Gegliedert ist das "Remise" genannte Museum in 14 weitgehend chronologische Module.

© APA/ROBERT JAEGER

Chronik Wien
09/09/2014

Wiens neues Verkehrsmuseum eröffnet

Ehemaliges Straßenbahnmuseum wurde für 3,5 Millionen Euro neu gestaltet.

Was macht eine New Yorker Tramway in einer Wiener Öffi-Remise? Das Exponat aus den 1950er-Jahren steht im neuen Verkehrsmuseum in Erdberg und erinnert daran, dass rund 40 Straßenbahnen aus dem Big Apple nach Ende des Zweiten Weltkriegs durch die Stadt kurvten. Weitere teils skurrile Exponate rund um Wiens Bus-, Bim- und U-Bahn-Geschichte sind ab Samstag auf 5.500 Quadratmetern zu sehen.

In den ab 1901 errichteten und denkmalgeschützten Hallenkomplex beim Ludwig-Koeßler-Platz zog 1986 das Straßenbahnmuseum der Wiener Linien ein. Der Erfolg war mäßig, da sich die Ausstellung vorrangig an Technikfreaks wandte. Nun setzt man auf Interaktivität und Pluralität. "Wir wollen hier nun Verkehrs- und Stadtgeschichte erzählen", sagte Kurator Christian Rapp, der etwa auch schon die Wien-Museums-Schau "Österreichische Riviera - Wien entdeckt das Meer" konzipiert hat, bei einer Ausstellungsführung mit Journalisten.

Gegliedert ist das "Remise" genannte Museum in 14 weitgehend chronologische Module. Los geht es mit einem Pferdetramwaywagen aus den 1860er-Jahren. Der erste regelmäßige Linienverkehr führte vom Schottentor nach Hernals. Vier Tonnen bringt das Bim-Urgestein auf die Waage. Zum Vergleich: Eine moderne Niederflurgarnitur wiegt mehr als das Zehnfache. Exemplare der "Elektrischen", die im auslaufenden 19. Jahrhundert mehr und mehr das Stadtbild prägten, beeindrucken nicht nur hölzerne Längssitze und offene Plattformen, sondern bezeugen auch, dass es schon damals eine Art Öffi-Hausordnung gab: "Der Schaffner ist berechtigt, Fahrgäste mit zu großem Gepäck abzuweisen", steht auf einer Wagenplakette.

Stadtgeschichte

Kurator Rapp reihte aber nicht nur Original an Original, sondern versuchte eine stadtgeschichtliche Einbettung. So erfährt man etwa, dass nach dem Ersten Weltkrieg auch Straßenbahn-Güterwaggons zu Transportzwecken eingesetzt wurden, da die Rösser an die Front mussten. Erste U-Bahn-Pläne noch in der Monarchie werden ebenso beleuchtet wie der Kampf der Straßenbahner im Februaraufstand 1934 oder die Rolle der Öffis während der Nazizeit. Hier hat man ein besonders schauriges Dokument aufgestöbert: Mitarbeiter der Wiener Linien haben 1938 eine Art hölzernen Altar samt Hitler-Doubles und Hakenkreuzen als Geschenk an NS-Bürgermeister Hermann Neubacher geschnitzt.

Im für 3,5 Millionen Euro umgestalteten Verkehrsmuseum trifft man freilich auch auf Klassiker der städtischen Öffis. Zu sehen sind etwa jener Bus, der 1976 beim Einsturz der Reichsbrücke in die Donau kippte, oder ein Doppeldeckerbus, wie er früher auf der Linie 13A verkehrte - allerdings nur relativ kurze Zeit. "Der Stockbus hat sich hier nie richtig durchgesetzt, weil man immer ein bisserl zu bequem dafür war", wagte Museumsprojektleiter Hans Baierl eine Kurzanalyse der Wiener Seele.

Weniger bekannt dürfte sein, dass in der Bundeshauptstadt nach Kriegsende und bis 1969 auch New Yorker Straßenbahnen, die freilich rot-weiß eingefärbt wurden, verkehrten. Die Stadt hatte die Garnituren als Teil des Marschallplans angekauft. Das Besondere: Die Wägen hatten vorne wie hinten eine Fahrerkabine, die Sitzbänke konnte man dank spezieller Kippvorrichtung simpel nach der jeweiligen Fahrtrichtung ausrichten, erklärte Rapp.

Nicht uninteressant sind auch die Original-Werbeplakate, die noch in den Fahrzeugen kleben. "Sauerrahm macht's feiner", wird hier ebenso versprochen wie gemahnt: "Keine Reise ohne Postsparbuch." Und auch der Burgenländische Winzerverband affichierte fleißig.

"Museum zum Angreifen"

"Wir wollten ein Museum zum Angreifen", verwies Wiener-Linien-Geschäftsführer Eduard Winter auf die diversen Mitmachelemente. Besucher können auch in ausgewählte Fahrzeuge einsteigen. Als Highlight in Sachen Interaktivität sieht man einen U-Bahn-Simulator, wo man dank 3D-Videoprojektion und Fahrersessel selbst einmal Gas geben kann. Hinweisen will man auch auf das damals futuristische Design der Silberpfeile samt Haltestellen. "Diese U-Bahn-Stationen sind in Wien gelandet wie ein UFO", meinte der Kurator.

Das neue Museum startet am 17. September seinen Regelbetrieb. Bereits am Samstag gibt es eine Eröffnungsfeier. Im kommenden Jahr soll die Ausstellung noch einmal erweitert werden - mit einem Blick in die Öffi-Zukunft und auf internationale Verkehrskonzepte.

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