Chronik | Wien
02.08.2017

Wien erlebte eine der heißesten Sommernächte

In der Wiener Innenstadt wurde es nicht kälter als 26,9 Grad.

Viele Wienerinnen und Wiener haben es sicher gemerkt: Die vergangene Nacht war eine der wärmsten Sommernächte seit Beginn der Aufzeichnungen. In der Wiener Innenstadt lag der Tiefstwert bei 26,9 Grad und auf der Hohen Warte bei 25,3 Grad, damit wurde der bisherige Rekord aus dem Jahr 2015 an beiden Stationen eingestellt.

So warm war es zuletzt am Morgen des 23. Juli 2015, auch damals lag der Tiefstwert in der Innenstadt bei 26,9 Grad und auf der Hohen Warte bei 25,3 Grad.

Eine so genannte Tropennacht, also Tiefstwerte über 20 Grad, gab es in vielen Regionen Österreichs, etwa in Jenbach und Kufstein in Tirol, in Ober- und Niederösterreich, in weiten Teilen des Burgenlands sowie in der südlichen Steiermark.

Der gestrige Dienstag war bislang überhaupt der heißeste Tag des Jahres. Am heißesten wurde es mit 37,8 Grad im niederösterreichischen Haag, gefolgt von 37,4 Grad in Wieselburg und 37,1 Grad in Hohenau an der March. Die kommenden Tage geht es vor allem in der Ost- und Südhälfte extrem heiß weiter. Nach Norden und Westen zu werden die Gewitter hingegen allmählich häufiger, die Unwettergefahr steigt.

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In den kommenden Tagen geht die extreme Hitze weiter, vor allem in Niederösterreich, Wien, dem Burgenland, im Süden und Osten der Steiermark sowie in Kärnten legen die Temperaturen bis zum Freitag sogar noch ein wenig zu. Nach 34 bis 38 Grad am Mittwoch und Donnerstag, sind am Freitag sogar bis zu 39 Grad möglich. „Vereinzelt könnten, zumindest gerundet, aber sogar 40 Grad erreicht werden“, sagt UBIMET-Chefmeteorologe Manfred Spatzierer. „Am größten ist die Wahrscheinlichkeit dafür im östlichen Weinviertel sowie im Seewinkel im Burgenland.“ Regenschauer und Gewitter bleiben in diesen Regionen vorerst die große Ausnahme.

Anders hingegen von Vorarlberg bis ins Bergland der Obersteiermark sowie in Oberösterreich und im westlichen Niederösterreich. Dort geht es mit 28 bis 35 zwar ebenfalls sehr heiß weiter, man muss aber am Mittwoch und Donnerstag mit einigen, teils heftigen Gewittern rechnen. Dabei sind Unwetter mit Starkregen, großem Hagel und Sturmböen möglich! Erst am Freitag werden die Schauer und Gewitter tagsüber vorübergehend wieder weniger und mit bis zu 36 Grad wird es wieder eine Spur heißer.

Ein Ende der Hitzewelle zeichnet sich im Westen zum Sonntag bzw. in der Nacht zum Montag ab, ganz im Osten hingegen erst zum Dienstag hin.

Sommerliche Hitze in der Stadt, das heißt nicht nur Freibadwetter und volle Straßencafés. Für alte und kranke Menschen und für kleine Kinder steigt das gesundheitliche Risiko. Für Herausforderungen sorgt der Klimawandel aber auch bei den Stadtplanern.

Besonders heftig können die Auswirkungen von Hitze in Ballungszentren und Innenstädten sein, weil sich dort die Wärme staut. "Innenstädte können sich stärker erhitzen als das Umland, sie speichern die Wärme bei extremer Hitzebelastung auch über die Nacht" sagt der Humanökologe Hans-Guido Mücke vom deutschen Umweltbundesamt. "Die Nachttemperatur kann während Hitzeperioden im Extremfall um bis zu zehn Grad höher sein als im Umland." Wichtig sei daher, dass der Nachtwind ungehindert durch sogenannte Frischluftkorridore ziehen kann.

Angesichts des Klimawandels drängt die Zeit: "Wir sehen auf der Basis der statistischen Auswertung von Extremereignissen, dass deren Häufigkeit ansteigt", sagt Mücke. "Die Klimamodelle zeigen uns, dass nicht nur die Häufigkeit von extremen Hitzeperioden - sogenannten Hitzewellen - zunehmen wird, sondern sehr wahrscheinlich auch deren Intensität und Dauer."

Stadtplaner, aber auch Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser stehen angesichts der absehbaren Folgen des Klimawandels vor mittel-bis langfristigen Herausforderungen. "Grünflächen, Stadtparks und schattige Plätze sind besonders wichtig", sagt Mücke. Auch die nachträgliche "Verschattung" von Gebäuden sei möglich, damit sich zum Beispiel Krankenzimmer in Südlage an heißen Tagen nicht zu sehr aufheizen. Markisen und Fensterläden können der Hitze entgegenwirken.

"Vor 15 Jahren war Hitze in der Stadt kein Thema. Inzwischen ist es angekommen bei den Stadtplanern, bei den Architekten, bei den Landschaftsplanern", hat Matzarakis festgestellt. In vielen Kommunen gibt es mittlerweile Anpassungsstrategien und Pläne, um mit den Folgen des Klimawandels umzugehen.

Frankfurt, eine der deutschen Großstädte mit besonders hoher Bevölkerungsdichte, hatte seine Klimaanpassung bereits im Jahr 2014 erstellt. "Die Frankfurter City weist in Teilen ihrer Innenstadt und in den dicht bebauten Stadtteilen schon heute deutliche hochsommerliche Überwärmungen auf", hieß es darin. Für die Zukunft zeichneten sich "zahlreichere und heftigere Unwetter und länger andauernde Hitzeperioden im Sommer" ab. Gleichzeitig steige der Wohnflächenbedarf.

"Es sollte auf jeden Fall darauf geachtet werden, dass die Innenstädte nicht noch weiter verdichtet werden", sagt Mücke zu den Aufgaben für Stadtplaner und -entwickler. Brach- und Grünflächen sollten nicht als neue Bebauungsflächen ausgewiesen werden. Derzeit allerdings wird in Städten wie Berlin und Frankfurt wegen des Zustroms neuer Bürger "nachverdichtet": Viele Wohnhäuser jährlich werden auf Grünflächen und Plätzen zwischen bestehenden Gebäuden hochgezogen.