Zoll Vogelgrippe

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06/11/2013

Vogelgrippe reiste im Gepäck mit

Zollhunde am Flughafen Wien spürten 60 Papageien auf. Ein totes Tier trug das Vogelgrippe-Virus in sich.

von Michaela Reibenwein

Die Tiere waren in Kisten und Kartonrollen mit kleinen Luftlöchern gepfercht. Doch ein Großteil der tierischen Fracht hatte die Reise von Bali via Doha nach Schwechat nicht überlebt: Als Zollbeamte am vergangenen Donnerstag auf dem Flughafen Wien-Schwechat zwei Reisetaschen eines tschechischen Pärchens öffneten, fanden sie 60 Vögel. 37 waren nach der langen Reise bereits verendet. Die teils unter Artenschutz stehenden Tiere wurden beschlagnahmt und sofort untersucht. Am Montagabend kam die Hiobsbotschaft: Bei einem der seltenen Vögel wurde das gefährliche Vogelgrippe-Virus festgestellt.

Lebende Mitbringsel

Das Schmuggler-Paar aus Tschechien hatte Urlaub auf Bali gemacht. „Bei einem Besuch auf einem Basar haben wir die Vögel gekauft“, erklärten sie den Zollfahndern. Ihre Ausrede: „Die Verkäufer haben uns gesagt, dass das Standardvögel sind, dafür brauchen wir keine Papiere.“ Doch die Vögel waren alles andere als Standard. Darunter befanden sich gefährdete Arten wie Borstenkopf-Papageien, Beos und kleine Paradiesvögel. Auch Elfenblauvögel, Bambus-Papageimadinen und Rotbüschel-Bartvögel waren in den Reisetaschen verstaut.

1100 US-Dollar, also umgerechnet rund 830 Euro, wollen der 44-Jährige und seine 40-jährige Freundin für die Vögel bezahlt haben. „Aber wir wollten sie nicht weiterverkaufen“, erklärten sie. Angeblich wollte die Frau die Tiere in einer Voliere halten.

Zollhunde

Gefunden wurde die tierische Fracht im Zuge einer Routinekontrolle in der Gepäckszentrale. Die Artenschutzhunde Lord und Reno bewiesen den richtigen Riecher und schlugen bei den beiden Taschen an.

Die Vögel, die die lange Reise überlebt hatten, wurden in geschlossenen Behältern in die Quarantänestation des Tiergartens Schönbrunn gebracht. Dann führte die AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) Untersuchungen an den toten Vögeln durch. Montagabend gab es das erste positive Ergebnis. „Bei einem der Tiere wurde das Vogelgrippe-Virus nachgewiesen“, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Sieben Zollbeamte und der Grenztierarzt – alle hatten direkten Kontakt zu den Vögeln – bekamen daraufhin Tamiflu verabreicht. „Die Ansteckungsgefahr aber ist gering.“ Für die Öffentlichkeit bestehe keine Gefahr. Die Vögel, die überlebt hatten, wurden eingeschläfert.

Das tschechische Schmuggler-Pärchen wurde wegen Verstoßes gegen das Artenschutzgesetz und Zollbestimmungen angezeigt.

Hintergrund

Eigentlich war es um das „alte“ Vogelgrippevirus A(H5N1) schon ziemlich ruhig geworden: Seit 2003 sind laut Weltgesundheitsorganisation WHO 630 Erkrankungen bei Menschen registriert, 375 Infizierte starben. Von Mensch zu Mensch ist das Virus nur sehr schwer übertragbar (es gibt nur Einzelfälle), die meisten nachgewiesenen Infektionen wurden in Asien durch engen Kontakt zu Geflügel ausgelöst.

2006 wurde das Virus in Österreich in Schwänen, Wildvögeln und auch einigen Katzen nachgewiesen, eine Infektion beim Menschen wurde in Österreich noch nicht diagnostiziert. Für mehr Aufsehen sorgte in den vergangenen Monaten das neue Vogelgrippevirus A(H7N9). 132 Infektionen sind in China nachgewiesen, 37 Patienten starben (siehe Bildergalerie). A(H5N1) konnte vielfach erfolgreich bekämpft werden, weil es für viele Vögel tödlich ist – und dadurch Ausbrüche in Geflügelfarmen rasch erkannt werden. Bei A(H7N9) zeigen Vögel hingegen keine Krankheitssymptome.

