Chronik | Wien
04.07.2017

Woche der Entscheidung: Wien soll auf rote Liste

Die UNESCO hat die Stadt bereits zwei Mal wegen des Projekts am Heumarkt verwarnt.

Diese Woche ist es soweit. In der polnischen Stadt Krakau wird über Wiens Zukunft entschieden. Bei der jährlichen UNESCO-Welterbekomitee-Tagung wird unter anderem der Erhaltungszustand von 99 Stätten geprüft – darunter auch der des "Historischen Zentrums von Wien".

Wie berichtet, kritisiert die UNESCO das Bauprojekt am Heumarkt aufgrund seiner Größe, Kubatur und des 66 Meter hohen Wohnturms. Schon 2012 hat die UNESCO darauf aufmerksam gemacht, dass sich das Projekt in der Kernzone des Weltkulturerbes befindet und dass die Höhe des bestehenden Hotel Intercontinental – 43 Meter – die maximale Bauhöhe ist. Mehrere Hinweise und zwei Drohungen seitens der UNESCO haben die Wiener Stadtregierung nicht davon abgehalten, das Projekt nach jahrelanger Diskussion am 1. Juni im Gemeinderat abzusegnen. Nun könnte die UNESCO die Konsequenz daraus ziehen. Im Beschlussentwurf gibt es eine Empfehlung für die rote Liste. (Nicht betroffen davon wäre übrigens das zweite Wiener Kulturgut "Schloss und Park von Schönbrunn", Anm.)

Generell ist die rote Liste ein Instrument, um auf die Gefährdung einer Weltkulturstätte aufmerksam zu machen. Meist betrifft das Kulturgüter in Kriegsgebieten oder nach Naturkatastrophen. In selten Fällen handelt es sich um Reaktionen auf städtebauliche Maßnahmen.

Setzt die betroffene Stätte keine Maßnahmen, um der Gefährdung entgegenzuwirken, folgt die Aberkennung. Passiert ist das 2009 in Dresden nach dem Bau einer vierspurigen Autobahnbrücke über das Dresdner Elbtal. Gefährdete Stätten können von der Liste auch wieder gestrichen werden. Köln hat das 2005 geschafft, indem die Verantwortlichen die Pläne für die Hochhausprojekte rund um die Kulturstätte Kölner Dom wieder kippten.

Auch Salzburg am Radar

Wiens Stadtzentrum ist nicht das einzige österreichische Kulturgut, das bei der Tagung Gesprächsthema sein wird. Die UNESCO hat auch die Stadt Salzburg wegen Bauprojekte am Radar.

Zudem gibt es auch eine Einreichung mit österreichischer Beteiligung: Die Kulturstätte "Die Buchenurwälder der Karpaten und alte Buchenwälder Deutschlands" soll erweitert werden – etwa um Teile des Wildnisgebiets Dürrenstein (Niederösterreich) und Teile des Nationalparks Kalkalpen (Oberösterreich). Wird diese Einreichung akzeptiert, gäbe es erstmals eine Weltnaturstätte in Österreich.