Chronik | Wien
18.11.2017

Vienna Comic Con: Intergalaktisches Netzwerktreffen

Derzeit findet die 3. "Vienna Comic Con" statt. Comic- und Animefans reisten dafür aus ganz Europa an.

Beim Betreten der Messehalle D fällt der Blick auf pinke Perücken, blaue Hörner und meterhohe Kampfwerkzeuge. Ein Iron Man ist da und zumindest drei Jack Sparrows, Star-Wars-Stormtrooper natürlich und am hinteren Ende des Saals ist Gandalf auszumachen.

Zwei Tage lang ist das Messezentrum Wien wieder Mekka für Fans von Comic und Anime, von Cosplay und Rollenspiel. Bis Sonntag um 17 Uhr kann man Manga-Zeichnern bei der Arbeit über die Schulter schauen und durch Comichefte und Graphic Novels blättern. Man kann Fanartikel von Pikachu-Sodadrinks bis zu Meister-Yoda-Fußmatten erstehen und sich für ein gemeinsames Foto mit Harry-Potter-Darsteller Jason Isaacs anstellen. Oder man kann – und das ist in Wahrheit das Hauptmotiv der meisten Besucher – die Kostüme der Cosplayer bewundern.
"Hey, du siehst so cool aus. Kann ich mit dir ein Foto machen?", sagt gerade wieder ein Besucher zu Björn Friedetzky, der als Immortan Joe, der Bösewicht aus dem Actionfilm "Mad Max: Fury Road", erschienen ist.

Jahrelange Arbeit

Björn Friedetzky, der im echten Leben Prokurist ist, nimmt Haltung an und der Besucher stellt sich grinsend neben ihn. Klick. Und schon steht der nächste Gast mit gezücktem Handy neben ihm. Aber Friedetzky hat keinen Stress. Außerdem hat er zwei Jahre an dem Kostüm gearbeitet. Die vielen Fotoanfragen sind so etwas wie eine Bestätigung dafür, dass die Arbeit nicht umsonst war.

"Es ist einfach schön, wenn man anderen mit einem guten Kostüm eine Freude machen kann", tönt es aus dem weinfassbreiten pelzigen Totoro-Kostüm, (Hauptcharakter aus dem Anime-Film "Mein Nachbar Totoro"), auf die Frage, wieso man monatelang an einem Kostüm arbeitet.

"Und es macht Spaß, Dinge mit den eigenen Händen zu gestalten", sagt die Französin Camille alias Lady Sundae (im Bild rechts).
"Ich arbeite im Digital-Marketing. Da sitze ich den ganzen Tag am Computer. Die Verkleidungen und das Eintauchen in diese Fantasiewelt sind für mich der ideale Ausgleich." 35 Stunden investiert sie pro Woche in das Schneidern neuer Kostüme.
Indes klingt ekstatisches Kinderstimmenkreischen aus dem hinteren Teil der Halle C. Hunderte Kinder und Teenager, die meisten in Begleitung ihrer Eltern, starren auf die Bühne der "Influencer Video Con", auf der die ersten YouTube-Stars erscheinen.

Mit Stars auf der Couch

Ganz vorne am Geländer lehnt die zwölfjährige Bianca Pacher.

Sie hat ihr größtes Highlight schon hinter sich: Ein "Meet’n’Greet" mit ihren Idolen "KSFreak und Krappi" ( Österreichs größte YouTuber, deren Unterhaltungsvideos von Millionen Fans verfolgt werden). Und das war viel besser, als sie es sich erträumt hat. "Ich durfte echt 20 Minuten mit ihnen auf der Couch sitzen", erzählt das Mädchen und strahlt. Sogar das Video, das sie für die beiden gemacht hat, konnte sie vorspielen, und ihr Geschenk, eine Fan-Mappe, in der sie Zeitungsausschnitte und Fotos gesammelt hat, überreichen. Nur das Selfie mit der "What Else"-Pose (kleinen Finger und Daumen weg strecken, siehe Foto oben), das hat sie in der Aufregung vergessen. Das gibt es vielleicht beim nächsten Mal.
Auftritte werden die beiden bestimmt wieder machen. Denn KSFreak hat sich ein hohes Ziel gesteckt, wie er dem KURIER auf der Backstage-Couch verrät: "Ich möchte so reich werden, dass ich mir eine Stadt kaufen kann."