Chronik | Wien
23.04.2017

Vienna City Marathon: Marathonis und Rennschnecken

Mehr als 42.000 Läufer waren am Start. Tausende jubelten ihrer "Elite" auf der Strecke zu.

Brechend voll war die U1 kurz nach acht Uhr. Während an anderen Sonntagen gähnende Leere in den Waggons herrscht, gibt es einen Tag im Jahr, an dem es scheint, als wäre ganz Wien auf den Beinen: der Marathon-Tag. Doch grantig ist ob des Gedränges frühmorgens niemand. Da wird gescherzt, noch über die verschiedenen Distanzen gesprochen und einander viel Glück gewünscht. Laufen verbindet eben.

"Nichts für Schönwetterläufer", hatte es die vergangenen Tage immer wieder in der Wettervorhersage für die 34. Auflage des Vienna City Marathons geheißen. Von Schauern und Temperaturen um fünf Grad war die Rede.

Doch Petrus war gnädig mit den Läufern: Sonntagfrüh präsentiert sich der Himmel über der UNO-City blitzblau mit einigen wenigen Wolken. Nur der Wind frischt immer wieder auf.

Bis zum Startschuss

Um kurz nach 8.30 Uhr sind die Startblöcke schon gut gefüllt. Noch heißt es warten und sich warm halten. Während die einen nervös auf und ab trippeln, versuchen sich andere mithilfe von Müllsäcken und Pullovern auf Betriebstemperatur zu halten.

"Ich wohne in Wien. Der Lauf ist also quasi um die Ecke. Deshalb bin ich heute beim Halbmarathon dabei", sagt Michael Schmölzer. Auf die Frage, wie er sich darauf vorbereitet hat, antwortet er gelassen: "Die vergangenen drei Wochen war ich zwei bis drei Mal laufen. Mehr habe ich nicht gemacht."

Besser vorbereitet haben sich Cornelia Brucker und Oliver Seitz, beide aus Freiburg. "Wir laufen beide den Marathon. Zielzeit ist 3:59:59", verrät Brucker. Warum sie in Wien mit dabei sind? "Der Start über die Brücke ist so schön. Und es gibt die Kaiserschmarrnparty – die ist der absolute Hammer. Es gibt in keiner Stadt eine so geile Party am Vortag", sagt Seitz, der mit dieser Unterlage nun seinen bereits 166. Marathon in Angriff nehmen will.

Dann fällt auch schon der Startschuss für die Elite. Zwei Minuten später, um neun Uhr, folgen die beiden ersten Startblöcke. Im 15-Minuten-Takt folgen Block drei vier, fünf und sechs. Unter den 42.766 Läufern waren auch acht KURIER-Mitarbeiter, die in zwei Staffeln die Volldistanz in Angriff nahmen.
Kurz nach 9.30 Uhr kommt die letzte Läuferin über die Reichsbrücke. "Ich laufe den Halbmarathon und habe die vergangenen Monate dafür fleißig mit meiner Laufgruppe, den Rennschnecken, trainiert. Zielzeit wird über drei Stunden sein", sagt Anja Kutzke aus Hannover – und die Freude über das Event steht ihr ins Gesicht geschrieben.

Party in der City

Während Tausende schwitzen, sorgen auch Tausende fürs Anfeuern entlang der Strecke. Am Ring gleicht die Stadt einer riesigen Partyzone. Musikboxen, Jubel und Trommler – die Läufer werden förmlich ins Ziel getragen.
"Papa, Papa", ruft ein kleines Mädchen 400 Meter vor dem Ziel und hält ein Schild mit "Papa" hoch. "Da werden sich viele angesprochen fühlen", meint ein Herr, der daneben steht. Das Mädchen heißt Marie, und mit ihrer Mutter Barbara Daxböck feuert sie ihren Papa an. "Er läuft den Halben, wird also gleich da sein", sagt die Purkersdorferin.

Derweil erscheinen im Hintergrund die Führungsfahrzeuge: Bahn frei für die Schnellsten an diesem Tag. Die Elite ist auf dem Weg ins Ziel. Die Profis brauchen für die volle Marathondistanz von 42,2 Kilometern knapp über zwei Stunden – in dieser Zeit bewältigen die Hobbyläufer im Schnitt den Halbmarathon.

Während die letzten Läufer noch unterwegs sind, haben die Besenwagen der MA 48 schon Stellung bezogen, um die Straßen von Tonnen an leeren Bechern und Bananenschalen zu befreien.

Weitere Infos zum VCM lesen Sie im Sport.

42.766 Anmeldungen brachten Rekordstarterfeld

Der Abschluss aller Nachnennungen beim Vienna City Marathon am Samstagabend ergab einen neuen Rekord von 42.766 Anmeldungen. Läufer aus 125 Nationen haben sich für einen der Bewerbe des VCM 2017 angemeldet. Damit wurde die bisherige Höchstzahl aus dem Jahr 2015 von 42.742 wurde um 24 Anmeldungen übertroffen. Zum fünften Mal in Folge wurden mehr als 40.000 Meldungen verzeichnet. Zusätzlich fand erstmals der "Get active Inclusion Run" statt – ein Lauf ohne Nenngeld und Zeitnehmung, der in dieser Aufschlüsselung nicht inkludiert ist.

Den Großteil des Starterfeldes bildeten dieses Jahr mit 15.100 Läufern und 3775 Teams die Staffelläufer. Insgesamt 14.014 waren für die Halbmarathondistanz angemeldet und nur 8913 von den über 42.000 für die Königsdisziplin Marathon.

Dafür, dass die Straßen nach Zielschluss wieder schnellstmöglich befahrbar sind, sorgt die MA 48 mit 160 Mitarbeitern und 60 Fahrzeugen. 531 Sammelbehälter für Altstoffe und Restmüll wurden entlang der Strecke aufgestellt. 2016 wurden 36 Tonnen Müll und Altstoffe entsorgt. Von den Läufern am Start weggeworfene Kleidung wird gesammelt und einer Weiterverwendung zugeführt.Um 20 Uhr sind die letzten Arbeiten im Zielbereich am Ring abgeschlossen.