Die Wiener Tafel unterstützt 103 Sozialeinrichtungen. Foto: Martin Gnedt

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Chronik Wien
02/12/2015

Wiener Tafel vor neuen Herausforderungen

Österreichs älteste Tafelorganisation beliefert 18.000 Menschen in Armut. Der Fuhrpark bedarf einer Erweiterung.

Bei der Wiener Tafel blickt man auf ein ereignisreiches Jahr zurück: Der Zuwachs bei den belieferten Sozialeinrichtungen auf 103 im vergangenen Jahr brachte einen bedeutend höheren Bedarf an geretteten Lebensmitteln. Rund 18.000 Menschen in manifester Armut werden von Österreichs ältester Tafelorganisation mit Lebensmitteln und Hygieneprodukten beliefert - Waren, die andernfalls im Müll landeten.

2014 waren Zuwächse in allen Bereichen notwendig: Über 400 ehrenamtliche MitarbeiterInnen waren im Laufe des Jahres für die Wiener Tafel aktiv. Die Zahl der Warenspenderunternehmen ist auf rund 190 angewachsen. Die Gesamtmasse an geretteten Lebensmitteln konnte um 6,04% gesteigert werden, das bedeutet einen Anstieg von 496.845 Kilogramm im Jahr 2013 auf 528.765 Kilogramm 2014.

Aufgrund effizienter logistischer Planung konnte die Wiener Tafel diese Zuwächse bei den geretteten Lebensmitteln mit einer unerheblichen Erhöhung der Anzahl der Liefertouren um 1,5 % von 1.236 im Jahr 2013 auf 1.255 im vergangenen Jahr gewährleisten.

Um den gestiegenen logistischen Anforderungen auch weiterhin in unveränderter Qualität gerecht werden zu können, braucht die Wiener Tafel dringend ein neues Hilfslieferfahrzeug.

Solidarität

„Das Anwachsen des Lieferkreises auf 103 Sozialeinrichtungen ist ein starkes Indiz dafür, dass die soziale Transferarbeit Österreichs ältester Tafelorganisation verstärkt gebraucht wird“, sagt Martin Haiderer, Gründer und Obmann der Wiener Tafel. "Auch wenn die Folgen von steigender Arbeitslosigkeit und ungebrochen angespannter Wirtschaftssituation statistisch noch zu keinem markanten Anstieg der Armut in Österreich geführt haben, in den Sozialeinrichtungen sind die Auswirkungen hautnah zu spüren. Der Brückenschlag zwischen Überflussgesellschaft und Armutsgesellschaft im Sinne gesellschaftlicher Solidarität ist zur Zeit wichtiger denn je“, ist der überzeugt. Er betont: „Mit jedem Spenden-Euro kann die Wiener Tafel bis zu zehn Armutsbetroffene mit geretteten Lebensmitteln versorgen. Eine Multiplikation von Ressourcen, die dem bewährten Konzept geschuldet ist: Das Kerngeschäft der Wiener Tafel – das Retten von Lebensmitteln – wird zu 100 % von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen geleistet."

Neue Langzeitprojekte

Neben dem Retten von Lebensmitteln und der Versorgung von armutsbetroffenen Menschen zählt Bewusstseinsbildung zu den Kernaufgaben der Institution. Besonderes Augenmerk legte die Wiener Tafel dabei auf die Entwicklung interaktiver Programme mit und für Kinder und Jugendliche.

Völlig neues Terrain wurde mit den Konzepten TafelBox und ‚Lebensmittel retten mit E-Trikke‘ beschritten.

Die Wiener Tafel erweiterte im Frühjahr 2014 ihren Fuhrpark um ein E-Trikke: Zusätzlich zu den fünf Hilfslieferfahrzeugen wird das wendige, leistungsstarke, Strom betriebene Gefährt effizient für den sozialen Transfer eingesetzt: Relevante Mengen an Lebensmitteln werden innerhalb eines kleinräumigen Gebietes mit kurzen Wegstrecken zwischen den Warenspender-Adressen ressourcenschonend eingesammelt und auf kürzestem Weg direkt zur nächstgelegenen Sozialeinrichtung transportiert.

Seit Oktober 2014 ermöglicht die TafelBox auch bereits verarbeitete Lebensmittel in Form zubereiteter Speisen, die bei Buffets übrig bleiben, vor der Entsorgung zu bewahren! Die Gäste werden am Ende der Veranstaltung eingeladen, sich die übrig gebliebenen Gerichte eigenverantwortlich und selbständig in die TafelBox einzupacken und sie mitzunehmen, um sie zu Hause oder am darauffolgenden Tag zum Lunch in der Arbeit zu genießen. Von jeder TafelBox geht ein Spendenbetrag von 20 Cent an die Wiener Tafel. Mit den beiden neuen Projekten sensibilisiert die Wiener Tafel weiterhin verstärkt die Öffentlichkeit gegen die Wegwerfkultur in unserer Gesellschaft und animiert jede und jeden im Sinne der Nachhaltigkeit und der sozialen Gerechtigkeit selbst aktiv zu werden.

Ausbau des Wiener Tafel-Fuhrparks

Trotz gestiegener Anforderungen im 15. Jahr ihres Bestehens konnte die Wiener Tafel als Spenden finanzierter Sozial- und Umweltverein das Jahr 2014 mit schwarzen Zahlen bilanzieren. Besonderer Dank gelte den KooperationspartnerInnen aus Wirtschaft, Kultur, Gebietskörperschaften, Behörden und Zivilgesellschaft. Zudem unterstützen die Tafel ehrenamtliche MitarbeiterInnen bei allen Spendenakquise-Kampagnen - wie etwa bei der Winterhilfsaktion ‚Suppe mit Sinn‘

Jetzt würde die Wiener Tafel dringend ein neues Hilfslieferfahrzeug benötigen. Dass Motto: Jeder Euro zählt!