Chronik | Wien
29.09.2017

Twitter-Aufregung um Ärztekammer-Kampagne

Die Wiener Ärztekammer protestiert mit einer Kampagne gegen bürokratische Hürden. Die Sujets gefallen nicht allen.

Für Aufregung im Kurznachrichtendienst Twitter sorgte am Freitag eine neue Kampagne der Ärztekammer Wien für weniger bürokratische Hürden in der Gesundheitsversorgung. Auf einem der Plakat-Sujets ist eine offenbar krebskranke Frau zu sehen und der Spruch: „Du kämpft mit dem Krebs. Dein Arzt kämpft mit den bürokratischen Hürden der Krankenkasse.“

Ein anderes Plakat zeigt eine schwangere Frau mit der Überschrift: "Die Kasse zahlt mir keinen zusätzlichen Ultraschall. Wie gut, dass hoffen gratis ist."

Die Ärztekammer protestiert damit gegen Probleme wie lange Wartezeiten, die sinkende Zahl an Kassenärzten in Österreich oder geringere Leistungen der Krankenkassen. Die Kammer hat eine Homepage eingerichtet, wo Betroffene ihre Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem mitteilen können.

Auf Twitter sehen das manche „verstörend“ und implizieren, dass kranke Menschen instrumentalisiert würden.

Bei der Wiener Ärztekammer stößt die Aufregung auf Unverständnis: "Krebserkrankungen sind leider nach wie vor Bestandteil unserer Gesellschaft; die Probleme der behandelnden Ärztinnen und Ärzte in ihrem beruflichen Umfeld und zulasten ihrer Patienten leider auch", heißt es in einem Statement der Ärztekammer Wien. "Mutwillig eine Instrumentalisierung von Krebskranken auf einem Plakat herbeizureden, bei dem es eindeutig darum geht, die Situation, Behandlung und Betreuung für die Patienten nachhaltig zu verbessern, bedeutet, sich der Realität entziehen zu wollen."

Kassen verstimmt

Die Krankenkassen, die in der Kampagne attackiert werden, sind von den Sujets nicht sonderlich begeistert. Die Wiener Gebietskrankenkasse fordert den Stopp der Kampagne. "Die Sujets sind zutiefst unethisch", kritisierte WGKK-Chefin Ingrid Reischl per Aussendung den Umstand, "dass die Ärzteschaft ihre Honorarforderungen auf dem Rücken von schwerkranken Menschen durchsetzen möchte".

Außerdem zweifelt sie die inhaltliche Richtigkeit eines Kampagnen-Slogans an, der behauptet, dass eine geringere Zahl von Kassenärzten einen Rückgang bei der Lebenserwartung bewirken würde. "Zahlreiche Studien zeigen, dass eine große Anzahl von Ärztinnen und Ärzten bzw. eine Überversorgung keineswegs zu einer Verlängerung des Lebens führt", sagte Reischl.

Auch der Hauptverband der Sozialversicherungsträger fordert das Aus für die Kampagne.