Chronik | Wien
05.12.2011

Wien Energie enttarnt Hanfplantage

Hoher Stromverbrauch führte auf die Spur einer Cannabiszucht. Im Raum steht nun ein Bruch des Datenschutzes.

Wie man bei Wien Energie genau Verdacht geschöpft hat, wollte Pressesprecher Christian Neubauer am Dienstag nicht sagen. Im Laufe der KURIER-Recherchen wurden jedenfalls mehrere Varianten angeboten, wie mit Hilfe des Stromversorgers eine Rauschgiftplantage in Wien entdeckt wurde.

Für das Landeskriminalamt war die Sache jedenfalls ein Erfolg: Im Keller eines Blumenladens in Rudolfsheim-Fünfhaus wurden 24 Pflanzen sowie 900 Setzlinge von "cannabis sativa", besser bekannt als Marihuana, gefunden. Als die Beamten der Polizeiinspektion Sechshauser Straße am Montagnachmittag das Geschäft in der Reindorfgasse betraten, kam ihnen bereits ein einschlägiger Geruch entgegen.

"Sehr gute Adresse"

Der Anwesende Andreas S., 50, gab rasch zu, dass sowohl im Geschäft als auch im Keller des Ladens Marihuana für den Verkauf gezüchtet werde. Er und sein Chef, Stefan K., 40, hätten hier seit einiger Zeit Geschäfte mit dem illegalen Kraut getätigt. In einschlägigen Internet-Foren wurde das Geschäft bereits als "sehr gute Adresse" genannt.

Laut Polizei kam sie selbst so auf die Spur: Ein Beamter, der gerade in der Nähe einen Schutzweg als Schülerlotse geregelt hatte, wurde von einem Mitarbeiter der Wien Energie angesprochen. Dieser habe ihm vom auffällig hohen Stromverbrauch in dem Geschäft berichtet und deshalb eine Hanfplantage vermutet. Diese sind sehr verdächtig beim Stromverbrauch, weil ein Quadratmeter Hanfplantage verbraucht durch Belüftung und Heizlampen so viel wie eine ganze Familie. Monatsstromrechnungen erreichen dabei oft vierstellige Beträge.

Hat der Wien-Energie-Mann tatsächlich der Polizei von dem hohen Verbrauch berichtet, wäre dies ein Bruch des Datenschutzes. Wien Energie rechtfertigte sich auf KURIER-Anfrage damit, dass nur ein Stromdiebstahl angezeigt wurde. Als die Polizei dem widersprach, wurde die Version geändert. Am Ende hieß es, dass ihr Mitarbeiter einen Verdacht hatte, in dem Geschäft war, und den Beamten später auf den Verdacht hingewiesen habe.