Wiens 28 Fiakerbetriebe müssen sich auf strengere Regeln einstellen.

© KURIER/Gilbert Novy

Tierschutz
05/23/2016

Wien: Fiaker-Pferde bekommen hitzefrei - ab 35 Grad

Rot-Grün schnürte Sieben-Punkte-Paket. Tiere dürfen künftig nur mehr jeden zweiten Tag im Einsatz sein.

von Bernhard Ichner

Was für Bauarbeiter möglich ist, soll künftig auch für Fiaker-Pferde gelten: Wenn es draußen 35 Grad oder mehr hat, haben sie hitzefrei. Die von SPÖ-Stadträtin Ulli Sima und dem grünen Umweltsprecher Rüdiger Maresch präsentierte Neuerung tritt noch diesen Sommer in Kraft. In der Branche zeigt man sich vom Vorstoß der Politik „überrascht“ und „schockiert“. Die Regelung würde den 28 Wiener Fiaker-Betrieben die wirtschaftliche Grundlage entziehen.

Künftig gilt: Wenn am Stephansplatz zumindest 35 Grad gemessen werden, gibt es für die 375 Wiener Fiaker-Pferde hitzefrei. Vorigen Sommer wäre das in der Inneren Stadt an 18 Tagen der Fall gewesen.

Verstärkte Kontrollen

Der rot-grüne Maßnahmenkatalog sieht nun vor, dass die Tiere nur mehr jeden zweiten Tag im Einsatz sein dürfen. Die Betriebszeit wird um eine Stunde reduziert und künftig nur mehr von 10 bis 21 Uhr möglich sein. Bodenmarkierungen sollen Lage und Anzahl der Stellplätze definieren – das erleichtere Polizei, MA60 (Veterinäramt) und MA65 (Rechtliche Verkehrsangelegenheiten) die Überprüfung, ob alle Auflagen eingehalten werden.

Vor jedem Fahrantritt haben Kutscher künftig die Einsatztauglichkeit der Pferde zu überprüfen. Dies muss ins Fahrtenbuch eingetragen werden und einer Überprüfung durch die Behörde standhalten. Weiters dürfen nur mehr Tiere als Zugpferde eingesetzt werden, die ob ihres Wesens und ihres Ausbildungs- und Trainingszustandes mit dem Einsatz als Fiaker-Pferd gut zurechtkommen. Und schließlich will die Stadt mehr Augenmerk auf "Tierschutz-relevante Themen" legen _ also etwa auf die Auswirkungen des Tragens eines Maulkorbs, auf das Schweifanbinden oder das regelmäßige Füttern. Dabei setzt man auf verstärkte Aufklärung und Kontrollen.

Die Novelle des Fiaker- und Pferdemietwagengesetzes soll im Juni den Ausschuss passieren und dann im Landtag beschlossen werden.

Schock für die Branche

Bei den Fiaker-Unternehmern kann man es nicht fassen: „Niemand hat uns über eventuelle Änderungen informiert, wir wurden nicht zu Verhandlungen und Gesprächen geladen“, ärgert sich die Berufsgruppensprecherin in der Wiener Wirtschaftskammer, Martina Michelfeit. Die Unternehmer würden in der Erwerbsausübung massiv beschränkt.

Michelfeit betont, dass bereits jetzt Fiaker-Pferde nach Charakter und Körperbau ausgewählt und im Rahmen einer drei bis zwölf Monate dauernden Trainingsphase auf ihre Arbeit vorbereitet würden.

Scharf kritisiert sie, dass die Pferde künftig nur mehr jeden zweiten Tag im Einsatz sein dürfen. „Fiaker-Pferde haben schon heute an zwei nicht aufeinander folgenden Tagen pro Woche frei. Außerdem gibt es insgesamt rund 400 beim Veterinäramt registrierte und laufend auf ihren Gesundheitszustand überprüfte Fiaker-Pferde – aber nur 58 Standplätze. Somit können pro Tag lediglich 116 Pferde zum Einsatz kommen.“

Wenig Freude haben die Fiaker auch mit der Reduzierung der Einsatzzeiten. Diese Zeiten würden benötigt, „um den Kundenwünschen nachzukommen“.
Die Hitze bedeute ohnehin keine Belastungssteigerung bei Pferden, meint man in der Wirtschaftskammer und zitiert eine Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien von 2008.

Neue Studie untersuchte Stressbelastung

Dem widerspricht Tierschutz-Ombudsfrau Eva Persy: Die Studie besage zwar nicht, dass Pferde unter der Hitze leiden – jedoch auch nicht das Gegenteil. „Es gibt weit mehr Faktoren, die sich negativ auf die Tiere auswirken können: die Reizüberflutung in der Stadt, der Verkehrslärm, das Eingespanntsein und dazu noch die Hitze – das sind alles Stressfaktoren.“

2015 untersuchte Verhaltensexpertin Brigid Weinzinger – ehemals grüne Nationalrätin – daher im Auftrag der Tierschutz-Ombudsstelle die Stressbelastung der Fiaker-Pferde – an Hitze-, wie an normalen Tagen. Auf ihren Empfehlungen basierien die nunmehrigen Maßnahmen.

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