Wenn Sterben zum Luxus wird: Debatte um Friedhofsgebüh­ren

Friedhöfe heben die Kosten an. Der Trend geht nicht zuletzt deshalb zur Feuerbestattung.

Peter Franz will das Grab auflassen und eine Einäscherung in Niederösterreich Die Wiener Friedhöfe wollen am liebsten alle Deckel verbannen und die Gräber begrünen

Immer mehr Österreicher wollen nach ihrem Tod verbrannt werden. Bereits ein Drittel wählt als Bestattungsmethode die Einäscherung. Zu tun hat das natürlich auch mit den teilweise enorm gestiegenen Kosten für gewöhnliche Erdgräber. Weil viele Gemeinden auch bei der Friedhofsverwaltung an der Gebührenschraube drehen, wird das Sterben gerade für einkommensarme Familien immer öfter zum Luxus.

Eine Familie, die abwechselnd in Wien und Niederösterreich lebt, hat einen besonders drastischen Fall aufzuzeigen. Deren Mitglieder sind seit Jahrzehnten Benutzungsberechtigte eines Familiengrabes in sehr guter Lage auf dem Wiener Zentralfriedhof. Von einer Abrechnungsperiode auf die andere sollen sie nun mehr als das Doppelte für ihr Grab bezahlen. Peter Franz fiel aus allen Wolken, als ihm vergangenes Jahr ein Schreiben der Friedhofsverwaltung ins Haus flatterte.

Nachdem sich die Benutzung des Familiengrabes in der Periode von 2005 bis 2015 mit 813 Euro zu Buche schlug, schrieben die Friedhöfe Wien für die nächsten zehn Jahre plötzlich 1815 Euro vor. "Ich konnte es zuerst gar nicht glauben. Eine Preissteigerung von mehr als 100 Prozent, das ist doch mehr als unverfroren", ärgert sich der Pensionist.

Damit noch nicht genug, wurde beim Begräbnis seiner Mutter im Jahr 2005 41,70 Euro für das Öffnen und Schließen des Grabdeckels verlangt. Bei einem Begräbnis im vergangenen März verrechnete die Friedhofsverwaltung mehr als das Achtfache (340 Euro) dafür.

Grüne Lunge

"Das wurde damit begründet, dass die Verwaltung die Steinplatten allesamt entfernen will", sagt Franz. Er will sich dem "Gebührenwahnsinn", wie er sagt, nicht weiter hingeben und das Grab zum Zweitwohnsitz nach Zeiselmauer in NÖ verlegen.

Laut dem Sprecher der Wiener Friedhöfe, Florian Keusch, stellen die Gebühren im Österreich-Vergleich keinen Ausreißer dar. "Gräber in guten Lagen sind natürlich sehr gefragt und deshalb auch teurer als andere", so Keusch. Die Wiener Friedhöfe trachten wirklich danach, in naher Zukunft alle Steinplatten von den Gräbern zu entfernen. "Wir wollen die Friedhöfe nicht als Steinwüste, sondern als grüne Lungen der Stadt erhalten. Alle Friedhöfe zusammen haben eine gewaltige Fläche, die so groß ist wie der 1. Bezirk", erläutert Keusch.

(kurier) Erstellt am
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