Chronik | Wien
28.05.2017

Treffpunkt Wien: Na Hawidere, was für ein Holodrio

Rudolfsheim. Im Lieblingsbeisl gibt’s für Christoph Krutzler Bier und Burger, im Rabenhof eine Heller-Revue.

Erste Bühnenerfahrung sammelte Christoph Krutzler als Elfjähriger in Rock und Bluse. Er mimte die Verkäuferin in Karl Valentins "Im Schallplattenladen".

Denn in dem bischöflichen Knabenseminar, das er besuchte, wurden die Frauenrolle von Schülern übernommen, die noch nicht im Stimmbruch waren. Abgesehen vom Theaterspielen interessierte sich Krutzler während seiner Schulzeit für kaum etwas. Deshalb musste er nicht lange überlegen, was er nach der Matura tun würde. Und der Plan ging auf. Nach Engagements in Graz und Villach kam er 2005 ans Volkstheaters. Er wirkte in diversen Film- und Fernsehproduktionen mit und steht im September in zwei Rabenhof-Stücken auf der Bühne.

Die Blues Band

Eine davon ist die André-Heller-Revue "Holodrio" – "die schönste Produktion, in der ich je mitgewirkt habe", meint Krutzler, als ihn der KURIER eines Nachmittags in seinem "zweiten Wohnzimmer" trifft, im Lokal Hawidere. Krutzler fährt fort: "Weil es einfach so stimmig ist. Auch Thomas Grazer meint, Holodrio zählt zu den drei tollsten Vorstellungen in seinen zwölf Jahren als Direktor."

Während Krutzler das erzählt, nickt er Lokalchef Adalbert Windisch zu, der gerade aus der Küche kommt.

Bier und Burger

Windisch ist übrigens nicht nur wie Krutzler im Burgenland aufgewachsen, sondern hat auch dasselbe Knabenseminar besucht. Kennengelernt haben sich die beiden allerdings erst in diesem urigen Lokal, als Krutzler rund um die Jahrtausendwende mit seiner damaligen Blues Band auftrat.

Was er ihm heute bringen darf? Krutzler studiert kurz die Biertafel über der Schank. 14 Hähne hat die Zapfleitung im Hawidere zu bieten, vier der Biere stammen dabei aus der eigenen Brauerei Collabs. Etwa das "Domrep Pils", das heuer beim World Beer Award als bestes Pils ausgezeichnet wurde. Krutzler wählt die "Tote Tânte", ein Collabs-Bier mit Strohrum.

Das zweite B, für das Krutzler gerne ins Hawidere kommt, sind die Burger. Auch hier gibt es eine umfangreichen Auswahl – von klassischen Varianten wie dem Rindfleisch-Burger mit scharfer Chili-Sauce bis zu ungewöhnlicheren Kombinationen wie frittierten Kohlsprossen mit doppelt Cheddar.

Musik und Murer

Während Krutzler den ersten Schluck Craft Bier nimmt, erzählt er von seinen neuen Projekten. Die Blues Band von früher, die gibt es zwar nicht mehr, dafür steht im Herbst die Premiere mit der neuen Band "Herr Krutzler und das Postmeistersyndikat" an. Zu diesen Proben kommen die letzten Drehtage für den Spielfilm " Murer – Anatomie eines Prozesses" (der vom Justizskandal um den Grazer Lokalpolitiker Franz Murer handelt, Anm.) und die ersten Proben für die zweite Rabenhof-Produktion: das Singspiel "Mayerling" von Ernst Molden, bei dem Manuel Rubey als Geist des Kronprinz Rudolfs auftreten wird. In Graz spielt Krutzler dann noch bei " Warten auf Godot" mit.
​Und in den freien Minuten, die übrig bleiben, wird der 39-Jährige Obst schneiden. Im Südburgenland bewirtschaftet der Künstler gemeinsam mit einem Kompagnon nämlich einen großen Obstgarten.

Wie sich das ausgeht? "Mein Opa meinte immer, sein Tag hat 25 Stunden", erklärt Krutzler augenzwinkernd. "Er ist nämlich Maschinist gewesen und da kommen alle zwölf Stunden, eine halbe Stunde Schmieren dazu. Das hat er mir vererbt."