Chronik | Wien
30.04.2017

Treffpunkt Wien: Stefanie buhlt um Europa

In Salzburg wird Stefanie Reinsperger heuer zur Buhlschaft. In Wien stärkt sie sich im Café Europa.

Als Stefanie Reinsperger am Max-Reinhardt-Seminar aufgenommen wurde, bekam sie nach der Gratulation einen Zettel mit Wien-Empfehlungen in die Hand gedrückt. Ganz oben auf der Liste stand das Café Europa, das urig-gemütliche Lokal in Neubau, das zu fast jeder Uhrzeit offen hat und trotzdem (oder gerade deswegen) stets voll besetzt ist. Schon einen Tag später stattete sie der Wiener Lokalinstitution in der Zollergasse ihren ersten Besuch ab – und kehrt seitdem überaus häufig wieder.

Zum Kaffeetrinken und Lesen, zum Textlernen und Tratschen.

"Ich habe in diesen Räumen schon alle Emotionen erlebt. Man trifft hier einfach immer Leute. Und das Beste: Es ist eines der wenigen Lokale in Wien ist, in dem es noch nach den Vorstellungen warme Küche gibt", sagt die Schauspielerin, die sich auch an diesem Frühlingsnachmittag wieder auf einer der olivgrünen Ledercouches des Lokals niedergelassen hat. "Es gibt nämlich nichts Besseres als Knödel mit Ei kurz vor Mitternacht", verrät sie, während ihr Gastgeber Aaron Friesz den nächsten Kaffee serviert. Kaffee trinkt die Schauspielerin außerordentlich viel. Auch wenn sie nervös ist.

Kaffee-o-holic

"Als ich den Anruf mit der Buhlschaftsanfrage bekommen habe, war mein erster Satz tatsächlich: ,Ich muss jetzt einen Kaffee trinken, ich ruf zurück.’ Weil es mich so geflasht hat. Sofort ist mir in den Kopf geschossen, wer das schon gespielt hat und ich hab gedacht: Wahnsinn. Aber dann habe ich gehört, dass Tobias Moretti den Jedermann spielt und er mich unbedingt dabei haben will. Mehr kann man sich eigentlich nicht wünschen", sagt sie und in ihren Augen blitzen Freude und Energie auf. Dabei hat sie noch gar nicht mit Moretti gespielt. Er hat sie aber auf der Bühne gesehen und sich deshalb dafür eingesetzt. "Solche Vorschusslorbeeren sind unglaublich."

Ob sie schon nervös ist? "Noch kann ich es ganz gut vor mir herschieben", sagt sie und nimmt einen Löffel Milchschaum. So richtig wird die Aufregung wohl nach dem 7. Mai kommen. Denn kommenden Sonntag steht ihr noch eine andere große Premiere bevor: Die Hauptrolle "Philoktet" im gleichnamigen Drama von Heiner Müller. Darin spielt sie einen verwundeten Soldaten, der auf einer Insel ausgesetzt wurde und von Rache und Verlustängsten getrieben ist.

Es ist das zweite Mal, dass sie in eine männliche Rolle schlüpft. Als somalischer Pirat in "Die lächerliche Finsternis" sorgte sie 2014 für Aufsehen. "Eigentlich ist das ja nichts Neues. Angela Winkler hat 1999 schon den Hamlet gespielt. Aber offenbar gibt es jetzt wieder eine Sehnsucht danach. Und ich finde es spannend, mich mit so archaischen Themen beschäftigen zu können."

Mutter sei Dank

Dass sie den Einstieg in die Theaterwelt geschafft hat, hat die heute 29-Jährige ein wenig ihrer Mutter zu verdanken. Nachdem Stefanie Reinsperger bei der Bewerbung an der Berliner "Ernst Busch"-Schule in der Endrunde scheiterte, war sie so frustriert, dass sich nirgendwo mehr anmeldete. Kurz bevor die Prüfungen am Max-Reinhardt-Seminar losgingen, packte sie aber doch wieder die Lust. Die Anmeldefrist war da schon vorbei. Noch bevor sie Verzweifeln konnte, sagte ihre Mutter, dass sie sie angemeldet hatte.

Vom Theater ist übrigens nicht nur die Lokalbesucherin Reinsperger, sondern auch der Loklabetreiber Friesz fasziniert. Und so hat auch er eines Tages den Mut gefasst und ging zum Vorsprechen. Mittlerweile stand er bei "Antigone", "Lumpazivagabundus" oder in "80 Tagen um die Welt" im Burgtheater auf der Bühne. Sind sie schon gemeinsam aufgetreten? "Noch nicht", sagen sie fast unisono und Friesz ergänzt mit einem Augenzwinkern: "Mit der Betonung auf dem Noch."

Stefanie Reinsperger

Philoktet

Im Drama von Heiner Müller spielt Stefanie Reinsperger die männliche Hauptrolle Philoktet. Premiere ist am 7. Mai, Volx/Margareten.

Jedermann

Bei den Salzburger Festspielen tritt sei heuer als Buhlschaft auf. Der Jedermann an ihrer Seite ist Tobias Moretti.