Chronik | Wien
15.10.2017

Treffpunkt Wien: Wiener Küche für den Weltmusiker

Seinen 60er feiert Harri Stojka mit Freunden im Konzerthaus, den Feierabend gern mit seiner Frau im Figls.

Harri Stojka hat Konzerte auf der ganzen Welt gespielt und verknüpft Musikstile aus allen Kulturen der Erde. Aber in puncto Kulinarik, da findet er’s daheim doch am besten: Nach all den Reisen sagen ihm Wiener Gerichte wie Eiernockerl, Geröstete Knödel oder Wiener Schnitzel immer noch am meisten zu.

Letzteres wird ihm gemeinsam mit einem Erdäpfel-Vogerlsalat soeben serviert. Im "Figls" , einem Bierlokal der Familie Figlmüller in der Grinzinger Straße. Hier hat sich der Künstler, der zu den bedeutendsten österreichischen Jazz-Musikern der Gegenwart zählt, mit seiner Frau und Managerin Valerie zum Abendessen eingefunden. Im hintersten Eck des Lokals, wo es ruhig ist und man durchs Fenster die Umrisse der Kastanienbäume in der Dämmerung sehen kann.

In einem Bezirksteil, der vor allem für seine Heurigen bekannt ist, haben Hans und Thomas Figlmüller vor 13 Jahren beschlossen, aus dem elterlichen Heurigenbetrieb ein Wirtshaus mit Bierfokus zu eröffnen. Zunächst wurde das kritisch beäugt.

Denn Wien wäre nicht Wien, wenn sich bei neuen Dingen nicht zunächst Skeptiker melden würden. Sätze wie "Ein Bierlokal inmitten von Weinbergen, wer kommt denn auf so eine Idee?" mussten sich die beiden anhören.

Heute sind die Kritiker verstummt. Denn das Lokal mit der teils traditionellen, teils neu interpretierten Wiener Küche und dem umfangreichen Bierangebot, mit dem großen, kupfernen Biertank hinter der Schank, der Holzeinrichtung und dem warmen, gelben Licht hat sich bald als Erfolg entpuppt.

Türen öffnen

Sich nicht von Kritikern abhalten lassen, sondern den eigenen Weg gehen, das hat Harri Stojka mit den Figlmüller-Brüdern gemein. "Die Leute denken halt gerne in Schubladen", meint der Künstler, zuckt mit den Schultern und nimmt einen Schluck Cola. "Sie sehen mich zum Beispiel als Gypsy World Musiker und erwarten einen gewissen Django-Reinhardt-Style. Mein neues Projekt Other Doors geht jetzt aber in eine ganz andere Richtung, das ist schon fast bei der Zwölftonmusik angesiedelt." Einen Auszug davon wird es am 28. Oktober im Wiener Konzerthaus zu hören geben. Da feiert er mit Fans und Freunden seinen 60. Geburtstag. "Ein paar werden die neuen Lieder vielleicht vor den Kopf stoßen. Aber schließlich will man sich ja weiterentwickeln, neue Türen öffnen. Und ich bin ja nicht auf der Welt, um es anderen recht zu machen. Ich muss ja selbst mich finden."

Zumindest dass er Musiker werden möchte, das hat Harri Stojka schon als Kind gewusst. "Ein bisschen geprägt hat mich wahrscheinlich George Harrison", meint er. "Der war so fescher Typ mit seiner Gitarre, hat drei Töne gespielt und ich hab gedacht, ja, das will ich auch." Mit einem verschmitzten Lächeln fährt er fort: "Und dann hab ich gesehen, wie die Mädls auf ihn reagieren und mir gedacht: Jetzt will ich es noch mehr." Er lacht. Ob das mit den Mädchen geklappt hat? "Naja", räumt er ein. "Ned so wie beim George Harrison." Aber letztlich habe er nie Gitarre gespielt, um Mädchen abzuschleppen. "Ich bin kein spiritueller Mensch, aber Musik hat für mich nichts mit erdbezogenen Dingen wie Frauen zu imponieren zu tun. Das ist überirdisch."

Viele Lieder habe er ja auch geträumt. "Bei ,Another Day‘, zum Beispiel, bin ich mitten in der Nacht mit der Melodie im Kopf aufgewacht und hab mir gedacht, wie merk ich mir das jetzt bloß. Ich bin kein Notist, ich kann schlecht Notenschreiben. Also habe ich es mir vorgepfiffen und dann am Kasettenrekorder aufgenommen." Er zuckt mit den Schultern und spießt den letzten Bissen Schnitzel auf. "So machen wir Autodidakten das eben." Und so macht er das hoffentlich noch lange.