Chronik | Wien
17.08.2017

Wirtschaftskammer ortet Schwarzarbeit bei "Myrobin"

"Myrobin" bringt Private für Transporte zusammen. Der Wirtschaftskammer stößt das bitter auf.

Airbnb, Uber, Helpling. Digitale Vermittler liegen im Trend – nicht immer zur Freude der gewerblichen Anbieter. Nun schreit die Wirtschaftskammer einmal mehr auf: Der Fachverband für das Güterbeförderungsgewerbe ortet Schwarzarbeit bei "Myrobin", einer Transport-Vermittlungsplattform. (Bis November wurde es unter dem Namen "Checkrobin" geführt. "Checkrobin" heißt nun eine Vergleichsplattform für Paketdienste, die im April in Deutschland startete, Anm.)

" Myrobin" sucht unter den registrierten Personen den passende Fahrer für die jeweilige Sendung und ermöglicht den Kontakt. "Der Grundgedanke bei Myrobin ist ein sozialer", sagt Gründer Hannes Jagerhofer.

"Wir wollen verhindern, dass Menschen unnötig unterwegs sind. Wir verbinden also Leute, die sowieso von A nach B fahren, mit jenen, die etwas von A nach B transportiert haben wollen." 143.941 Fahrten wurden seit Juni 2013 auf absolviert.

Viel zu viele, wenn es nach der Wirtschaftskammer geht. Im Mai 2015 hat der Fachverband für das Güterbeförderungsgewerbe daher eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt eingebracht. Der Grund: Die Plattform würde zur illegalen selbstständigen Erwerbstätigkeit verleiten.

Fahrtkosten & Prämien

Generell berechnet ein Programm im Hintergrund den Preis, den der Transporteur verlangen darf. Das Programm achtet darauf, dass die Aufwendungen für die Fahrt stets höher sind als der Fahrtkostenzuschuss.

In der Sachverhaltsdarstellung werden jedoch Beispiele angeführt, bei denen eine zusätzlich Prämie – in einem Fall von 450 Euro – angeboten wurde.

Jagerhofer dazu: "Bei den 450 Euro handelt es sich um eine Fahrt von Wien nach Zadar, Kroatien. Wer nicht sowieso unterwegs wäre, zahlt dazu. Das amtliche Kilometergeld für 1280 Kilometer (Wien-Zadar-Wien) beträgt 537,60 Euro. Dazu kommen 15 Euro für die slowenische und 60 Euro für die kroatische Autobahnvignette. Die zwölf Stunden Fahrzeit sind da noch gar nicht mitgerechnet."

Im Mai hat die Staatsanwaltschaft die Erhebungen jedoch eingestellt. Es liege keine Schwarzarbeit vor. Die Begründung: Eine Gewerbeberechtigung wäre nur für jene Fahrer notwendig, die regelmäßig Fahrten über die Plattform ausführen. Das sei denkbar, könne nicht generell unterstellt werden.

Peter Tropper vom Fachverband für das Güterbeförderungsgewerbe ist von dem Ergebnis schwer enttäuscht: "Mit diesem Urteil wird Steuerbetrug und illegaler Gewerbeausübung Tür und Tor geöffnet." Schade findet Tropper, dass seitens des Staats offenbar kein Willen da sei, gegen die Entwicklung vorzugehen. Im Fall von Uber seien es auch private Fahrer, die derzeit Klagen ins Rollen bringen.

Hannes Jagerhofer freut sich. Natürlich gebe es keinen Bereich, in dem man Missbrauch ganz verhindern könnte. Generell gehe es hier aber einfach darum, umweltfreundlich zu agieren.

Gewerkschaft kritisiert

Kritik kommt indes auch von der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida. "Digitale Arbeitsvermittlungsplattformen untergraben unsere Arbeit", sagt Canan Aytekin von der vida. "Die Arbeitnehmer sind hier quasi Selbstständige. Dadurch können wir sie nicht schützen." Problematisch werde es dann, wenn diese Arbeit für Menschen zur Hauptbeschäftigung werden. "Dann sollte die Gewerkschaft mitreden können. Wir müssen schauen, wie wir die fehlende soziale Klammer wieder herstellen können", sagte Aytekin.

Gelungen ist das bis dato nur beim Lieferdienst Foodora. Hier wurde erstmals bei einer digitalen Vermittlungsplattform ein Betriebsrat eingerichtet.