Fremdenführer Eugene Quinn zeigt auf der Tour "Vienna Ugly" die architektonische Kehrseite Wiens

© KURIER/Gilbert Novy

Fremdenführer
09/12/2016

Warum Eugene Quinn stets eine orangefarbene Hose trägt

Der Wahlwiener führt zu den "hässlichsten Gebäuden Wiens". Das darf er nur mit besonderen Auflagen tun

von Anna-Maria Bauer

Wer Eugene Quinn sucht, muss nur Ausschau nach einer grellorangefarbenen Müllmannhose halten. Damit ist der gebürtige Ire vor dem Haupteingang des Augarten an diesem Samstagvormittag nicht zu übersehen. In wenigen Minuten wird er eine weitere seiner "Vienna Ugly"-Spaziergänge starten – vorbei an den hässlichsten Gebäuden der Stadt. (Das Projekt ist natürlich mit einem Augenzinkern zu verstehen. Wien ist eine wunderhübsche Stadt, nur deshalb sei so ein Projekt möglich, sagt Quinn.)

Die orangefarbene Hose ist aber nicht nur das Markenzeichen des kreativen Wahlwieners. Sie ist auch Bestandteil der Auflagen, die die Wirtschaftskammer Wien mit ihm ausgehandelt hat, damit er seine ungewöhnlichen Stadtführungen in Wien fortsetzen kann. "Tour" darf er zu seinen Projekten offiziell etwa nicht sagen, Jahreszahlen beim Spaziergang nicht erwähnen und auch auf keine richtigen Sehenswürdigkeiten verweisen. Darüber hinaus soll er unterhaltend, interaktiv und provokant sein – wie er das bei "Vienna Ugly" eben ist.

Eigentlich habe er mit seinen Veranstaltungen vor allem Lebensfreude in die Stadt bringenund die traditionellen Wien-Bilder (Sissi, Freud, Mozart) aus den Köpfen von Touristen und Wienern schütteln wollen. Dass er mit seinem Projekt gegen Regeln verstoßen könnte, wurde ihm erst bewusst, als ihm vergangenes Jahr zwei Verwaltungsstrafen von der MA 59 (Marktservice) ins Haus flatterten. Auslöser war eine Beschwerde bei der Wirtschaftskammer – weil Quinn die vorgeschriebene Fremdenführerausbildung fehlt.

Gerti Schmidt, Obfrau der Fremdenführer in der Wirtschaftskammer Wien, dazu: "Fremdenführer ist ein reglementiertes Gewerbe. Es gibt also Richtlinien, die jeder einzuhalten hat." Sie ergänzt: "Wenn 80 km/h erlaubt sind und ich fahre 110 km/h, muss ich damit rechnen, gestraft zu werden." Man habe sich aber auf eine Ausnahmeregelung einigen können und werde den Kontakt halten.

Vielleicht gibt es bald sogar ein gemeinsames Event – "Fremdenführer als lebende Statuen" lautet Quinns Arbeitstitel. Der Vorschlag liegt in der Wirtschaftskammer zu Begutachtung.

Smells Like Wien Spirit

Sein eigenes Repertoire hat Quinn bereits um eine diskussionsanregende Wanderung erweitert. Bei "Smells like Wien Spirit" wandert man Wiens olfaktorische Highlights ab. Im Café Alt-Wien etwa erriecht man gemeinsam die einzigartige Mischung der jahrelang aus Zigaretten, Gulasch und Alkohol imprägnierten Einrichtung; im Westen Wiens will man die Frische des Wienerwalds erschnuppern, und die U6 darf bei so einer Führung natürlich auch nicht fehlen. Und auf den Straßen Ottakrings kann man – wenn man Glück hat, sogar an ein und demselben Platz – Manner Schokolade, Ottakringer Bier und Meinl Kaffee förmlich in der Luft schmecken.

Seit Kurzem führt Eugene Quinn zudem nicht nur durch die österreichische Hauptstadt, sondern auch durch die bayrische. Vergangenen Donnerstag hat der erste "Ugly Munich"-Walk stattgefunden. 120 Personen haben den Spaziergang zu Münchens "hässlichsten" Gebäuden begleitet.


Informationen zu "Ugly Vienna", "Smells Like Wien Spirit" oder anderen Veranstaltungen von Eugene Quinn und der Plattform "Space and Place" gibt es hier.