Chronik | Wien
05.11.2017

Treffpunkt Wien: Orientalische Fusion mit Oscar Wilde

Der Künstler Hubsi Kramar sprach bei Falafel und Hummus über seine neueste Regiearbeit.

Den Winter in Österreich kann Hubsi Kramar nicht so recht leiden. Stets ist es dunkel und trüb, die Menschen sind schlecht gelaunt und schwarz angezogen. Deshalb verbringt der Schauspieler, Regisseur und Aktionist die kalte Jahreszeit seit vielen Jahren in Marokko, wo es Sonne, Wärme und die erfrischende, orientalische Küche gibt. Auch heuer wird er Ende Dezember wieder seine Hunde ins Auto packen und die 4000 Kilometer lange Reise nach Nordafrika antreten.

Zumindest die orientalische Küche gibt es für ihn schon jetzt . Im "Habibi & Hawara", einem bunt eingerichteten Lokal in der Wipplingerstraße, betrieben von den Gastronomen Martin Rohla (Stadtflucht Bergmühle) und David Kreytenberg (Die Liebe) sowie Katha Schinkinger vom Verein "Hosten statt Posten".

Und hier hat sich Hubsi Kramar auch an diesem Tag zum Mittagessen eingefunden und steuert nun das Mittagsbuffet im Hauptraum an. Auf einer massiven Holzkommode warten Falafeln, Hummus, gebratene Süßkartoffeln oder Arabischer Salat mit Schafkäse in silbernen Schalen auf die Gäste.

Beim Betreten des Hauptraumes fällt der Blick auf das Panoramabild: Österreichische Alpen gehen in eine arabische Landschaft über. Und eine österreich-orientalische Fusion, genau darum geht es ja im "Habibi & Hawara".

Arbeit mit Flüchtlingen

Dabei ist es nicht nur das kulinarische Angebot, das Hubsi Kramar begeistert, sondern auch das soziale Engagement: In dem Restaurant bekommen geflüchtete Menschen mit positivem Asylbescheid die Möglichkeit, in Küche und Service zu arbeiten. "Ich finde das großartig", meint Hubsi Kramar, während er sich seinen Teller mit Kichererbsensalat, Kürbisgemüse und Kartoffeln füllt. "Wenn wir alle ein bisschen offener wären, gäbe es so viele Probleme nicht. Und irgendwie sind wir doch alle Flüchtlinge, sind alle nur flüchtig auf der Erde."

Das Klammern an materielle Dinge kann Hubsi Kramar sowieso nicht nachvollziehen. "Was hab ich davon, wenn ich auf einer goldenen Klomuschel sitz und Durchfall hab oder Verstopfung? Das Schlimmste im Leben ist der falsche Lebensernst. "

Ernst, der spielt auch in seiner neuesten Regiearbeit eine Rolle. Hubsi Kramar befindet sich in der finalen Probenzeit für seine neue Inszenierung von Oscar Wildes "Bunbury – The Importance of Being Earnest". Wieso dieses Stück? "Der Narzissmus ist das Symbol unserer Zeit", meint der Künstler und nimmt einen Schluck von seinem kleinen Bier. "Die Menschen wollen nicht kritisiert, sie wollen nur gelobt werden. Wie heißt es in der Bibel: Der Kuss eines Feindes ist dem Menschen lieber als die Ohrfeige eines Freundes. Das passt heute doch noch immer." Und zu dieser Lebenseinstellung würde eine bitterbös-komische Abrechnung mit Heuchelei und Oberflächlichkeit doch wie die Faust aufs Auge passen. Premiere ist am 8. November im Theater Akzent.

Dass andere Menschen in seinem Alter – Hubsi Kramar wird nächsten Juni 70 Jahre alt – schonlange in Pension sind, bei dem Satz schüttelt er nur den Kopf. "Bei Künstlern ist das sowieso anders", meint Hubsi Kramar. "Außerdem bin ich das jüngste von sieben Kindern. Die hauen einen vom Wickeltisch und nehmen einem das Spielzeug weg. Da muss man ziemlich stark sein. Ich glaub ja, in Wahrheit habe ich deshalb so viel Energie, weil ich noch heute gegen meine Geschwister arbeite."

Und er versucht achtsam mit seinem Körper umzugehen. Er beginnt jeden Morgen mit einem Kopfstand und einem Esslöffel Apfelessig, raucht nicht, trinkt Alkohol in Maßen und achtet beim Essen auf frische und hochwertige Produkte. So wie es sie im "Habibi & Hawara" gibt.