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Wien
11/21/2013

Sieben Postüberfälle: Zwölf Jahre Haft

25-Jähriger formte eine Bande, die regelmäßig auf Raubzug ging.

Sieben Postämter überfallen, 220.000 Euro Schaden, Wegen dieses Deliktes ist am Donnerstag im Wiener Straflandesgericht ein Prozess gegen eine Bande über die Bühne gegangen. Sechs Überfälle wurden nun vor einem Schöffensenat (Vorsitz: Stephanie Öner) verhandelt. Der Haupttäter - der 25-jährige Daniel J. - wurde zu insgesamt zwölf Jahren Haft verurteilt.

Daniel J. hatte am 16. Mai 2012 gemeinsam mit einem Komplizen ein Postamt in der Baumgartenstraße in Wien-Penzing ausgeraubt. Die beiden und ein dritter Beteiligter wurden unmittelbar nach dem Coup in ihrem Fluchtfahrzeug festgenommen. Im folgenden Strafverfahren stellte Daniel J. seine Täterschaft vehement in Abrede - Anfang März 2013 wurde er trotzdem für den gescheiterten Raub zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Lebensbeichte

Daraufhin ging der 25-Jährige offenbar in sich, trat an den zuständigen Staatsanwalt Kurt Hankiewicz heran und legte eine umfangreiche „Lebensbeichte“ ab: Er gab nicht nur seine Beteiligung an sechs weiteren Post-Überfällen zu, sondern lieferte auch sämtliche Mitwisser und Helfer ans Messer, indem er der Justiz ihre Namen preisgab.

Somit ging es in der heutigen Verhandlung, in der neben Daniel J. zwei Mittäter im Alter von 44 und 23 Jahren mit auf der Anklagebank saßen, um Überfälle, an denen der 25-Jährige zwischen dem 8. März und dem 25. April 2012 mitgewirkt hatte. Den ersten Coup in Hietzing hatte er noch im Alleingang begangen, wobei dieser eher kläglich verlief. Zusammen mit der Beute von knapp 3.000 Euro gab ihm der Postangestellte ein Alarmpaket mit, das kurz nach Passieren des Ausgangs explodierte. Daniel J. ließ das rot eingefärbte Sackerl fallen und stand ohne Geld da.

"Heimkind"

Das sollte sich bald ändern. Der 25-Jährige tat sich mit Dusko J. (31) zusammen und heuerte gemeinsam mit diesem bei Ausflügen zu ihren jeweiligen Freundinnen nach Serbien junge, beschäftigungslose Männer an, die für sie die Raubzüge in Wien durchziehen sollten, während sich die beiden im Hintergrund hielten. Es sei einfach gewesen, die unmittelbaren Täter anzuwerben, verriet Daniel J. dem Gericht: „Der eine hatte nichts zu essen, der andere lebte auf der Straße. Einer war ein Heimkind.“

Laut Anlage lotsten Daniel J und Dusko J. die Männer nach Wien, mieteten sie in einem billigen Hotel ein, rüsteten sie mit täuschend echt aussehenden Spielzeug- oder Gaspistolen aus, gaben ihnen Sturmhauben oder Strumpfmasken, zeigten ihnen die Postämter, zu deren Lasten man sich bereichern wollte, chauffierten sie zum Tatort und standen Schmiere, wenn es ans Eingemachte ging.

Das Postamt in der Gymnasiumstraße in Währing und jenes in der Kuefsteingasse in Penzing wurden gleich zweimal heimgesucht, wobei die Täter vor allem in ersterem reiche Beute machten. Am 19. März 2012 entnahmen sie einem Tresor knapp 38.000 Euro, am 25. April sage und schreibe 143.000 Euro. Zusätzlich wurde noch eine Zweigstelle der Post AG in der Lehnergasse in Rudolfsheim-Fünfhaus erleichtert.

Spieler

Daniel J., der an sämtlichen Coups beteiligt war, indem er zumindest für die Planung und Überwachung der Tatausführung verantwortlich war, erklärte, er habe seinen Anteil an der Beute jeweils unverzüglich verspielt. Er sei den Automaten verfallen: „Ich bin spielsüchtig. Ich will erst wieder aus dem Gefängnis, wenn ich geheilt bin.“

Die Mitangeklagten waren nur teilweise geständig. Der 44-Jährige, der laut Anklage bei drei Fakten seine Hände im Spiel hatte, wurde zu siebeneinhalb Jahren verurteilt. Er habe sich zum Mitmachen hinreißen lassen, weil er infolge eines Arbeitsunfalls seinen gut bezahlten Job verloren hätte, gab er zu Protokoll. Der 23-Jährige - laut Staatsanwalt in einem Fall der unmittelbare Täter - leugnete die Raubabsicht, wurde aber von einem DNA-Gutachten belastet. Auf der sichergestellten Schusswaffe waren seine genetischen Merkmale haften geblieben. Er bekam sechs Jahre. Sämtliche Urteile sind bereits rechtskräftig.

Die übrigen, von Daniel J. und Dusko J. angeworbenen Banden-Mitglieder sind zum Teil noch flüchtig und dürften vermutlich in Serbien untergetaucht sein. Auch Dusko J. war nach dem letzten Post-Raub die Flucht geglückt. Wie Staatsanwalt Kurt Hankiewicz in der Verhandlung berichtete, konnte der mit internationalem Haftbefehl Gesuchte aber am vergangenen Wochenende festgenommen werden. Auf den 31-Jährigen wartet im Wiener Straflandesgericht nun ein separates Verfahren.