Weggeworfene Tschickstummel können teuer werden

© dpa/Martin Gerten

Chronik | Wien
04/18/2016

36 Euro für eine Zigarette

Müll-Sünder müssen jährlich 230.000 Euro bezahlen. Stadt Wien setzt auf Information.

"Was man einmal selber putzt, darauf passt man künftig besser auf", gibt Umwelt-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) das Motto der alljährlichen Mitmachaktion "Wie räumt auf – mach mit!" vor. Der bereits zum 11. Mal stattfindende kollektive Frühjahrsputz startete in der Nacht auf heute (siehe Kasten). Der Stadt geht es dabei in erster Linie auf Bewusstseinsbildung. Im vorigen Jahr wurden im Rahmen der Aktion rund 27 Tonnen an Abfällen gesammelt.

Dass es nicht noch wesentlich mehr war, ist nicht zuletzt Verdienst der WasteWatcher. Seit Februar 2008 kontrollieren sie die Einhaltung der "Spielregeln" – und strafen bei Vergehen. Ein Organmandat der Müll-Polizei kostet zwar "nur" 36 Euro, Wiederholungstäter oder renitente Ertappte riskieren aber empfindliche Strafen von mehreren hundert Euro. Pro Jahr legen Müll-Sünder so rund 230.000 Euro ab. Die Mittel fließen zur Gänze in Sauberkeitsmaßnahmen.

47.000 Amtshandlungen

Aktuell sind 50 hauptberufliche WasteWatcher und rund 400 speziell ausgebildete Mitarbeiter der MA42 (Wiener Stadtgärten) sowie der MA48 (Abfallwirtschaft und Straßenreinigung) im Einsatz. In den Gemeindebauten sind zudem Ordnungsberater unterwegs, die mit denselben Kompetenzen ausgestattet sind. Und nicht immer sind sie leicht zu erkennen. Manchmal gehen die Aufsichtsorgane in Uniform, manchmal aber auch in zivil auf Patrouille.

Seit Februar 2008 führten die Wiener WasteWatcher mehr als 47.000 Amtshandlungen durch. Allein 2015 gab es mehr als 4500 Organstrafen und knapp unter 1000 Anzeigen gegen Müllsünder.

Das häufigste Delikt ist nach wie vor die unsachgemäße Entsorgung von Zigarettenstummeln. Seit 2008 kam es zu 21.706 Amtshandlungen (also zu Ermahnungen, Organstrafen oder Anzeigen) sowie zu 43.702 Info-Gesprächen. Allein 2015 waren es 4945 Amtshandlungen bzw. 8243 Gespräche. Auf Platz zwei rangiert der Hundehaufen außerhalb des dafür vorgesehenen Sackerls (siehe Grafik).

Die Arbeit der WasteWatcher trägt jedoch Früchte: Mittlerweile landen bei 55.600 gemeldeten Hunden jährlich 21,8 Millionen "Gackerl-Sackerl" in den Mistkübeln. Pro Jahr werden rund 100 Millionen Tschickstummel in den vorgesehenen Aschenrohren entsorgt; die illegale Entsorgung von Kühlgeräten ist um 67 Prozent gesunken und die von Sperrmüll um 38 Prozent.

Strafen hin oder her. 88 Prozent halten die WasteWatcher für eine gute Einrichtung. Und 92 Prozent wünschen sich weiterhin Kontrollen.

In der Nacht begann die größte Putzaktion der Stadt

Von 18. April bis zum 1. Mai schwingen die Wiener wieder gemeinsam mit den Putzprofis der Stadt die Besen. Gestartet wurde die alljährliche Initiative "Wien räumt auf – mach mit" in der Nacht auf Montag, um 1 Uhr auf den Gleisen der U6 bei der Station Josefstädter Straße – dort gingen Freiwillige in Kooperation mit den Wiener Linien ans Werk.

In den kommenden Tagen folgen dann diverse Reinigungsaktionen – gemeinsam mit Bezirksvorstehungen, Flüchtlingen, Schulen und Kindergärten. Am Samstag, dem 23. April, suchen Taucher sogar in der Neuen Donau nach weg geworfenen "Schätzen".

Seit dem Beginn 2006 beteiligen sich jährlich im Schnitt 17.000 Menschen. Insgesamt wurden bis dato rund 230 Tonnen Müll gesammelt und von der MA48 entsorgt. Anmelden kann man sich Montag bis Freitag, von 8 bis 15 Uhr, kostenlos unter 0800 20 32 48 bzw. online unter www.abfall.wien.at.