Chronik | Wien
16.10.2016

Treffpunkt: Wo Lisa Eckhart nicht aneckt

Nach ihren Auftritten geht die Kabarettistin gern in das urige Jazzlokal in der Josefstadt.

" Miles Smiles" steht in geschwungener Schrift auf dem Schild neben dem Eingang.

Und vielleicht hätte der amerikanische Jazz-Trompeter Miles Davis tatsächlich gelächelt, wenn er das nach ihm benannte urige, des Nachts verrauchte Jazzlokal mitten im Achten betreten hätte.

Kabarettistin und Poetry-Slammerin Lisa Eckhart musste es jedenfalls und hat es mittlerweile zum Stamm-Nacht-Lokal auserkoren. "Ich bin halt ein Gewohnheitstier und erkunde ungern Neues", meint sie, als der KURIER sie an diesem Abend dort trifft.

Ganz wahr kann diese Aussage nicht sein. Schließlich lebte die 24-jährige gebürtige Steirerin bereits in Paris, London und Berlin. In Berlin hat sie immer noch einen Wohnsitz; seit gut einem Monat einen weiteren in Wien.

Ent-Bildung

Ins " Miles Smiles" kommt sie öfters nach Auftritten, etwa im nahe gelegenen Kabarett Niedermair, wo die Gewinnerin des Österreichischen Kabarett-Förderpreises auch gestern, Samstag, auf der Bühne stand. Zu sehen gab es ihr Kabarettprogramm "Als ob Sie Besseres zu tun hätten". Ein Titel, der irritiert, hinterfragt, aneckt. Genau das möchte Eckhart. Die Menschen mit ihren pointierten und liebevoll gestalteten Sätzen aufrütteln: "Eine Art Ent-Bildung praktizieren, auflösen anstatt zu festigen und schauen, was entsteht."

Worum es in dem Stück genau geht? "Es ist ein erstes Umsichschlagen; Politik, Religion, Liebe, all das wird kurz angestochen wie eine Sau."

Während sie das erzählt, dreht sie eine Zigarette und Lokalchef Christoph Prisching stellt ein Glas – für den Anfang nur Wasser – vor ihr auf einem kleinen Holztischchen ab. Noch sind die meisten anderen Tische leer. Es ist noch zu früh.

Das Jazzlokal, das im September 35-jähriges Bestehen feierte, verbreitet seinen wahren Charme nach Einbruch der Dunkelheit; ein Kleinod, das Musikliebhaber, Künstler und andere Nachtschwärmer zu stundenlangem Philosophieren einlädt.

Christoph Prisching, der das Lokal mit Harald Seebacher führt, arbeitet hier seit 1991, dem Todesjahr von Miles Davis. Manche Zufälle kann man nicht erfinden.

Gold schöpfen

Auf Zufälle verlässt sich Eckhart beim Schreiben nicht. Zu Ideen müsse sie sich prügeln. "Ich starr’ drei Stunden auf den Bildschirm, rauch’ zwei Packerln Zigaretten und dann geht was."

Zur Sprache hat es sie immer schon hingezogen, besonders zur deutschen, die sei die "gefügigste Prostituierte" von ihnen. Weil sie sich drehen und wenden ließe, weil man mit ihr so gut spielen könne. Und doch gibt es hier eine besondere Herausforderung: "Als Schreiber liegst du im selben Wasser wie alle anderen Sprecher, du musst Gold schöpfen mit dem, was jeder schon im Mund hatte."

Dennoch gebe es nichts Schöneres, als mit eigenen Texten auf der Bühne zu stehen: "Erst dort entsteht so etwas wie ein Ich. Was andere ,echtes Leben‘ nennen, ist für mich wahnsinnig anstrengend. Andere Menschen waren mir immer schon hochgradig suspekt, ich habe ein bisschen Angst vor ihnen."

Vielleicht geht sie auch deshalb so gern ins "Miles", weil sich Zigarettenrauch und Kerzenlicht schützend um einen legen.

Lisa Eckharts herbstliche Aktivitäten

Das Stück„Glaube, Liebe, Politik und andere Taschenspielerstreiche werden liebevoll seziert, bis sich die Tragödie zur Komik steigert. Was bleibt zu sagen? Katzen würden Whiskas kaufen und sich im Anschluss dieses Programm ansehen. Weil Sie es sich wert sind.“ Info: lisaeckhart.com

Die Termine (Auszug)

27. 10., Theater am Alsergrund
23. 11., Theater am Alsergrund
10. 12., Kabarett Niedermair

Lange Nacht des KabarettsGemeinsam mit anderen Künstlern
28. 10., Pielachtalhalle
29. 10., Kino, Attnang-Puchheim
24. 11., Kleines Theater, Salzburg