Im War-Room laufen die Vorbereitungen

MA 62, Christine Bachofner, Volksbegehren, Bundesh…
Foto: Deutsch Gerhard Berufsheer, ja oder nein? Olympia in Wien: „tolle Idee“ oder „braucht kein Mensch“? Bachofner muss innerhalb von zwei Monaten zwei Befragungen managen

In Wien werden demnächst gleich zwei Volksbefragungen durchgeführt. Eine Frau behält dabei den Überblick.

Das gab’s noch nie“, sagt Christine Bachofner. „Zwei Volksbefragungen, die in so kurzer Zeit hintereinander stattfinden, sind ein Novum für uns.“ Die Spitzenbeamtin der Magistratsabteilung 62 (Wahlen) sitzt am Schreibtisch in ihrem Büro in der Lerchenfelder Straße. Vor ihr stapeln sich die Unterlagen, die den Fahrplan für die kommenden Tage und Wochen festlegen. Es sind viele Ordner, die dort herumstehen. Immerhin ist seit gestern klar: In der Bundeshauptstadt werden die Wiener in absehbarer Zeit nicht nur zur Zukunft des Bundesheeres befragt (österreichweite Volksbefragung: 20. Jänner), sondern auch darüber, wie die Zukunft des Parkpickerls aussehen soll (Wiener Volksbefragung zu Pickerl, Olympia, Solar­energie und Privatisierungen von 7. bis 9. März). „Zwei Befragungen in so kurzer Zeit sind natürlich herausfordernd.“

Bachofner muss es wissen. Keine Wahl, keine Volksbefragung und kein Volksbegehren, das in Wien in den vergangenen zehn Jahren ohne sie stattgefunden hätte. Einsatzpläne, Wahlordnungen und Auszählungen – all das wandert über den Schreibtisch der 53-Jährigen. Seit Wochen sind 30 Leute in ihrer Abteilung mit keinem anderen Thema mehr beschäftigt. „Unseren Mitarbeitern wird in der Vorbereitungszeit einiges abverlangt“, sagt Bachofner. Flapsiger Nachsatz: „Es entschuldigt nur der Tod.“

Für die Volksbefragung über die Wehrpflicht würden nächste Woche jedenfalls alle Geschütze aufgefahren. „Immerhin ist es die erste Volksbefragung, die österreichweit stattfindet. Es wird deshalb auch derselbe Aufwand betrieben wie bei einer Nationalratswahl.“

7,5 Millionen Euro

Und dieser Aufwand ist enorm: In 1700 Sprengeln werden insgesamt knapp 4000 Wahlzellen aufgestellt und etwa 4500 Wahlurnen positioniert. 18.000 Beamte, Funktionäre und Vertrauenspersonen werden am Sonntag, 20. Jänner, die 7,5 Millionen Euro teure Befragung (nur in Wien) bis 17 Uhr überwachen und anschließend die abgegebenen Stimmzettel auszählen. „Wann ein Ergebnis vorliegt, hängt auch davon ab, wie viele Wiener per Briefwahl entscheiden.“

Schon jetzt wurden 25.000 Stimmkarten per Post, Frachtdienst oder auch per Feldpost verschickt. „Wer per Brief abstimmt, sollte dies tun, sobald er die Stimmkarte erhält.“ Nur dann werde sie auch rechtzeitig – am Befragungstag bis 17 Uhr – bei der Behörde eingehen. „Spätestens Montagabend haben wir dann ein Endergebnis.“

Die Urnen und die Wahlkabinen werden dann wieder im Zentrallager verstaut – allerdings nur für kurze Zeit. Denn bereits im März sollen die Wiener über die Zukunft des Parkpickerls abstimmen.

Wird die Beamtin angesichts von so viel direkter Demokratie nicht doch nervös? „Nach zwei EU-, zwei Präsidentschafts-, zwei Gemeinderats-, drei Nationalratswahlen und noch mehr Volksbegehren hält sich meine Nervosität in Grenzen“, sagt sie. „Ein Rest von Lampenfieber ist aber schon noch da.“

Fakten zum Fragen-Marathon

Bundesheer Am 20. Jänner findet auch in Wien die bundesweite Volksbefragung zum Bundesheer statt.

Pickerl & Co Von 7. bis 9. März folgt die Befragung, die nur in Wien über die Bühne geht (Pickerl, Olympia ...).

Kosten Die Heeres-Befragung wird in Wien 7,5 Millionen Euro, die Pickerl-Befragung wohl weitere 7 Millionen Euro kosten.

(kurier) Erstellt am
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