Chronik | Wien
14.03.2018

Volleyballtrainer bei Missbrauch "glücklich": Haftstrafe

Unmündige Opfer: Jahrelang vergriff sich der heute 61-Jährige an Schützlingen. Dem Verein fiel nichts auf.

Es sei, sagt der in Wien wegen schweren sexuellen Missbrauchs Unmündiger angeklagte ehemalige Volleyballtrainer, "eine Kurzschlusshandlung" gewesen. "16 Jahre lang?", sagt die Richterin: "Eine Kurzschlusshandlung an mehreren Mädchen von 2000 bis 2016?"

Der 61-jährige H. vergriff sich durchwegs an Mädchen, die noch keine 14 Jahre alt waren; insgesamt sieben. Eine Schülerin sagt, als es nach zwei Jahren vorbei war, habe sie sich gedacht: "Ich dürfte schon zu alt für ihn sein." Der Angeklagte selbst erklärt, wenn die Mädchen 16 oder 17 Jahre alt waren, wollte er "das" nicht mehr.

Mit einer Elfjährigen teilte sich Trainer H. auf einem Trainingslager in der Slowakei ein Zimmer. Als sie schlief, fotografierte er sie heimlich.

Einem Nachbarskind gab er Nachhilfe in Mathematik, es durfte bei ihm daheim nächtigen. Er missbrauchte das Mädchen und machte Videos. Eine Neunjährige wurde bei Besuchen zwischen September 2013 und Dezember 2014 von ihm missbraucht. Bei einer Zehnjährigen passierte es während eines Beachvolleyball-Turniers in Klagenfurt, er nächtigte mit ihr in einem Zelt.

42 Mal angegriffen

Und dann gab es noch seine sechsjährige Enkeltochter, die er missbrauchte, wenn sie beim Opa übernachtete. "Warum sogar die eigene Enkeltochter?", fragt die Richterin. Seine Schwiegertochter habe ihm eine Salbe gegeben und ihn gebeten, die Kleine dort einzuschmieren, wo es gebrannt habe, behauptet der Angeklagte. "Aber sie haben das Kind 42 Mal angegriffen und fotografiert", entgegnet die Richterin.

Was er empfunden habe? "Es war keine sexuelle Erregung für mich. Es war Zuneigung, ich war dabei glücklich", sagt H. Er habe 1989, nach der Zeugung seines dritten Kindes, zum letzten Mal Sex gehabt. Nach der Scheidung habe er beim Gewinn der österreichischen Meisterschaft mit seiner Mannschaft von seinen Schützlingen "Nähe" erfahren, "das kann man gar nicht erzählen." Ob er glaube, dass die Mädchen genossen haben, was er mit ihnen gemacht hat? "Das kann ich mir nicht vorstellen."

Der nö. Nachwuchs-Verein will von alldem nichts gewusst haben. 16 Jahre lang nicht? Und wer hat den Trainer mit einem Mädchen in einem Hotelzimmer untergebracht? Die Justiz prüft noch, ob die Aufsichtspflicht verletzt wurde. Immerhin hatte der Mann schon 2013, nachdem Gerüchte aufgekommen waren, in einem Wiener Gymnasium Hausverbot bekommen. Inzwischen werden in der Altersstufe beim Verein nur noch Frauen als Trainer eingesetzt.

Der Angeklagte entschuldigte sich "bei allen geschädigten Mädchen und Eltern" und hofft, "dass sie mir das irgendwann verzeihen können." Zugleich badet er in Selbstmitleid: Er habe alles verloren, "meine eigenen Kinder, die Wohnung, die Erfolge im Volleyball." Und im Gefängnis habe er "leider sehr viel Schlechtes erlebt."

Zu mild

Das Urteil, viereinhalb Jahre Haft, ist der Staatsanwältin (bei einem Strafrahmen bis zehn Jahre) zu mild: "Wo beinahe täglich Übergriffe in verschiedenen sportlichen Disziplinen ans Tageslicht kommen." Sie geht in Berufung.