Chronik | Wien
11.03.2013

"Wenn das jeder machen tät', wären wir in Neapel"

Chef der MA48 verteidigt das strenge Urteil gegen drei Wiener Müllmänner.

Nach der Verurteilung dreier Wiener Müllmänner wegen Amtsmissbrauchs hat Josef Thon, der Leiter der MA 48, die Notwendigkeit betont, das Trio suspendiert und zur Anzeige gebracht zu haben. Die Wiener Bevölkerung müsse sich darauf verlassen können, dass der Müll vorschriftsmäßig und gesetzeskonform entsorgt werde.

Täglich werden von den "Orangen" der MA 48 wienweit 270 Mülltouren bewältigt. Vor neun Jahren hat Thon die Abteilung übernommen. Seither sei es erst zweimal zu "Illegalitäten" und einer Strafanzeige gegen Mitarbeiter gekommen, erklärte er. Im Fall der drei verurteilten Müllmänner habe diesen nachgewiesen werden können, dass sie einerseits Adressen anfuhren, für die sie laut Tourenbuch nicht zuständig waren, und sich andererseits um Müllcontainer kümmerten, die sie an den betreffenden Tagen gar nicht übernehmen hätten dürfen.

Wien soll nicht Neapel werden

"Wenn das jeder machen tät', wären wir in Neapel", hielt der MA 48-Chef fest. Die niederen Müllgebühren in Wien seien nur finanzierbar, wenn gewährleistet sei, dass jeder Gewerbebetrieb und private Haushalt für den bei ihm angefallenen Abfall bezahle. Außertourliche Lösungen in Form von ungesetzlichen Absprachen mit Bediensteten der MA 48 seien nicht zu tolerieren und müssten für die betreffenden Mitarbeiter Konsequenzen haben. "Sonst dürft' sich jeder Wurstverkäufer eine Wurstsemmel mit nach Hause nehmen", meinte Thon.

Die drei Müllmänner hatten bei Gärtnereien und Gaststätten in Wien-Floridsdrof zu viel Abfall mitgenommen und dabei laut Anklage der Gemeinde Wien einen Schaden von rund 1.700 Euro verursacht. Auf die Schliche war man ihnen nach einem anonymen Hinweis mitgenommen.