Die Wiener Öffis sind für drei Minuten stehengeblieben, um auf die jüngsten Übergriffe aufmerksam zu machen.

© KURIER/Reinhard Vogel

Aktion gegen Gewalt
06/13/2014

Wiener Öffis standen für drei Minuten still

Nach Attacken auf Mitarbeiter: Appell an Solidarität der Fahrgäste.

Die Wiener Öffis - also Busse, Straßenbahnen und die U-Bahn - haben am Freitag einen dreiminütigen Zwischenstopp eingelegt, um auf die jüngsten Übergriffe auf Mitarbeiter der Wiener Linien aufmerksam zu machen. "Immer wieder kommt es zu niederträchtigen Attacken auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wiener Linien. Das darf nicht sein", hieß es in einer Lautsprecherdurchsage.

Um 11.00 Uhr blieben die Fahrzeuge bzw. Garnituren in den Stationen stehen. In der Mitteilung an die Passagiere wurde dargelegt, dass es sich um ein Zeichen "gegen Gewalt und für mehr Respekt" handle. Und es wurde an die Solidarität der Kunden appelliert: "Bitte unterstützen sie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wiener Linien, wenn sie eine problematische Situation beobachten."

Man sei, so wurde betont, 24 Stunden täglich, sieben Tage die Woche sowie 365 Tage im Jahr für die Fahrgäste da: "Seien Sie auch für uns da." In der Durchsage, die auch in englischer Sprache erfolgte, wurde zudem gebeten, die Sticker mit dem Motto "Wiener Linien gegen Gewalt" zu tragen. Diese wurden an Info- bzw. Vorverkaufsstellen der Verkehrsbetriebe verteilt.

Laut einem Sprecher waren die Rückmeldungen der Fahrgäste positiv. Nach dem Zwischenstopp sei der normale Betrieb sofort wieder aufgenommen worden, wurde versichert.

Nach Attacke auf Bim-Fahrer: Verdächtiger zufällig gefasst

Die Serie an Übergriffen auf Öffi-Mitarbeiter in Wien reißt nicht ab. Donnerstagmittag wurde erneut ein Lenker einer Straßenbahn attackiert. Ein Unbekannter ging auf dem Joachimsthalerplatz in Ottakring auf den Fahrer der Straßenbahnlinie 46 los. Er schlug ihm mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf und konnte vorerst flüchten. Der Fahrer erlitt schwere Verletzungen.

Letzter Fahrgast

Der Vorfall ereignete sich gegen 12.40 Uhr. „Bei dem Kollegen handelte es sich um einen Lehrfahrer, der gerade mit einer Schülerin in der Straßenbahn gefahren ist“, sagt Daniel Amann, Sprecher der Wiener Linien. Bei der Schleife am Joachimsthalerplatz blieb die Bim stehen. Die Öffi-Mitarbeiter wollten den Zug verlassen. Doch ein Fahrgast befand sich noch im hinteren Teil der Straßenbahn. „Der Straßenbahnfahrer ist zu ihm gegangen und hat ihn aufgefordert, zu gehen. Doch der Fahrgast wollte nicht“, schildert Polizei-Sprecherin Barbara Riehs. Als der 33-jährige Bim-Fahrer wieder nach vorne ging, folgte ihm der Fahrgast und schlug von hinten mit einem unbekannten Gegenstand auf ihn ein.

„Die Schülerin hat den lauten Alarm ausgelöst, Mitarbeiter der Remise sind aufmerksam geworden“, schildert Amann. Der Fahrer erlitt stark blutende und schwere Kopfverletzungen. Mitarbeiter der Remise übernahmen die Erstversorgung des Mannes, der nicht mehr ansprechbar war. Eine Untersuchung ergab, dass ihm die Schädeldecke eingedrückt worden war. Der 33-Jährige musste notoperiert werden und befand sich Donnerstagabend im künstlichen Tiefschlaf. Die etwa 45-jährige Fahrschülerin ist schwer geschockt.

Weil die Tasche des Opfers fehlte, ging die Polizei anfangs von einem Raub aus. Doch später tauchte sie wieder auf. Gegen 17 Uhr ging dann ein Notruf bei der Polizei ein. Passanten in der Dreyhausengasse in Ottakring fühlten sich durch einen Mann belästigt, der offen mit einem Messer hantiert haben soll. Den Beamten fiel sogleich auf, dass die Personenbeschreibung des Bim-Schlägers zu dem Mann passte. Auf der Polizeiinspektion begannen Kriminalisten mit der Befragung.

Wirre Angaben

Der 30-Jährige soll psychisch auffällig sein und wirre Angaben gemacht haben. Der Anfangsverdacht erhärtete sich in den Abendstunden: „Wir sind uns nun sicher, dass es sich um den Verdächtigen handelt“, erklärt Riehs. Ein beigezogener Amtsarzt musste am Abend entscheiden, ob der Mann haftfähig ist. Donnerstag Abend war noch unklar, ob er in Haft oder in eine psychiatrische Einrichtung kommt.

Der Übergriff geschah nur einen Tag, nachdem die zuständige Stadträtin Renate Brauner und die Wiener Linien ein Sicherheitsprogramm präsentiert hatten. Eine erhöhte Glaswand zum Schutz des Lenkers und Videoüberwachung sollen kommen. Heuer kam es immer wieder zu Übergriffen auf Öffi-Lenker.

Am Joachimsthalerplatz in Wien wurde erneut ein Öffi-Lenker attackiert:

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