Chronik | Wien
23.08.2017

Wirt verlangte für Reservierung zehn Euro pro Person

Neustifter Kirtag: Obmann hat mit der Entwicklung wenig Freude.

Das große Aufräumen war Dienstagnachmittag noch voll im Gang: Zehntausende Besucher drängten auch heuer wieder von Freitag bis Montag auf dem Neustifter Kirtag. "Der Besuch war wieder sehr gut", freut sich Obmann Wolfgang Zeiler. Anscheinend zu gut – denn zumindest ein Heurigenwirt nahm den Andrang zum Anlass, für Reservierungen Geld zu verlangen.

60 Euro verlangte die traditionsreiche Buschenschank Fuhrgassl-Huber für einen Sechser-Tisch, 80 Euro für einen Achter-Tisch. Dafür gab es permanenten Zutritt "auch während eventuellen, temporären Einlass-Stopps" sowie einen Extra-Eingang. "Bereits bezahlte Tische können nicht storniert werden und es gibt keine Geld-Zurück-Garantie", heißt es dazu auf der Homepage.

"Gut angenommen"

Diesen Schritt erklärt Heurigenwirt Thomas Huber so*: „In den vergangenen Jahren hatten wir oft das Problem, dass Gäste, die aufgestanden sind, um wieder durch die Standeln zu flanieren, ihren Sitzplatz verloren haben. Also haben wir diesmal ca. 25 (von insgesamt 90) Tischen im Garten als VIP-Tische hergegeben. Für zehn Euro pro Person haben die Gäste den ganzen Abend den Tisch behalten können. Sie wurden von einer Hostesse empfangen, zum gedeckten Tisch geführt und haben eine Sektflasche spendiert bekommen. Wir haben nur Lob dafür bekommen. Auch in Golfclubs zahlen die Gäste ja gerne für gutes Service. Die Tische waren innerhalb von zweieinhalb Tagen ausreserviert – und haben auch schon Anfrage fürs nächste Jahr.“

Ein anderes Angebot machte das Schreiberhaus seinen Gästen: Ein Kirtags-Package um 140 Euro pro Tisch. "Das war kein Eintrittsgeld", betont Chef Leopold Huber. " Essen und Trinken waren dabei. Und das Angebot ist sehr gut angekommen", erklärt Huber. Man wollte damit den Stau am Buffet vermeiden. Das Echo sei gut gewesen, man wolle das auch bei kommenden Kirtag so handhaben.

Hände gebunden

Obmann Zeiler hat mit derartigen Entwicklungen allerdings wenig Freude. "Also ich will das nicht", sagt er. "Aber wir sind ja nur der Weinbauverein und dafür zuständig, was am Marktgebiet passiert. Was in den Lokalen passiert, ist Sache der Besitzer."

Fakt sei, dass vor allem viele Junge den Kirtag besuchen. "Die glühen anderswo vor und besetzen dann die Tische. Wir müssen uns überlegen, wie wir das in den Griff bekommen." Zudem würden junge Besucher immer öfter auch mutwillig die Gläser mitnehmen und dann "gegen die Wand hauen".

Nach dem Kirtag sei jedenfalls ohnehin eine Sitzung geplant. "Da setzen wir uns zusammen und analysieren, was gut war und was schlecht", sagt Zeiler. "Denn nach dem Kirtag ist vor dem Kirtag."

*Dieser Absatz wurde einen Tag später hinzugefügt. Zunächst war der Heurigenwirt für keine Stellungnahme zu erreichen gewesen.