Chronik | Wien
05.12.2011

Werden in Wien Wohnungen knapp?

Es sollte der Deal des Jahres sein: Die Stadt will mit Privaten 7500 günstige Wohnungen bauen. Es dürften weit weniger werden.

Zu Beginn konnte es nicht schnell genug gehen. Im März trat Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SP) vor die Mikrofone der Journalisten und präsentierte ein bisher nicht dagewesenes Projekt. Es ging dabei um sehr viel Geld, das in sehr kurzer Zeit und zu sehr günstigen Konditionen von der Gemeinde am Kapitalmarkt aufgetrieben und an private Wohnbauträger vergeben werden sollte.

Mit 500 Millionen Euro sollten Konsortien jene Arbeit erledigen, für die die Stadt derzeit kein Geld hat: Sie sollten dank der guten Bonität der Stadt 7500 Wohnungen zu den Bedingungen des geförderten Wohnbaus errichten. Drei Wochen blieb Zeit, um den Stadtrat von den Ideen zu überzeugen.

Rohrkrepierer

"Doch das Projekt wird zum Rohrkrepierer", sagt ein Informant zum KURIER. "Voraussichtlich werden durch den Call nicht einmal die Hälfte der geplanten 7500 Wohnungen gebaut. Für den Wohnungsmarkt hätte das schlimme Folgen." Wohnungen würden mittelfristig Mangelware werden, die Mieten steigen.

Das Problem an dem zu Beginn von allen Seiten bejubelten Plan: Ludwig und sein Team hätten bei Weitem zu wenig Flächen zur Verfügung gestellt, auf denen die Privaten ihre Projekte in die Höhe ziehen könnten. "Im Augenblick sind die Erwartungen sicher nicht erfüllt", sagt auch Winfried Kallinger, Chef des Bauträgers Kallco. "Und die Zeit ist knapp."

Auch er begrüßte die Initiative anfangs. "Wir hätten mit unserem Konsortium gerne bis zu 600 Wohnung eingebracht und haben im Gegenzug auf entsprechende Liegenschaften der Stadt gehofft. Voraussichtlich erhalten wir aber nur für 170 einen Zuschlag."

Zu rasch hätte alles gehen müssen. "Die Wohnbauträger waren mit der Situation wohl ebenso überfordert wie die Liegenschaftsverwaltung der Stadt", glaubt der Unternehmer. Er geht davon aus, dass durch den Call bestenfalls 3500 Wohnungen entstehen werden. "Die meisten davon in der Seestadt Aspern." Das österreichische Siedlungswerk hätte wiederum gerne 1500 Wohnungen errichtet. "Es dürften weniger werden", sagt Vorstand Wolfgang Wahlmüller. "Wir rechnen mit 700 bis 900."

Im Büro Ludwigs hält man sich noch bedeckt. Deutlich dementiert wird nur, dass eine Wohnungsknappheit droht. "Das wird nicht passieren. 8500 Wohnungen sind derzeit in Bau. 7700 weitere werden in Kürze in Angriff genommen", sagt eine Sprecherin.

Und der Call? "Die Verhandlungen verlaufen positiv." Ende des Monats sollen konkretere Zahlen vorliegen. Einmal mehr wird auf das Konsortium bestehend aus Erste Bank, Sozialbau und Vienna Insurance Group verwiesen, das 3000 Wohneinheiten realisieren möchte.

Aber auch hier scheinen Wunsch und Wirklichkeit weiter auseinanderzuliegen. "Am Ende des Tages werden es wohl 2000 Wohnungen sein", sagt Herbert Ludl von der Sozialbau. Das Ziel von 7500 Wohnungen dürfte also schwer umsetzbar sein. Ludl sieht das pragmatisch: "Auch 3000 neue Wohnungen wären ja schon ein Erfolg."

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