Chronik | Wien 05.12.2011

U6 teilweise bis Ende August gesperrt

Pendler-Schock: Ab Montag ist zwischen Westbahnhof und der Station Alser Straße keine U6 unterwegs.

Nur noch langsam rumpelt die U-Bahn durch die Station Josefstädter Straße, ganz sachte, als solle nicht noch mehr Schaden angerichtet werden. Die alten Fliesen auf den Bahnsteigen sind abgeschlagen, an den Wänden bröckelt der Putz und an den Rändern der Bahnsteige klaffen schwarze Löcher in die Tiefe.

Ab Montag, 18. Juli, bleibt den Fahrgästen dieser Anblick erspart. Bis Ende August wird der Betrieb der U6 zwischen Alser Straße und Westbahnhof eingestellt, eine eigene Ersatzstraßenbahnlinie E wird eingerichtet (siehe Grafik).

Doch schon jetzt ist klar, der Ausfall der U6 wird Unannehmlichkeiten mit sich bringen, vor allem für die Pendler. 100.000 Menschen sind täglich auf dem künftig gesperrten Teilstück unterwegs. "Trotz aller Anstrengungen können wir die U-Bahn nicht vollständig ersetzen", sagt Günter Steinbauer, Geschäftsführer der Wiener Linien. Die reine Fahrzeit werde sich auf der Ersatzlinie E um etwa 15 Minuten verlängern, doch wie eng und heiß es in den Bim-Waggons werden wird, wagt sich noch keiner auszumalen.

Ausweichrouten

Düstere Aussichten: Von 18. Juli bis Ende August wird auf der Strecke zwischen Alser Straße und Westbahnhof keine U6 mehr fahren
© Bild: KURIER/Boroviczeny

"Jesus Maria", entfährt es Helga Grüner. Die Heimhilfe fährt täglich mit der U6 zur Arbeit, von der Sperre hat sie soeben erst erfahren. Im Kopf geht sie die Ausweichrouten durch: "Naja, da muss ich auf den 9er, den 43 und den 48A umsteigen. Na, das ist ihnen super eingefallen."

Hermann Kronberger fährt oft mit der U6, entweder nach Meidling oder zum Westbahnhof, wo er in die Bahn umsteigt. Obwohl er ein Auto hat, fährt er in der Stadt wann immer es geht mit den Öffis - ein Bürger, wie ihn sich die grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (G) nur wünschen kann. Durch die Sperre kommt er allerdings in einen Interessenskonflikt. "Zumindest früher ankündigen hätten sie die Sperre können", brummt er. "Dass mehr Arbeiten notwendig sind, haben wir erst gesehen, als wir die Bahnsteige aufgemacht haben", erklärt Wiener-Linien-Sprecher Answer Lang. Die Arbeiten an den von Feuchtigkeit angegriffenen Mauern, müssen vom Gleisbett aus gemacht werden, daher die kurzfristige Sperre.

Intern könnte man von dem Problem schon früher gewusst haben: "Schon seit 2004 sind die Risse in den Mauern immer größer geworden", sagt ein Mitarbeiter der Wiener Linien, der nicht genannt werden möchte, doch die Leitstelle habe davon nichts wissen wollen:"Bei uns wird zugeschaut und gespart, bis Sanierungsarbeiten unumgänglich sind."

"Das schaut nach einem groben Managementfehler aus", schlägt Wolfgang Gerstl, Verkehrssprecher der ÖVP, in die gleiche Kerbe. Bei den Wiener Linien funktioniere die Kommunikation offenbar nicht: "Ich finde es bedauerlich, dass auf die eigenen Mitarbeiter, die hervorragende Spezialisten sind, nicht gehört wird."

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011