Wien verbannt E-Zigaretten aus Bädern

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Foto: Wohnservice Wien/P. Korrak E-Zigaretten werden jetzt in Wiens Bädern verboten.

E-Zigaretten werden immer populärer, doch in Bädern und Restaurants sind sie umstritten.

Das verlässlich für Ärger sorgende Tabakgesetz (Nichtraucherschutz in der Gastronomie) entfacht an einer zweiten Front heftige Diskussionen. Diesmal trifft es die rasant wachsende Gruppe der etwa 250.000 österreichischen E-Zigaretten-Qualmer.

"Die Benutzung elektrischer Zigaretten und E-Shishas ist im Tabakgesetz nicht geregelt und unterliegt daher nicht den gültigen Nichtraucher-Bestimmungen", bestätigt Franz Pietsch aus dem Gesundheitsministerium. Der Architekt des Tabakgesetzes erklärt auch, dass sich das Parlament erst 2016 mit der Problematik befassen wird.

Bis zu diesem Zeitpunkt aber sind Konflikte zwischen Nichtrauchern und E-Tschick-Qualmern vorprogrammiert. Denn die elektrische Zigarette wird allerorts – mangels gesetzlicher Vorschriften – "gedampft". Und das, obwohl der Großteil der E-Glimmstängel mit nikotinhaltigen Patronen bestückt sind. In Nichtraucher-Lokalen in der Wiener City kam es bereits zu heftigen Wortgefechten.

Notbremse gezogen

Jetzt zog die Magistratsabteilung MA 44 (städtische Bäder) die Notbremse. Bäder-Chef Hubert Teubenbacher wollte nicht auf die Entscheidung des Parlaments warten und änderte kurzerhand die Bäder-Hausordnung: "Wir hatten immer mehr Gäste, die sogar rund um die Schwimmbecken genüsslich an ihren E-Zigaretten zogen. Es ist nicht zu eruieren, ob nur Wasserdampf oder auch Nikotin freigesetzt wird. Wir verankerten einen neuen Passus in den Hausordnungen, der besagt, dass E-Zigaretten im Beckenbereich der Bäder verboten sind." Nachsatz: "In unseren Häusern halten sich täglich Hunderte Kinder auf. Meine Badeleiter wollten die E-Zigarette auch wegen der negativen Vorbildwirkung aus ihren Häusern verbannen."

… Foto: KURIER/Jeff Mangione Der Portier des Amalienbades 'dampft' trotzdem

Beim KURIER-Lokalaugenschein im Amalienbad in Wien-Favoriten zog der Portier Michael Dallabona in seinem Kammerl genüsslich an einer E-Zigarette und erklärte: "Sie ist nicht nikotinhaltig. Früher rauchte ich zwei Packerln am Tag. Mit dieser Alternative hab’ ich mir die Raucherei endlich abgewöhnt. Und hier in meinem Kammerl darf ich dampfen."

Rechtlich gedeckt

Bleibt die Frage, ob die Vorgehensweise der Wiener Bäder gesetzeskonform ist, vielleicht sogar Nachahmer findet. Rechtlich, erklärt Jurist und Tabakgesetz-Verfasser Pietsch, "ist diese Vorgehensweise über die Hausordnung korrekt und zu empfehlen."

… Foto: KURIER/Jeff Mangione Dampf-Zigaretten sind der neue Renner, aber heftig umstritten

Peter Dobcak, Wirtschaftsbundobmann der Gastronomie, bestätigt die heikle Situation: "Wir warten die Reaktion der Gäste ab. Die Benutzung der E-Zigarette ist im Nichtraucherbereich grundsätzlich gestattet. Meinen Kollegen kann ich bei Diskussionen unter Gästen nur empfehlen, E-Zigaretten-Qualmer in den Raucherbereich oder vor die Türe zu bitten. Streitfälle in Lokalen sind mir bekannt."

E-Zigaretten-Fans protestieren. Der Badener Dampf-Zigaretten-Verkäufer Karl Kinsky erklärt: "2007 stellte das Gesundheitsministerium bei Tests fest, dass im Umfeld von E-Zigaretten kein Passivrauchen möglich ist. Dieses Verbot ist pure Propaganda."

Milliarden-Umsatz

Das Geschäft mit den Dampf-Tschick

E-Zigaretten überholen bis 2024 den Glimmstängel.

Vor etwa fünf Jahren tauchten auch in Österreich die ersten E-Zigaretten auf. Der Unterschied zu konventionellen Glimmstängeln liegt darin, dass eine elektronische Einheit (Kartusche und Vernebler) Dampf erzeugt, der auch inhaliert werden kann. Dieser erhält Aromastoffe. Bei vielen Modellen glimmt an der Spitze eine Leuchtdiode, um zumindest den Ansatz echten Rauchens zu bieten.

In den USA – die Nation mit dem strengsten Nichtraucherschutz – sorgen die Dampf-Zigaretten für einen wahren Boom. Laut Schätzungen verdreifachten sich von 2012 auf 2013 die Umsätze auf 1,7 Milliarden Dollar. In New York und Los Angeles sind E-Zigaretten in öffentlichen Gebäuden und Parks bereits verboten. Alle großen Fluglinien untersagen eine Benutzung im Jet.

Branchenkenner glauben, dass der Konsum von Dampf-Zigaretten, den der herkömmlichen Zigaretten, in den kommenden zehn Jahren übersteigen wird. Weltweit wird mit diesen Produkten ein Umsatz von 7,5 Milliarden Euro bis 2016 prognostiziert. Ein Starter-Set kostet 50 Euro, die Liquid-Kapseln bis sieben Euro. Sie ersetzten acht Zigaretten-Packerl.

Gefährlich oder nicht?

In den Liquids (auswechselbare Kartuschen mit Aromastoffen) ist auch Nikotin enthalten. Dabei schwankt der Nikotingehalt zwischen nahezu Null und 16 Milligramm pro Kartusche. Da bei Dampf-Zigaretten kein Tabak verbrannt wird, ist das Problem des Passivrauchens nicht gegeben. Bei Zigaretten werden Teer, Nikotin und Kohlenmonoxid freigesetzt. Präventiv-Mediziner wie Manfred Neuberger von der Uni-Wien lehnen E-Zigaretten ab. Denn das Rauch-Ritual bleibt aufrecht, bei Jugendlichen gelten Dampfer sogar als Einstiegsdroge.

(kurier) Erstellt am
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