Chronik | Wien 20.12.2011

Villen-Bande verriet sich über Funk

1200 Beutestücke und ein Schaden in Millionenhöhe: Das festgenommene Einbrecher-Trio raubte 21 Villen aus.

Der CB-Funk wurde in den 70er-Jahren gerne von Funkamateuren benutzt, und ist längst aus der Mode. Das glaubte auch eine serbisch-deutsche Einbrecherbande. Doch es gibt sie noch, die CB-Funker. Und wenn diese Traditionalisten auch noch Polizisten sind, kann ein raffinierter Plan schnell ins Gefängnis führen.

Seit Jänner stieg der 35-jährige Chef der Bande immer wieder in Villen in den Bezirken Ottakring, Hernals und Döbling ein. Seine serbische Cousine (29) und ein 49-jähriger Deutscher sicherten auf den Straßen die Tatorte ab.

Dabei beschwerte sich der Serbe einmal über ein Funkgerät – auf einer selten genutzten Frequenz – über den schweren Tresor. Ein am CB-Funk sitzender Polizist hörte das durch einen Zufall mit und informierte seine Kollegen.

Hinweis von Nachbarn

Zuvor hatten aufmerksame Nachbarn bereits im 17. Bezirk ein auffälliges Fahrzeug fotografiert und den Behörden gemeldet. Zu diesem Zeitpunkt raubte das Trio bereits 21 Villen aus. „Der Schaden geht in die Millionenhöhe. Es wurde gestohlen was gerade greifbar war. Darunter Laptops, Handys, Flat-Screens, Bargeld, Schmuck, Sparbücher, Musikinstrumente und Kunstgegenstände“, erklärte Oberst Georg Rabensteiner vom Landeskriminalamt West.

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner nutzte den Fahndungserfolg, die Nachbarschaftshilfe zu betonen: „Dank des fotografierten Fahrzeuges gab es eine Spur zu den Tätern. In kriminalistischer Kleinarbeit konnte das Einbrechertrio schließlich ausgeforscht werden.“

Selbst erfahrene Kriminalisten wie Chefinspektor Manfred Winkler staunten über das Ausmaß der Beute: „Wir stellten 1200 Beutestücke sicher. Sie füllten einen 7,5-Tonnen-Laster.“ Darunter war auch eine wertvolle, 150 bis 200 Jahre alte Geige.

Pkw umstellt Ende November konnte das kriminelle Trio in der Sandleitengasse in Wien-Ottakring festgenommen werden. Dabei umstellten Cobra-Einheiten den Pkw. Denn die Bande galt als gefährlich und gänzlich unberechenbar.

Der Haupttäter ist durch Kellerfenster und Terrassentüren in die Villen eingestiegen. Bevor das Trio auf Beutezug ging wurden die Objekte jeweils an Vormittagen beobachtet. Dabei fiel auch das Täterfahrzeug auf. Der tatsächliche Bruch ging dann in der Dämmerung über die Bühne. Bei den Einvernahmen zeigten sich die Täter schweigsam, sie werden auf weitere Straftaten überprüft.

( Kurier ) Erstellt am 20.12.2011