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Chronik Wien
12/05/2011

Weisser Ring: "Das, was die Opfer sagen, hat Hand und Fuß"

Die Aussagen der Opfer sind glaubwürdig", sagt die Wiener Kinder- und Jugendanwältin Monika Pinterits, nachdem sie vom KURIER mit den schwerwiegenden Vorwürfen von Eva L. und Julia K. konfrontiert wurde.

Warum melden sich die Opfer erst nach 35, 40 Jahren? "Das kennt man bei physischer und sexueller Gewalt", sagt Pinterits. "Als Kinder waren sie alleine, niemand hat ihnen geglaubt." Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle der katholischen Kirche (Stichwort: Klasnic-Kommission) hätte dazu beigetragen, dass sich viele Opfer - auch solche städtischer Kinderheime - Jahrzehnte nach den Taten öffnen. Pinterits: "Die Opfer haben gesehen, dass man ihnen glaubt."

"Wir nehmen die Angaben unserer Klientinnen sehr ernst", sagt auch Marianne Gammer, Geschäftsführerin der Opferschutz-Organisation Weisser Ring , die mit der Aufarbeitung des Kindesmissbrauchs in Heimen beauftragt wurde. "Das, was die Opfer sagen, hat Hand und Fuß", erklärt Gammer. Die meisten Missbrauchsfälle aus Heimen datieren aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Viele Jahre sind seither vergangen. "Wir können die Vorwürfe nicht beweisen, aber wir brauchen auch keinen Beweis", sagt Gammer. "Wir nehmen die Personen ernst und bringen zum Ausdruck, dass ihnen Unrecht geschehen ist."

Die finanziellen Zahlungen aus dem Opferfonds sieht sie als "Anerkennung der Übergriffe". Die Beträge (meist 5000 bis 25.000 Euro, Anm.) würden sich an der aktuellen Judikatur orientieren. "Ich bin froh, dass die Stadt Wien dieses Zeichen setzt", sagt Gammer. "Es ist aber sicher kein Schweigegeld und sicher nicht mit einem Klagsverzicht verbunden."

Betroffene können sich auch an den KURIER wenden: 01/521 00-2663.