China: Milliardenschäden durch Vogelgrippe

File photo of a breeder covering his face as he si

A man holds a pigeon at a pigeon farm, which accor

CHINA HONG KONG PRISON LABOUR FACE MASKS

New Taipei City Department of Environmental Protec

PHILIPPINES POULTRY FROM CHINA BAN

A Taiwanese man wears a mask as he walks by a post…

A worker sprays disinfectant in a live poultry mar…

CHINA HONG KONG GOVERNMENT CLEANSING CAMPAIGN H7N9

Wir wissen noch viel zu wenig

Die Weltgesundheitsorganisation WHO war Anfang April alarmiert: Ein bisher kaum bekanntes Vogelgrippe-Virus (H7N9) hat in China erstmals auch Erkrankungs- und Todesfälle bei Menschen ausgelöst. Bisher zirkulierte dieses Virus nur unter Tieren. Wie groß die Gefahr tatsächlich ist, lässt sich noch nicht abschätzen.

Wie viele Infektionen mit dem für Menschen neuen Virus H7N9 sind bekannt? Zunächst meldeten die chinesischen Behörden sieben Infektionen – darunter zwei Todesfälle in Schanghai. Mittwoch wurde bekannt, dass Ende März ein 38 Jahre alter Koch aus der ostchinesischen Provinz Zhejiang starb und sich auch ein Pensionist aus der Region ansteckte.

Wie erfolgte die Übertragung des Virus?
Bisher offenbar nur durch engen Kontakt mit Tieren, vor allem Geflügel. „Es gibt keinen Hinweis auf eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung“, heißt es bei der Weltgesundheitsorganisation WHO. „Erst in den kommenden Tagen bzw. Wochen wird sich zeigen, ob es überhaupt ein Risiko für die direkte Weitergabe des Virus von Mensch zu Mensch gibt“, sagt Univ.-Prof. Egon Marth, Vorstand des Hygiene-Instituts der MedUni Graz. „Wir stehen erst ganz am Anfang.“ Ähnlich auch Sozialmediziner Univ.-Prof. Michael Kunze: „Wir wissen noch viel zu wenig,die Sache ist ja total neu.“

Soll man Reisen nach China bzw. speziell in Regionen mit nachgewiesenen Infektionen wie Schanghai stornieren?
„Nicht nach China zu reisen wäre derzeit übertrieben“, betont Marth. „Die einzige Vorsichtsmaßnahme, die ich treffen würde, wäre das Meiden großer Geflügel- oder Schweinezuchtbetriebe.“ Auch Sozialmediziner Kunze würde derzeit „auf jeden Fall auch nach Schanghai fahren“ und sich keine Sorgen vor China-Reisen machen. „Ich würde mir aber zur Sicherheit Anti-Virus-Medikamente mitnehmen, die ich im Notfall einnehmen kann. Nach unserem Lehrbuchwissen sollte diese Präparate auch gegen Infekte mit diesem Vogelgrippevirus wirken.“

Was ist das Gefährliche gerade an Vogelgrippe?
Der Vogelgrippe-Erreger, der seit 2003 vor allem in Asien auftritt (H5N1), ist für zirka jeden zweiten Infizierten tödlich. Er wird allerdings nur durch sehr engen Kontakt zwischen Mensch und Geflügel übertragen, ganz selten von Mensch zu Mensch.

Sind noch weitere Vogelgrippe-Erreger beim Menschen nachgewiesen worden?
In den Niederlanden starb ein Tierarzt nach einer Infektion mit einem anderen H7-Influenza-Virus (H7N7). „Aber das war ein Einzelfall, das Virus ist wieder verschwunden, und das könnte vielleicht ein Hinweis darauf sein, dass auch das jetzige H7N9-Virus zu keiner großen Gefahr wird“, sagt Marth.

Was tut sich bei der saisonalen Influenza?
Die Krankenstandszahlen sind bereits stark zurückgegangen, allerdings sind immer noch Influenza-Viren im Umlauf, ebenso wie viele Erkältungsviren.

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