Chronik | Wien 11.02.2017

Uber-Österreich-Chef: "Wir umgehen keine Gesetze"

Interview mit dem Uber Chef Andreas Weinberger © Bild: Kurier/Juerg Christandl

Fahrtendienst-Chef Andreas Weinberger reagiert auf Vorwürfe aus der Taxibranche.

Der Fahrtendienst Uber wächst auch in Wien. Zum Missfallen von Taxifahrern, die über unfaire Rahmenbedingungen klagen: Preise bei Uber sind rund 30 Prozent geringer als der Taxitarif. Uber-Österreich-Chef Andreas Weinberger im Interview.

KURIER: Herr Weinberger, was sagen Sie zur Kritik der Taxifahrer, dass niedrige Uber-Preise ihre Existenz gefährden?

Andreas Weinberger: Zunächst: Wir arbeiten nur mit lizensierten Unternehmen, die es lange vor uns in Wien gab. Ja, unsere Preise sind günstiger. Aber wenn man das Service günstiger anbietet, steigt die Nachfrage und die Fahrer machen mehr Umsatz.

Es ist Ihnen also egal, dass Sie dem Taxigewerbe das Geschäft dabei abgraben?

Das ist kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander. Wir erschließen mit Uber eine neue Kundengruppe. Junge, denen Taxis zu teuer waren.

Wie belegen Sie das?

Durch anekdotische Erzählungen und Umfragen.

Sie wollen also sagen, Sie sind kein Konkurrent?

Auf keinen Fall. Auch Taxiunternehmen können sich auf der Uber-Plattform freischalten. Wir sind ein Freund von "Gleiche Regeln für alle".

Aber es gibt nicht die gleichen Regeln. Taxifahrer müssen sich an den Taxitarif halten.

Das hat der Gesetzgeber aber so festgelegt. Dafür dürfen Taxis an zentralen Punkten der Stadt stehen und Taxispuren nutzen. Bei Mietwagen, hat der Gesetzgeber gesagt, dass man den Preis frei verhandeln kann.

Die Stadt hat den Taxitarif nicht ohne Grund festgelegt. Haben Sie kein Problem, das Gesetz zu umgehen?

Wir umgehen keine Gesetze. Die Preisbindung gilt für Mietwagen nicht. Das Gelegenheitsverkehrsgesetz stammt aus den 60er-Jahren Damals hat es sicher Sinn gemacht, bestimmte Dinge festzulegen. Heute ist man flexibler. Da machen dynamische Preise mehr Sinn.

An Tagen mit sehr großer Nachfrage, etwa an Silvester, ist Uber dafür bekannt, die Preise stark anzuheben. Nutzt man damit nicht die Kunden aus?

Unser Hauptziel ist es, eine zuverlässige Fahrt zu generieren. Bei sehr großer Nachfrage geht der Preis nach oben. So überlegt es sich der Fahrgast, ob er wirklich fahren muss. Gleichzeitig haben die Fahrer aufgrund der höheren Preise einen Anreiz, online zu gehen. So pendelt sich der Markt wieder ein.

Testen Sie nicht aus, wie viel es dem Gast wert ist?

Wir werden auf keinen Fall den Preis höher setzen, als er irgendwie sein müsste.

Es gab Artikel, dass die Uber-App auf den Akkustand des Fahrgasts zugreifen und bei niedrigem Stand teurer werden könnte.

Davon weiß ich nichts. Lassen Sie mich noch einmal klarstellen: Ein günstiger Preis ist eines unserer Kernversprechen.

Ein Uber-Fahrer hat dem KURIER erzählt, er habe Fahrten nicht bezahlt bekommen, weil sich Kunden bei Uber beschwert hätten. Er selbst habe die Fahrten positiv in Erinnerung. Wie kann das passieren?

Generell haben wir ein Bewertungssystem. Das heißt, der Fahrer bewertet den Fahrgast und umgekehrt. Das schätzen viele, weil das Gegenüber freundlicher wird. Warum in diesem Fall Fahrten nicht bezahlt worden sein sollte, kann ich nicht nachvollziehen. In der Regel nehmen wir mit beiden Seiten Kontakt auf und versuchen, den Sachverhalt aufzuklären.

Wiens Taxifahrer ärgern sich auch darüber, dass Mietwagenfahrer aus ganz Österreich in Wien als Uber-Fahrer mitmischen würden. Eigentlich muss ein Mietwagenfahrer nach dem Auftrag zurück an ihren Heimatort. Wird das kontrolliert?

Die Fahrer fahren ja zurück. Die Sache ist aber: Wenn er auf seinem Rückweg einen weiteren Auftrag bekommt, dann kann er diesen annehmen. Das ist aber kein Spezifikum von Uber.

Wie viele Fahrer gibt es derzeit eigentlich in Wien?

Das kann ich leider nicht sagen.

Warum?

Wir sind noch keine börsennotierte Firma und haben weltweit viel Konkurrenz. Wir können sagen, dass wir die Wartezeit im vergangenen Jahr von acht auf unter fünf Minuten senken konnten.

Es war die Rede davon, dass UberPool (ein Art Sammeltaxi) heuer in Wien starten soll?

Das ist langfristig unser Ziel.

Bei UberPool teilen sich Personen, die in dieselbe Richtung fahren, eine Fahrt. Dadurch zahlen Kunden weniger, im Endeffekt gibt es für die Fahrer doch weniger Umsatz?

Das Gegenteil ist der Fall. Ein geteilter und damit noch günstigerer Fahrpreis generiert noch mehr Nachfrage. Die Leerzeiten sinken dramatisch und die sind ein großes Thema. Taxis, zum Beispiel, stehen mehr als 70 Prozent der Zeit. Unsere Technologie hilft uns, die Auslastung zu erhöhen. Wir sind klar mehr als ein billiges Taxi.

Nämlich?

Wir sind eine Technologieplattform, die Effizienz in die Mobilität bringt. Tausende Programmierer tun den ganzen Tag nichts anderes, als die App verbessern.

In Pittsburgh werden selbstfahrende Uber-Autos getestet. Ist das auch ein Ziel für Wien?

Selbstfahrende Autos werden den Straßenverkehr sicher machen. Daher, ja, das ist langfristig ein Ziel.

Dadurch würden Arbeitsplätze wegfallen.

Das selbstfahrende Auto kommt auch unabhängig von Uber. Jetzt testen wir die Technik erst einmal. Und es ist ja nicht so, als würden wir einen Schalter umlegen und alle Autos wären fahrerlos. Das zieht sich über Jahrzehnte.

Noch einmal nach Amerika: In Seattle soll Uber gerichtlich gegen Fahrer vorgehen, die sich gewerkschaftlich organisiert haben. Was sagen Sie dazu?

Der Fall ist mir nicht bekannt. Dazu kann ich also nichts sagen. Generell hören wir unseren Partnern natürlich zu. Wir machen regelmäßig Umfragen. Wir wissen etwa, dass die Fahrer die Flexibilität schätzen, dass sie die Arbeit um das Leben planen – und nicht umgekehrt.

Andreas Weinberger

ist theoretischer Physiker. Er hat fünf Jahre in den USA bei Daimler an Brennstoffzellenfahrzeugen gearbeitet. Danach wechselte er zu Boston Consulting und war Berater für die größten Automobilhersteller. Seit Dezember 2015 ist er General Manager von Uber-Österreich.

( kurier.at ) Erstellt am 11.02.2017