dass er auch gefunden werden musste. Wahrscheinlich wurde das Kind unmittelbar vor der Auffindung ausgesetzt.

„Als die Sanitäter die Decken von dem Baby abnahmen, konnte ich sehen, dass es ein Bub ist. Ein unheimlich süßer Bub mit blonden Locken. Der Mama des Buben muss es extrem schwergefallen sein, ihn hier auszusetzen. Das Kind war sorgfältig angezogen, die Nabelschnur gekonnt versorgt.“

Baby ist wohlauf

Die Rettungskräfte brachten das Baby sofort in das Wilhelminenspital. Dort übernahm Prof. Thomas Frischer den jungen Patienten: „Dem Kind geht es gut. Es ist wohlauf. Die Weglegung muss sehr bald nach der Geburt erfolgt sein.“ Jetzt sucht die Polizei nach der Mutter, ihr droht ein Strafverfahren.

Primar Frischer, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde erinnert in dem Zusammenhang an die Möglichkeit der Babyklappe sowie der anonymen Geburt: „Bei beiden Möglichkeiten wird die Kindesmutter nicht strafrechtlich verfolgt, trotzdem bleibt hundertprozentige Anonymität garantiert.“

Wiens einzige Babyklappe steht – für verzweifelte Mütter – seit 2001 im Wilhelminenspital zur Verfügung. Seit damals wurden 26 Neugeborene abgegeben.

Mediziner Frischer empfiehlt jedoch die anonyme Geburt: „Denn die Geburt wird von Ärzten und Hebammen begleitet. Komplikationen sind so leichter abzufangen. Dabei gibt es keinerlei Formalitäten. Die werdende Mutter wird nicht einmal nach dem Namen gefragt.“ Und sollte eine Mama sich später doch für ihr Kind entscheiden, kann sie sich binnen sechs Monaten im Spital melden. Informationen unter 01/4000 – 8011.

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