Die neue Ball-Chefin Anna Karnitscher mit Vorgänger Maximilian Platzer.

© KURIER/Rainer Eckharter

Wien
02/07/2016

Kaffeesiederball: Betrug im Walzertakt

Wirtschaftskammer zeigte Organisator von Kaffeesiederball an. Dieser trat nach der Ballnacht zurück.

von Michael Berger

Der Betrugsfall rund um einen der glamourösesten und schillerndsten Bälle Wiens löst nicht nur in der Wiener Gesellschaft Befremden aus. Wie Samstag bekannt wurde, sollen aus der Kasse des Kaffeesiederballs bis zu 200.000 Euro abhanden gekommen sein.

Bereits im Dezember 2015 sprachen Mitglieder des privaten Vereines "Klub der Wiener Kaffeehausbesitzer" von finanziellen Unregelmäßigkeiten und informierten die Wiener Wirtschaftskammer – sie ist mit 20.000 Euro einer der Hauptsponsoren der Traditionsveranstaltung. Daraufhin ließ die Interessensvertretung die Finanzen durch eine unabhängige Wirtschaftskanzlei prüfen. Mit Ende Jänner war das Gutachten fertig. Fazit: Es verhärtete sich der Verdacht, dass Geld ungerechtfertigter Weise entnommen wurde. Eine Sachverhaltsdarstellung und das Ergebnis der Prüfung wurden der Staatsanwaltschaft übermittelt.

Abgetaucht

Der 59. Kaffeesiederball, am Freitag, dem 5. Februar, in der Hofburg, wurde für 5500 Gäste zur rauschenden Tanznacht. Vereinsobmann Maximilian Platzer, Kaffeehaus-Besitzer und langjähriger Ballchef, genoss die Veranstaltung. Zu diesem Zeitpunkt aber wurde im Saal über den 200.000-Euro-Betrug schon intensiv spekuliert. Vergangenen Samstag, nach dem Ball, legte der Obmann sein Amt zurück. Für Medien war er auf Anraten seines Anwaltes Constantin Eschlböck nicht zu sprechen. Die Wirtschaftskammer aber bestätigte den Verdachtsfall hinter den Walzer-Kulissen.

Schnell war eine Nachfolgerin gefunden. Rechnungsprüferin Anna Karnitscher übernahm die Agenden. Sonntagfrüh sprach sie mit dem KURIER: "Mir sind die Entnahmen aufgefallen, die ich mir nicht erklären konnte. Herr Platzer war der einzige Zeichnungsberechtigte."

Eschlböck: "Mein Klient hat das Geld für das Kaffeehaus gebraucht"

Anwalt Eschlböck erklärt das Motiv seines Klienten: "Er hat sich für den Ball sehr engagiert und nicht mehr um sein Lokal gekümmert. Mein Klient hat das Geld für das Kaffeehaus gebraucht." Wobei der Schaden noch nicht genau fest steht. Es dürfte sich jedoch um eine Summe zischen 160.000 und 200.000 Euro handeln. Dieses Geld will der Ex-Ballchef zurückzahlen. "Wir haben eine Rückzahlungsvereinbarung getroffen. Laut seinem Anwalt wird Herr Platzer der Zahlung jedenfalls nachkommen", hofft Karnitscher.

Und wie es sich bei rauschenden Walzernächten so gehört – das Leben dreht sich weiter. Der Termin für den nächsten Ball ist mit 17. Februar 2017 bereits fixiert.

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