Weniger ist mehr bei Wiens Fahrradgaragen

Foto: APA/ROLAND SCHLAGER

Statt Großgaragen soll es künftig kleinere, dafür aber auch mehr Parkräume geben.

Die im Herbst eröffnete Fahrradgarage in Hietzing ist ein Flop. Nur wenige Radler sind gewillt, für einen Euro pro Tag einen der 100 Stellplätze zu benutzen. Angesichts der Leere versucht der Betreiber Wipark, das Geschäft nun mit einer Aktion anzukurbeln. Für 19 Euro können sich Radler bis Jahresende einmieten.

"Alles recht und schön", sagt Herbert Bork vom Projekt meinefahrradgarage.at, nur das werde nichts nutzen: "Der Standort ist einfach problematisch." Bork und sein Team haben in puncto Fahrradgaragen einen anderen Ansatz: Die Menschen benötigen nicht wenige große Garagen an Verkehrsknotenpunkten, sondern viele kleine Garagen in der Nähe ihres Wohnorts und ihres Arbeitsplatzes.

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In Mariahilf hat Bork daher mit dem Architekturbüro Halbritter & Hillerbrand und der Fakultät für Raumplanung an der TU ein Pilotprojekt gestartet, das zum Ziel hat, in Mariahilf bis Jahresende eine Fahrradgarage zu errichten. Denn 55 Prozent der dortigen Radbesitzer sind mit ihrer Abstellsituation unzufrieden (siehe Grafik), ergab eine Umfrage. 85 % der Mariahilfer besitzen zwar ein Rad, doch in dem vorwiegend von Altbauten dominierten Bezirk gebe es zu wenig Rad-Abstellplätze. Jene in Innenhöfen, wo die Räder Wind und Wetter ausgesetzt sind, seien keine adäquate Lösung. Daher brauche es Fahrradgaragen, "am besten an jedem Häuserblock".

Dafür würden die Radler auch Geld ausgeben. 44 % der Befragten wären bereit, bis zu 10 Euro monatlich für einen Abstellplatz zu zahlen, immerhin noch 15 % bis zu 17 Euro. Natürlich könnte man auf öffentlichen Plätzen eine Parkgarage einrichten. "Aber man kann nicht überall Container aufstellen", sagt Bork. Er will daher leer stehende Geschäftsräume im Erdgeschoß zu kleinen Garagen umbauen. 30 bis maximal 50 Stellplätze bräuchte so eine Garage, schätzt Bork. Dazu könnte man eine kleine Servicestation für Reparaturen einrichten.

Für 30 Räder kalkuliert Bork mit etwa 50 Quadratmeter Platzbedarf. "Auf dem Platz, den ein Auto braucht, kann man 10 Fahrräder aufbewahren." Noch sucht das Team nach einem geeigneten Standort, der auch von der Miete kostendeckend ist. Aber bis Jahresende soll es soweit sein.

(kurier) Erstellt am
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