Chronik | Wien
08.01.2014

WEGA-Einsatz vor der Universität Wien

Fünf Aktivisten gingen vor dem Hauptgebäude auf Burschenschafter los.

Vor der Universität Wien ist es am Mittwochnachmittag zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung gekommen. Fünf linke Aktivisten - angeblich vermummt - begannen nach dem wöchentlichen Treffen von Burschenschaftern beim "Siegfriedskopf" mit einer Flyer-Verteilaktion. Daraufhin soll es zwischen dem Hauptgebäude und dem Schottentor zu einer Rangelei gekommen sein: Einem Burschenschafter wurde dabei die Kappe vom Kopf geschlagen. Zudem erhielten sie von den Aktivisten "einige Tritte auf den Hintern", wie ein Zeuge schildert.

Die Angreifer tauchten rasch unter und konnten trotz intensiver Suche der WEGA nicht aufgefunden werden. Eine Person wurde leicht verletzt, musste aber nicht von der Rettung versorgt werden. Der Polizeieinsatz war kurz nach Mittag wieder beendet. Die Auseinandersetzung hatte allem Anschein nach einen politischen Hintergrund.

Siegfriedskopf: Umstrittenes Denkmal

Der "Siegfriedskopf" im Arkadenhof der Universität Wien ist ein symbolträchtiges Denkmal. In unregelmäßigen Abständen findet hier Mittwochs um 12 Uhr ein Treffen deutschnationaler Burschenschafter statt. Offiziell gedenken sie hier den gefallenen Helden des Ersten Weltkriegs. Gegner sehen darin allerdings ein Symbol für rechtes und rechtsextremes Gedankengut an den Unis. In der Vergangenheit wurde der Marmorsockel auch immer wieder Ziel von Vandalenakten. 2002 wurde ihm etwa im Zuge einer Auseinandersetzung zwischen freiheitlichen Studenten und vermummten Demonstranten die Nase abgeschlagen.

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APA/ BARBARA GINDL
"SIEGFRIEDSKOPF" IM ARKADENHOF DER UNI WIEN
APAGIN02 - 13072006 - WIEN - OESTERREICH: ZU APA 299 II - Der umstrittene "Siegfriedskopf" ist von der Aula der Universitaet Wien in den hinteren Bereich des Arkadenhofs uebersiedelt und wurde am Donnerstag, 13.Juli 2006, enthuellt. APA-FOTO: BARBARA GINDL

Der "Siegfriedskopf" wurde am 9. November 1923 zunächst in der Aula der Universität Wien von der "Deutschen Studentenschaft" als Gefallenendenkmal aufgestellt. Der Marmorsockel trägt die Inschriften "Ehre, Freiheit, Vaterland", "Den in Ehren gefallenen Helden unserer Universität" und "Errichtet von der Deutschen Studentenschaft und ihren Lehrern". Diese Gruppe war seit 1919 der Dachverband aller reichsdeutscher, sudetendeutscher und österreichischer Studenten, die Mitgliedschaft an "deutsche Abstammung und Muttersprache" gebunden.

Im Zuge der Neugestaltung des Eingangbereichs des Hauptgebäudes entschloss sich das Rektorat für die Versetzung des Denkmals von der Aula in den Arkadenhof und gab die künstlerische Umgestaltung des Denkmals in Auftrag. "Wir wollten den Siegfriedskopf nicht eins zu eins wieder aufstellen, sondern einer verstärkten historischen Analyse unterwerfen", so das Rektorat 2006.

„Wir haben den Siegfriedskopf von seinem Sockel gestürzt, in seine Bestandteile zerlegt und mit Schrift ummantelt. Diese Schrift dominiert die Skulptur und schildert antisemitische Übergriffe an der Universität Wien in den 20er Jahren, die vor allem die Gruppe zu verantworten hat, die den Siegfriedskopf finanzierte. Sollten Angriffe auf die Erzählung stattfinden, weil der Kontext des Antisemitismus nicht anerkannt wird, so kann sie sich im wahrsten Sinn des Wortes „verteidigen“ und ihre Dominanz von mal zu mal verstärken“, so die Künstler.

(Anm. Frühere Angaben im Artikel wurden mittlerweile korrigiert)