Nächtliche Instandhaltungsarbeiten entlang der Linie U4, nahe der Station Unter St. Veit.

© WIENER LINIEN / ZINNER/Johannes Zinner

Pannenserie
12/03/2012

U4 muss generalsaniert werden

Politik macht Druck auf Wiener Linien. Tägliche Defekte verärgern Tausende Fahrgäste.

von Michael Berger

Die Pannenserie bei den Wiener U-Bahnen ärgern beinahe täglich zig-Tausende Fahrgäste, und das nicht nur zu den Hauptverkehrszeiten. Am vergangenen Sonntag mussten mehr als 200 Fahrgäste aus einem festgefahrenen U2-Zug bei der Station Rathausplatz aus dem U-Bahnschacht evakuiert werden. Das Stromzufuhr-System hatte den Geist aufgegeben.

Die Stadtpolitik verlangt jetzt umgehend Maßnahmen. Denn kommt nächste Woche der Schnee, drohen speziell auf den offenen Streckenabschnitten massive Verspätungen – hier vor allem auf der Problem-Linie U4.

Wiens Vizebürgermeisterin Renate Brauner, in ihr Ressort fallen auch die Wiener Linien, ortet jetzt Handlungsbedarf. Sie hat die Manager unter Zugzwang gesetzt: „Ich habe eine umfassende Modernisierung der U4 in Auftrag gegeben. Bis Jahresende müssen die Pläne auf dem Tisch liegen.“ Vorwürfe der Opposition, es gebe bei den Wiener Linien ein Sparpaket, weist Brauner indes heftig zurück.

Tatsache ist, dass Wiens wichtigstes Verkehrsunternehmen bei der Modernisierung der U4 gehörig gefordert ist. Denn anders als bei der U1-Sperre im Sommer, gibt es entlang des Wientals keine Alternativ-Linien.

Die Planer denken daher bereits laut über eigene Busspuren für den Schienenersatzverkehr in beiden Fahrtrichtungen des Wientals nach. Massive Behinderungen des Individualverkehrs auf der Wiener Westeinfahrt wären die Folge.

Betreffend der aktuellen Pannenserie ( Details siehe Infoartikel rechts unten ) verweisen die Wiener Linien auf ihre eigene Statistik. Unternehmenssprecher Answer Lang: „Hochgerechnet bis zum Jahresende werden heuer 119.732 U-Bahn-Kilometer durch Defekte entfallen. 2011 waren es 122.191. Das bedeutet einen Rückgang von zwei Prozent.“ Keiner der drei Wiener-Linien-Geschäftsführer wollte zum Thema Defekte in der U-Bahn Stellung beziehen.

Keine Ausreden mehr

Deutlicher reagierte die Rathausopposition. VP-Verkehrssprecher Roman Stiftner sagte zum KURIER: „Jede U-Bahnlinie ist von den Pannen betroffen. Zum Teil sogar mehrfach am Tag. Die Verantwortlichen sollen endlich mit den Ausreden aufhören. Die Infrastruktur wird in Wien ausgehungert – siehe Wasserrohre oder Stromversorgung. Das hat System, das Geld ist nicht mehr da. Es wird überall radikal gespart.“

Für den freiheitliche Verkehrssprecher Toni Mahdalik gilt „eindeutig der gefahrene Sparkurs als Auslöser für die Pannenserie. Anstatt beim
Werbeaufkommen der Wiener Linien zu sparen, wurden die Service-Intervalle bei den U-Bahn-Garnituren verlängert. Das Unternehmen ist ohnehin Monopolist. Was braucht es da so intensive und teure Werbung? Und den Statistiken will ich nicht ganz glauben. Die Defekte sind im Vergleich zum Vorjahr sicher mehr geworden.“

Fest steht, dass den Technikern seit Einführung der Nacht-U-Bahn 2010 weniger Zeit zur Überprüfung des Fuhrparks bleibt. Vor allem aber stehen dadurch die Züge im verstärkten Fahrbetrieb. Auch die alten Silberpfeile.

Kontrollamt sieht die Intervalle beim U-Bahnservice kritisch

Seit einigen Monaten wurden die Service-Intervalle bei den Wiener Linien von kilometer-abhängigen Wartungsintervallen auf zeitlich begrenze Service-Einheiten umgestellt.

Somit kann es bei den Revisionen zu höheren Laufleistungen der U-Bahn-Garnituren kommen. Ähnlich argumentierte auch das Kontrollamt in einem Bericht: ...weiters wurde angeregt, vor der Umsetzung von Verlängerungen von Revisionsintervallen über das bestehende Sicherheitsmanagement der Wiener Linien eingehend zu prüfen, ob die Veränderungen sicherheitstechnisch vertretbar sind. Dabei sollte insbesondere ein System in Betracht gezogen werden, bei dem die Fälligkeit von Revisionen unter Einbeziehung des tatsächlichen Kilometerstandes anstelle von nur planmäßig erwarteten Fahrleistungen festgestellt wird.

Die Wiener Linien dementieren, dass es durch die Revisionsreform zu längeren Service-Intervallen gekommen ist.

Ab Sonntag, dem 9. Dezember, müssen sich die Fahrgäste der Wiener Linien an die neuen Durchsagen-Stimmen gewöhnen. Diese werden in allen Zügen zu hören sein. Die Ansage „Zug fährt ab“ und der markante Gong vor den Stationsansagen sind damit ebenfalls Geschichte. Er wird durch neue Signaltöne ersetzt. Das gesamte Soundsystem soll bis Mitte 2013 umgestellt sein.

Aktuelles in Zahlen

  • 0,86 Prozent aller gefahrenen U-Bahnkilometer fielen 2011 durch Defekte aus.
     
  • 14,3 Millionen Kilometer wurden 2011 von Wiens U-Bahnen abgespult.
     
  • Pannen verhindern Laufleistungen von 122.191 km.
     
  • Die meisten Defekte gibt es auf der U4, gefolgt von den Linien U6, U3 und U1.
eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.