Chronik | Wien
05.12.2011

Vom Schmuggelgut zur Zoo-Sensation

Slowaken wollten 74 Papageieneier über Wien schmuggeln. In Schönbrunn konnten 45 Tiere gerettet werden.

Der Schlag gegen den Tierschmuggel machte Mitte April internationale Schlagzeilen. Am Montag präsentierte der Tiergarten Schönbrunn das Happy End. Wie berichtet, schmuggelten zwei Slowaken aus ihrem Jamaika-Urlaub über den Flughafen Wien-Schwechat 74 Papageieneier. Die zerbrechliche Fracht war in Keksschachteln und einer Kokosnuss versteckt. Der Zoll übergab das sensible Schmuggelgut dem Tiergarten Schönbrunn.

Aus den 74 Eiern konnten 45 Vögel aufgezogen werden. Jetzt, wo die geschlüpften Tiere gefiedert sind, wurde der anfängliche Verdacht bestätigt: Die "Schmuggel-Papageien" sind zwei gefährdeten Amazonenarten zuzuordnen. Projektleiterin Simone Haderthauer: "Die Tiere sind sehr selten und kommen nur in Jamaika vor. Pro Art gibt es maximal einige Tausend."

Handel streng verboten

Konkret handelt es sich um Rotspiegel- und Jamaika-Amazonen. Ihr kommerzieller Handel ist streng verboten. Auf dem Schwarzmarkt bieten Liebhaber Tausende Euro für wenige Exemplare. Die Aufzucht der seltenen Papageien verlangte den Profis aus Schönbrunn alles ab. Innerhalb kürzester Zeit mussten Teams aus erfahrenen Pflegern gebildet werden. "Anfangs wurden die Kücken alle zwei Stunden gefüttert. Rund um die Uhr", erzählt Tiergartendirektorin und KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter. Zusätzlich galt es Brutkästen anzuschaffen sowie Räumlichkeiten zu adaptieren.

Auch der Verwaltungsaufwand war enorm. Schratter: "Über Gewicht, Futteraufnahme und Allgemeinzustand jedes Vogels wird exakt Buch geführt. Bei so seltenen Gattungen sind alle Daten wertvoll und bieten die Chance, mehr Wissen über diese gefährdeten Arten zu bekommen." Der Tiergarten wird von beiden Arten einige Exemplare behalten. Die restlichen Vögel werden an wissenschaftlich geführte Zoos abgegeben. Auch ein Aufzuchtprogramm ist geplant.

Tiertransporter gestoppt

Die Polizei hat jetzt auch einen Tiertransporter aufgehalten, der 15 Sikahirsche geladen hatte. Das Wild hätte von Tirol über Wien nach Bulgarien gebracht werden sollen. Für die Tiere gab es zum Teil keine gültigen Papiere. Einige waren verletzt. Zurzeit werden die Hirsche im Tierschutzhaus Wien untersucht, von wo aus der Fall auch rechtlich geprüft werden soll.