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Chronik Wien
09/24/2020

Wiens Wirte müssen ab Montag ihre Gäste registrieren

Wer in der Bundeshauptstadt in ein Lokal gehen will, der muss seine Kontaktdaten preisgeben. Wien will mit dieser Maßnahme rasch von den „Roten Listen“ kommen.

von Julia Schrenk, Christoph Schwarz, Petra Stacher

Diskutiert wird über sie schon seit Beginn der Corona-Krise, jetzt wird die Registrierungspflicht für Gäste in Lokalen tatsächlich eingeführt. Zumindest in Wien.  

Am Mittwoch hat der Nationalrat beschlossen, dass die Landeshauptleute im Kampf gegen  Corona eigene Maßnahmen  treffen können.

Und gleich gestern, Donnerstag, ging der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) in die Offensive: Ab Montag müssen alle Gäste in den rund 8.200 Wiener Gastro-Betrieben ihre Kontaktdaten preisgeben, wenn sie dort konsumieren möchten.

Dazu müssen sich die Gäste nicht – wie erwartet – in eine ausgedruckte Liste eintragen, sondern ein vorgefertigtes Formular ausfüllen.

Die Idee dahinter: Niemand soll einsehen können, wer sonst noch  in dem Lokal anwesend war. Welche Daten angegeben werden müssen, ist noch nicht ganz klar.

Umsetzung über Hausrecht

Aber es dürfte sich wohl um Name, Telefonnummer und Uhrzeit des Besuchs handeln. Wahrscheinlich wird pro Tisch ein Blatt aufliegen, in das sich alle eintragen müssen.

Dies soll im Hausrecht der Gastro-Betriebe festgeschrieben werden.

Dass Wien diese Registrierungspflicht einführt, dürfte zwei Gründe  haben. Erstens soll das  Sammeln der Daten verhindern, dass die Sperrstunde vorverlegt wird – ab Freitag werden ja Lokale in  Salzburg, Tirol und Vorarlberg schon um 22 Uhr schließen. In Wien bleibt sie bei 1 Uhr.

Zweitens dürfte die Registrierungspflicht  die erste Maßnahme der Stadt sein, um Wien wieder von den „Roten Listen“  jener Länder zu holen, die Reisewarnungen ausgesprochen haben.

„Wir tun alles, um die Corona-Zahlen niedrig zu halten und eine weitere Verbreitung zu verhindern“, sagt Ludwig im KURIER-Gespräch.

„In einer Millionenstadt geht man nicht um 22 Uhr schlafen.“

Eine frühere Sperrstunde sei da in Wien kein probates Mittel: „In einer Millionenstadt geht man nicht um 22 Uhr schlafen.“ Er wolle nicht, dass die Menschen wegen früher Sperrstunden auf Privatpartys oder illegale Clubs ausweichen „und dort womöglich Cluster bilden“, so Ludwig.

Eine Verkürzung der Öffnungszeiten würde zudem die „wieder florierende Gastronomie beschädigen, die damit einen Großteil ihrer Gäste verlieren würde“, sagt Ludwig.

Von den Plänen  hat Wirtevertreter Dobcak übrigens nichts gewusst. Ludwig hat das – wie so oft – direkt mit dem Wiener Wirtschaftskammer-Chef Walter Ruck ausverhandelt.

Wirte nicht eingebunden

Dass noch am Donnerstag ein lapidares Corona-Info-Mail  an die Wiener Gastronomen ging, ohne ein Wort von der Registrierungspflicht zu verlieren, missfiel so manchem Wirten am Donnerstag.

Die Aufregung über die Registrierungspflicht an sich hält sich aber in Grenzen. Manche Gastronomen hatten ihre Gäste ohnehin schon freiwillig um Daten gebeten, etwa beim Reservieren.

Wer im Café Landtmann einen Kaffee trinken will, muss schon seit Mittwoch ein Datenblatt ausfüllen: „Es liegt auch an den Gastronomen, für die Sicherheit ihrer Gäste zu sorgen“, sagt Cafétier Berndt Querfeld.

Seine Gäste hätten die Datenerfassung „fifty-fifty“ aufgenommen, für ihn sei sie das geringere Übel. „Dass Wien bei Ländern wie Deutschland oder der Schweiz auf der Roten Liste steht, ist viel schlimmer“, sagt Querfeld.

Der Szene-Gastronom David Figar  hat zwar nichts gegen die Datenerfassung, fragt sich aber, was den Wirten blüht, wenn  Gäste – wie in Deutschland – ihr Datenblatt nicht mit ihrem echten Namen ausfüllen, sondern etwa als Max Mustermann. „Und in Deutschland gab’s viele Max Mustermanns“, sagt Figar.

Welche Daten erhoben werden, will der Bürgermeister noch mit dem Corona-Krisenstab abstimmen, der am Freitag tagt. Die Wirte wünschen sich jedenfalls eine digitale Erfassung – etwa mittels QR-Code oder Token.

Das würde für Gäste und Wirte weniger Aufwand bedeuten, sagt Dobcak. Damit sollen sich Gäste nur ein Mal anmelden müssen, durch den QR-Code sei gespeichert, wann der Gast welches Lokal besucht habe.

An alle jene Wienerinnen und Wiener, die kein Smartphone besitzen, will Dobcak über das Zentrale Melderegister Chipkarten oder Token schicken lassen. 

Ein entsprechendes Konzept will Wirteobmann Dobcak demnächst Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) vorlegen.

Die Registrierungspflicht  ist laut Ludwig datenschutzkonform: Die Formblätter müssen von den Wirten gesammelt und vier Wochen aufbewahrt werden.

Die Behörde (konkret die MA 15) nehme nur Einsicht in die Unterlagen, wenn es tatsächlich zu einem Infektionsfall in dem Lokal gekommen ist.

Gastronomen, die sich weigern, die Formulare aufzulegen, sollen bestraft werden. Die Registrierungspflicht gilt vorerst bis Jahresende.

Übrigens: In Oberösterreich versucht man seit einiger Zeit ein ähnliches Konzept. Dort setzt man aber auf Freiwilligkeit.

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