Chronik | Wien
18.03.2018

Treffpunkt Wien: Paris in der Mittagspause

Im Beaulieu gibt es Café, Croque Madame und Crémant. Herrlich, findet ROMY-Nominierte Hilde Dalik.

Sie lügt, schwindelt und verheimlicht Dinge. Vanessa Schwarz – zu sehen bis vor Kurzem in der dritten Staffel "Vorstadtweiber" – ist zumindest auf den ersten Blick keine wirkliche Sympathieträgerin. Dennoch hätte Hilde Dalik keine andere Rolle spielen wollen.

Warum? Weil es eben einmal keine nette Figur ist, wie sie sie so oft spielt. Und weil es doch viel spannender ist, in Personen zu schlüpfen, die anders sind. "Wir sind ja ein bisschen wie Detektive, erkunden, wie Menschen funktionieren und warum sie dieses oder jenes tun", sagt die ROMY-Nominierte, als der KURIER sie an diesem regnerischen Märztag zum Mittagessen im Beaulieu trifft.

Ein bisschen müde ist sie noch. Der Dreh, der vor einigen Tagen bis fünf Uhr früh dauerte, hängt ihr ein wenig nach. Sie steht derzeit für Eva Spreitzhofers Spielfilmdebüt vor der Kamera. Die Geschichte handelt von einer Patchworkfamilie, "Nicht auch das noch" lautet der Arbeitstitel und Hilde Dalik spielt die neue Frau von Simon Schwarz. Diese Rolle ist übrigens auch der Grund, weshalb sie aktuell ihre Haare dunkelbraun gefärbt hat.

Frankophil

Dunkelbraun ist auch das Holztischchen, auf dem die Kellnerin den Tisane Digestive, einen Kräutertee, abstellt. Es ist ein Tischchen, wie man es auch in einem französischen Bistrot finden könnte. Generell fühlt sich Hilde Dalik hier nach Paris versetzt: "Der einzige Unterschied ist, dass die Tische nicht ganz so eng platziert sind."

Ein schöneres Kompliment kann man Anna und Christoph Heinrich kaum machen.

Es war ihre Leidenschaft für Wein, Delikatessen und Frankreich, zusammen mit dem Wunsch, diese Freude zu teilen, der das Paar vor sechs Jahren dazu bewogen hat, ein Bistrot inklusive Epicerie (dt.: Lebensmittelladen) in der Ferstelpassage zu eröffnen. In der Einkaufspassage versorgen die Heinrichs seitdem Gäste mit Quiche Lorraine und Croque Madame, mit Rotwein aus Bordeaux oder Camembert aus der Normandie.

Hilde Dalik bestellt eine Soupe Marocaine au Poulet, Hühnersuppe mit Ingwer und Koriander, und einen Salade Chèvre Chaud mit gereiftem Ziegenkäse.

Hühnersuppe zählt übrigens zu den Gerichten, die auch Hilde Dalik richtig gut kochen kann. "Bei mir ist das so: Entweder wird das Essen hervorragend, oder es heißt: Leider nein", sagt sie und muss lachen. "Ich hab zum Beispiel einmal Palatschinken gemacht. Da glaubt man: einfach. Aber ich wollte kreativ sein, habe ein spezielles Mehl verwendet, und im Endeffekt sind die Palatschinken zerbrochen."

Neue Welten

Apropos kreative Ideen: Eigentlich ist es ihr Traum, als Regisseurin neue Welten zu erschaffen. Ein bisschen hat sie in die Regiearbeit schon mit ihrer Theatergruppe "Chong" hineingeschnuppert.

Gemeinsam mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen aus dem Laura-Gatner-Haus von der Diakonie hat sie "Romeo und Julia – freestyle" erarbeitet und aufgeführt. "Es war eine unglaublich tolle Erfahrung für mich, diese jungen Menschen kennenzulernen", sagt sie. "Man ist zuerst doch ein bisschen unsicher. Auch wenn man sich vornimmt, keine Vorurteile zu haben. Aber dann überwindet man sich, gibt ihnen die Hand und spricht miteinander. So habe ich viele liebenswerte Menschen und interessante Künstler kennengelernt."

Im Juni feiert Hilde Dalik übrigens ihren 40. Geburtstag. Ob ihr diese Zahl zu schaffen macht? "Aber nein, eigentlich bin ich neugierig. Außerdem: Ich kann mir zwar wünschen, dass die Zeit stehen bleibt, aber sie tut es eh nicht. Und mein Papa hat immer gesagt: ,Man kann schon versuchen, etwas zu verändern. Aber wenn man merkt, dass das nicht geht, hilft es, die eigene Einstellung zu überdenken.’ Und wir bleiben ja der gleiche Mensch. In Wahrheit sind wir doch immer noch zwölf. Wir schauen halt anders aus."