Chronik | Wien
07.05.2017

Treffpunkt Wien: Louie und Palatschinken, That’s Amore

Im Theater Akzent singt Louie Austen Liebeslieder, in der Palatschinkenkuchl findet er seine liebste Süßspeise.

Louie Austen, Pianist, Akkordeonspieler und Jazzlegende, schätzt die Küche in seiner Innenstadtwohnung eigentlich sehr. Denn sie ist groß, geräumig und sonnig. Das einzige, jedoch ziemlich gravierende Problem: Es gibt keine richtige Kochmöglichkeit. Denn als er die Wohnung vor 30 Jahren einrichtete, lag der Fokus seiner amerikanischen Ehefrau nicht so sehr beim Kochen, sondern bei Restaurantbesuchen.

Und so ist ein Lokal, das sich gleich ums Eck befindet, für Louie Austen zu einer Art ausgelagertem Esszimmer geworden: "Heindls Schmarren- und Palatschinkenkuchl", das gemütliche, leicht verwinkelte Restaurant, in dem der Fokus – wie der Name vermuten lässt – auf Schmarren und Palatschinken liegt.

Als der KURIER den Musiker hier trifft, ist er nicht wie üblich in einen weißen Anzug gekleidet, sondern trägt ein kirschrotes Sakko mit weißen Herzen. Das Outfit für sein neues Programm "That’s Amore", mit dem er kommenden Samstag, am Abend vor Muttertag, Premiere feiert.

Der Schlüsselmoment dafür ereignete sich während eines Weihnachtskonzerts im "Ku De Ta" auf Bali. "Eigentlich kann man sich ja nichts Besseres vorstellen", sagt Austen, nachdem wir am Tisch Platz genommen haben. "Dort hat es zu Weihnachten 24 Grad, das Lokal hat eine Riesenbühne und liegt direkt am Strand. Aber als ich nach 24 Stunden Unterwegssein dort ankam, war ich fix und fertig. Draußen war's zu heiß, drinnen auf 16 Grad runtergekühlt – und ich wollte nur weg." Nachdem er sein Leben lang in der Welt herumgereist war, spürte er, dass es genug war. Es zog ihn zurück in die Heimat. Und eine Idee, die schon länger in seinem Kopf herumgespukt hatte, nahm konkretere Formen an: Er wollte den schönsten Liebeslieder der vergangenen 60 Jahren einen Abend widmen. Klassikern wie Dean Martins " That’s Amore" oder "Love, this is my song", seinem Charlie-Chaplin-Favorit.

Sein kulinarischer Favorit in der Palatschinkenkuchl ist übrigens eine süße Variante mit Topfen, Weichselmarmelade und Vanillesauce. Und genau die wird ihm soeben von Chefkoch Fritz Schubert, der seit 25 Jahren hier arbeitet, persönlich serviert.

Süß, pikant, eisig

Vor 30 Jahren kam Lokalbesitzer Erich Heindl (Sohn von Walter Heindl, Gründer der "Confiserie Heindl") die Idee, sich auf Palatschinken zu spezialisieren. Zunächst eröffnete er ein kleines Geschäft am Naschmarkt. Weil sein Konzept aber äußerst gut ankam, musste er sich bald nach einem größeren Lokal umsehen – und kam so in die Grashofgasse, wo er heute von seinem Schwiegersohn Roland Pfleger unterstützt wird.

Mittlerweile kann der Gast zwischen 27 pikanten, 17 süßen Palatschinken und fünf Eispalatschinken wählen. Dazu gibt es zehn Schmarren und Küchenklassiker wie Käsespätzle und Kalbsrahmgulasch.

An solch deftige Sachen wie Gulasch wagt sich der Hobbykoch Louie Austen (noch) nicht, aber an Gemüsepfannen versucht sich der 70-Jährige seit einem Jahr. Das kam so: "Ein Freund begann, zu fasten und ich nahm mir auch vor, nichts mehr zu rauchen, kein Bier und keinen Kaffee zu trinken und kein Fleisch zu essen. Am dritten Tag dachte ich, ich schaff’s nicht mehr. Ich wusste nicht mehr, was ich essen sollte." Also rief er seine Mutter an und meinte: "Mama, ich will kochen, aber ich weiß nicht wie." Kurz darauf stand er beim Gemüsehändler ums Eck.

Seitdem gibt es in seiner Ranch in Kritzendorf hauptsächlich vegetarische Gerichte. "Seit einem Monat isst sogar meine Frau mit – weil ich gut genug geworden bin", sagt Louie Austen, muss herzhaft lachen und nimmt dann den letzten Bissen Palatschinke. Denn egal, wie gut er kochtechnisch noch werden wird, für seine Lieblingspalatschinke wird er stets in die Grashofgasse 4 kommen.