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Chronik | Wien
10/15/2015

Währinger zwiegespalten über Parkpickerl-Vorstoß

Die neue Grüne Bezirksvorsteherin Silvia Nossek sagt dem Platzmangel im Bezirk den Kampf an.

Bis der Währinger Friedrich Kunz abends einen Parkplatz gefunden hat, muss er oft eine Viertelstunde im Kreis fahren. Manchmal auch länger. Thomas Mayr, der ein paar Gassen weiter wohnt, stellt sich meist in eine Kurzparkzone und sucht in der Früh einen neuen Platz. Barbara Nehr wiederum hat ihr Auto vor zwei Jahren bereits verkauft.

In einem Punkt sind sich alle Betroffenen einig: Die Parkplatzsituation in Währing ist verheerend.

Der Vorschlag, den Silvia Nossek Dienstagvormittag bei ihrer ersten Pressekonferenz als designierte Grüne Bezirksvorsteherin gab, stieß trotzdem auch auf Kritik. Wie berichtet, möchte Nossek in Währing ein flächendeckendes Parkpickerl einführen.

Anrainerin Imgard Eyb ist jedenfalls verärgert: "Wieso soll ich dafür zahlen, in meinem eigenen Bezirk parken zu dürfen?"

Barbara Nehr wiederum hält das Parkpickerl für die einzig richtige Entscheidung: "Man muss dieses Problem doch irgendwie in den Griff bekommen."

Keine Befragung

Doch vor allem die Art des Vorstoßes verärgert einige, denn Bürgerbefragung ist keine mehr geplant. "Da haben wir Währinger uns in zwei Befragungen gegen das Parkpickerl ausgesprochen und dann will die neue Bezirksvorsteherin es trotzdem einfach so einführen", beschwert sich Anrainerin Maria Engelhardt. Sie gründete auf Facebook die Gruppe "Kein Parkpickerl für Währing". Mittwochabend hatte die Gruppe 270 Unterstützer.

"Das ist der erste undemokratische Akt der Grünen", sagt Noch-Bezirksvorsteher Karl Homole (VP). "Die Grünen interessiert nicht, was die Bürger wirklich wollen." Für Udo Guggenbichler von der Währinger FPÖ ist es ein erneutes Drüberfahren über die Bürger: "Wie man es von Rot-Grün bereits gewohnt ist."

Pickel erfolgreich

Nossek hält ein neuerliches Befragen nicht für notwendig: "Alle sagen: Es muss etwas getan werden. Also tun wir." Derzeit entstünden 36 Prozent aller Straßenbahnblockaden in Währing. Um das zu ändern, müsse man Parkplätze neu planen und dazu muss man die Situation erst einmal entspannen. Das Parkpickerl sei bereits in anderen Bezirken mit Platzproblemen angewendet worden. Nossek: "Es macht keinen Sinn für Währing eine Sonderlösung zu finden."

SPÖ-Verkehrssprecher Gerhard Kubik begrüßt den Vorschlag generell. Wenn Währing das Parkpickerl bekommt, wird das aber Auswirkungen auf den Nachbarbezirk Döbling haben, der bis dato noch pickerlfrei ist. Kubik sieht die Stadt in der Pflicht. Ansonsten werde das Problem lediglich verschoben, aber nicht behoben.